Dienstag 8. Juni – Böden und Busse

Mein Ziel war heute ein doppeltes einerseits das Kennenlernen des lokalen Raumausstatters in PB und andererseits die Erkundung der öffentlichen Verkehrsverbindungen dorthin. Dafür hatte ich eine Menge Fahrpläne studiert und auch eine sehr brauchbare app gefunden.

Der Raumausstatter hat sich als hauptsächlich Maler und Bodenleger entpuppt. Gut, ist mir auch Recht. Ein Zimmer braucht ohnehin einen neuen Boden und es ist praktisch, dass man Farben und Malerzubehör bei ihm kaufen kann, zumal sein Geschäft gerade ein paar hundert Meter von der Wohnung entfernt ist. Ich schicke also meinen Maler dorthin und er muss nur alles abholen und ans Werk gehen.

Die Zug- und Busverbindungen sind, nun sagen wir mal komplex. Es gibt verschiedene Möglichkeiten auf beiden Seiten der Donau. Die Zugstrecke, die uns einen Bahnhof im Ort beschert hätte, ist allerdings vor ein paar Jahren eingestellt worden . Naja, immer noch besser als es gäbe sie noch und sie würde demnächst eingestellt werden.
Die Anreise ist also mit mindestens zweimaligem Umsteigen verbunden. Kam mir zunächst ziemlich furchtbar vor, vor allem weil für das Umsteigen überall nur ein paar wenige Minuten zur Verfügung stehen. Aber überraschenderweise war es überhaupt nicht unangenehm, weil die Strecken in den verschiedenen Verkehrsmitteln immer kurz waren und alles geradezu auf die Sekunde genau pünktlich. Außerdem sind die Bahnhöfe überschaubar und die Zeiten wirklich so berechnet, dass man bequemen Schlenderschritts von einem Verkehrsmittel zum anderen gehen kann. Es waren auch ein paar bepackte Leute unterwegs, die das Umsteigen auch sehr gut geschafft haben.
Im Bus fährt man eine schöne Strecke entlang der Donau an Orten mit klingenden Namen wie Pöchlarn und Melk vorbei. Zwei von den Bussen, mit denen ich gefahren bin, standen mir als privates Taxi zur Verfügung, weil es gerade nicht die richtige Zeit für die Schulkinder war. Also, Experiment auf der ganze Linie erfolgreich.

Es war zwar den ganzen Tag über ziemlich heiß, aber am späten Nachmittag begann es leicht zu nieseln, was ich sehr angenehm fand.

Ein ganz spezielles Gefühl war es, mitten im Nirgendwo zu stehen (aus meiner Sicht) nur in Begleitung einer Tafel auf der die Abfahrtszeit des Busses stand. Kommt er, kommt er nicht, gibt es diesen Bus überhaupt? Tatsächlich bog er absolut pünktlich um die Kurve. Es mag ja seltsam erscheinen, aber für mich ist so ein kleiner Ort eine fremde Welt, in der ich Vertrauen erst aufbauen muss.

15 Gedanken zu “Dienstag 8. Juni – Böden und Busse

  1. Das erinnert mich alles sehr an unsere Befürchtungen und Erfahrungen, als wir vor über 20 Jahren aufs Land gezogen sind. Wirst sehen, auch in PB ist normales Leben möglich. Mir kommt das Landleben heute normaler vor, als diese Turbo-Existenz in den Städten.

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    1. Ich habe mich auch gewundert, dass alles so perfekt pünktlich war. Wenn nicht hätte ich sehr viel länger gebraucht.
      Aber dass in Deutschland die Züge nicht pünktlich sind, kratzt an meinem Weltbild 😉 🙂

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  2. Vor gut zehn Jahren musste ich sonntags (ich hatte die weiteste Anreise) dienstlich in ein kleines Dorf in Baden-Württemberg fahren. Mit der DIE BAHN. Von meinem Ort nach Koblenz. Umstieg in den Zug nach Heidelberg. Von dort nach Heilbronn. Weiter nach Öhringen. Von dort mit dem Bus nach Untersteinbach-Pfedelbach. Es war das letzte Mal für viele Jahre, dass die DIE BAHN mich überraschte: alle Züge und der Bus fuhren, und auch noch pünktlich. In den Jahren danach gab es Situationen, in denen ich spontan am Bahnhof einen Mietwagen nehmen musste, um überhaupt noch nach Hause zu kommen. Dort in Untersteinbach-Pfedelbach war ich dann von Sonntag auf Montag der einzige Gast im riesigen Bildungszentrum (den Schlüssel hatte man für mich in der Tiefgarage hinterlegt). Es kam so ein Shining-Feeling auf.

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    1. Auf jeden Fall wird es einem nicht langweilig bei dem vielen Umsteigen 😉
      Erinnert mich an eine Schülerin aus der Mongolei, die erzählte, dass es in ihrem Land auf jedem Bahnhof Pferde gibt, die man nach dem gleichen System wie ein Mietauto ausleiht 🙂
      Untersteinbach-Pfedelbach ist ja als Name schon gruselig genug 😉

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