Atelier – Übermalbild 2

Diese beiden kleinen Bilder empfand ich als absolut verhunzt. Sie sind in einem Kurs entstanden, dessen Leiterin eine Bastelphase hatte und sämtliche Leinwände mit Seidenpapier beklebte. Dazu hatte ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt keinen Zugang und klatschte lustlos irgendwelche Papiere irgendwie auf eine möglichst kleine Leinwand. Das Ergebnis sah entsprechend aus. Von diesem Zustand gibt es kein Foto, weil ich nicht angenommen habe, dass daraus jemals irgendetwas wird, was ich in einem Foto festhalten wollte.

Die beiden Ungeliebten waren weiß und ich beschloss an ihnen wenigstens zu üben, wie man mit Ölfarbe umgeht. Sie wurden also orange und schwarz übermalt und dann laaange zum Trocknen aufgestellt. Das Ergebnis fand ich nichtssagend. Nachdem mein Generalplan aber lautet aus jeder vorhandenen Leinwand etwas zu machen, zwischen „naja“ und „gefällt mir sehr“, ging ich in die Offensive mit dem Gedanken „wenn ich das blöde Seidenpapier nicht entfernen kann, dann klebe ich halt noch viel mehr darüber“

Das sah dann so aus und gefiel mir auch nicht

Also noch mehr schwarzes Seidenpapier, ein Stück oranges Papiergewebe fand auch noch seinen Weg auf das Bild. Inzwischen hatte ich gerade einen gewissen, kleinen Zugang zu Materialmix. Und viel Weiß. Das brachte mir auch die Beantwortung meiner Frage, ob man mit Ölfarbe lasieren kann: nicht so gut wie mit Farben auf Wasserbasis aber doch.

So sieht das Endergebnis aus. Der F meinte, es wäre ein geeignetes Cover für ein Science Fiction Buch …

Detail

Jedenfalls freut es mich, dass sich mein Generalplan „aus allem etwas machen, was mir zumindest einigermaßen gefällt“ bisher verwirklichen ließ. Es ist sehr ermutigend, dass aus einem Produkt, dass ich so absolut scheußlich fand, etwas geworden ist, mit dem ich ganz gut leben kann. Ich habe da ja noch etliche Kandidaten für tiefgreifende Veränderungen.

26 Gedanken zu “Atelier – Übermalbild 2

  1. Beim Fürst der Unterwelt klopft die Fürstin an und bittet um Einlaß,
    Es könnten auch Marsmenschen sein, denen sich die Marsrover aus Amerika und China nähern
    Versteinerungen in der Grube Messel irgendwelcher Urgeschöpfe,
    die Idee des Buchcover gefällt mir aber auch

    Kunstunsinnige Ideen einer Frau vom Dach -:))

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  2. Da Ergebnis zu beurteilen, ist bei einem Materialbild nicht leicht, wenn es nur als Foto zur Verfügung steht. Jedenfalls finde ich erfreulich, dass du den Denk- und Seelenprozess, der mit dem Malen einhergeht, nun auch versuchst, in Worte zu fassen.
    Die düsteren Bilder, die Rücken an Rücken stehend eine Einheit zu bilden scheinen, sind jedenfalls alles andere als langweilig, sie regen mich an, wieder und wieder hinzuschauen und über sie nachzudenken, ihre Sprache zu entschlüsseln..

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    1. Ich finde insgesamt, dass Fotos von gemalten Bildern ein sehr schwacher Ersatz für die Originale sind. Allein schon die Farben, die je nach Licht anders aussehen. Ja, das ist im Leben auch so, aber doch wiederum anders, weil man ja in der Realität die Situation und das Licht beurteilen kann …

      Den Prozess des Malens zu betrachten und zu beschreiben, stellt sich als sehr erhellende Übung heraus. Ich werde das sicher weiter praktizieren.
      Es freut mich sehr, dass du mit meinen kleinen Dunklen kommunizierst. Wer weiß, was sie dir alles verraten …

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  3. Deinen Prozess kennenzulernen ist auf jeden Fall ermutigend für Anfängerinnen, denn in der Phase empfindet man missratene Arbeiten zunächst als irreparable Katastrophe.
    Dein Ausgangswerk hast du meiner Ansicht nach jedenfalls gehoben. Anscheinend ist in solchen Fällen „jetzt erst recht“ als Methode aussichtsreicher, als mit kleinklein herumzureparieren. Hat mal wieder geklappt.

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    1. Oh ja, ich weiß. Als ich zu malen begann, hatte ich irgendwie die Erwartung, dass die ersten Pinselstriche entweder „sitzen“ oder das „Bild“ am besten gleich entsorgt würde.

      Ich hatte noch nicht verstanden, dass ein Bild aus vielen Schichten besteht und dass jene Schichten, die man kaum mehr sieht doch den Rest beeinflussen. Ich hatte auch noch nicht erlebt, dass das Bild in der Leinwand oder auf dem Papier schon vorhanden ist und ich es nur herausholen muss. Natürlich weiß ich, dass das Bild nicht in der Leinwand ist, aber ich erlebe es doch so und das ist ein sehr schönes Erleben, das ich aber nur habe, wenn ich mir erlaube mit etwas zu beginnen und vielleicht ganz woanders zu landen

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        1. Das finde ich auch, man entwickelt auch einen Blick für Kompositionen auf klassischen Gemälden. Die „Beschränkung“ von Wasserfarben ist halt, dass man nur von heller auf dunkler übermalen kann, dafür gibt es die Möglichkeit von diesen wunderschönen Fließ- und Verlaufeffekten ….. Die Freuden beim Malen nehmen gar kein Ende 😉

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    1. Ja gell, es ist immer wieder verblüffend, wie wandelbar so ein Stück Leinwand mit ein paar Farben ist…
      Bei gemalten Bildern ist die Überlegenheit des Echten über das Virtuelle einfach nicht zu leugnen. Ich habe mir kürzlich eine virtuelle Ausstellungsführung angesehen und es war ein sehr schwaches Erlebnis obwohl mir die Bilder sehr gut gefallen haben. Ich werde also hingehen und mir die Ausstellung in natura ansehen

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