Hochschießende Aktivitäten

Alles ist in Bewegung. Die Party läuft. Die gesamte Mannschaft ist geladen.

Die Leukozyten haben sich besonders herausgeputzt und üben Kreistänze und Quadrillen. Besonders tänzerisch begabt sind sie nicht, daher bleiben sie bei den von ihren Vorfahren gewählten Tänzen, die sich in Jahrmillionen bewährt haben. Bevor sie zur Arbeit in die Gewebe wandern müssen, wollen sie sich noch amüsieren. Ihre Tanzkostüme sind altertümlich, prächtig, ein bissl steif, aber das verbessert die Haltung bei den Tänzen. Gold, Rot, Blau schreitet majestätisch, verbeugt sich voreinander, trennt sich wieder. Die Basophilen mischen die genau choreografierten Tänze immer wieder auf. Sie flutschen zwischen den Paaren durch und niemand ist sich über ihre Funktion wirklich im klaren. Das ist nicht schlimm, das Ganze greift ineinander und handelt zielgerichtet.

Die natürlichen Killerzellen sind leicht verunsichert und erwarten Anweisungen. Noch stehen sie mit Cocktailgläsern herum und unterhalten sich. Sie spüren ein Kribbeln, das sie zur Arbeit ruft. Es wurden noch keine eingedrungenen Feinde gesichtet, aber sie könnten vorbeugend patrouillieren. Die Kellnerinnen und Kellner, alle aus der Familie der T-Zellen, die überall gleichzeitig sind, servieren Beruhigendes, hauptsächlich Flüssiges. Es gilt ja zu vermeiden, dass alle übereinander herfallen, statt über die von außen kommenden Bedrohungen, wie es ihre Aufgabe ist,

Eine Abteilung von T-Zellen marschiert vorbei. Im Gehen memorieren sie Basen-Paare: GC, GC, AT, AU, AU, GC, AT, AT. Ein gutes Gedächtnis muss man bekanntlich diszipliniert trainieren, auch wenn man eine schwimmende Gedächtniszelle ist oder gerade dann.

Der Strom von B-Zellen aus dem Knochenmark fließt beständig. Wer von ihnen welche Bestimmung finden wird, ist noch unklar. Die Helferzellen sind jedenfalls in ständiger Bereitschaft.

Und da sind plötzlich die Baupläne für die nötige Abwehrtechnologie. Woher sie kommen, bleibt unklar, aber darauf kommt es nicht an. Das System springt an und bereitet sich vor. Es springt in aller Ruhe an, denn die Chefin des Systems ist keine zwanzig mehr und hat daher auch etliche gemütlich agierende Mitarbeiter. Dafür merkt sie auch nichts von den laufenden Aktivitäten.

Zur Sicherheit wird sie in drei Wochen eine Kontrolle der Ergebnisse der diversen Mitarbeiter durchführen lassen. In manchen Fällen ist Kontrolle kein Fehler, auch bei Vertrauen in die hauseigenen Mitarbeiter.

Ja, ich habe gestern die zweite Impfung bekommen und merke nach annähernd 24 Stunden gar nichts davon. Wie gut oder schlecht das ist, weiß ich nicht, aber man kann in jedem Labor einen Anti-Körper-Test machen lassen. Dann stellt sich heraus, wie fit das Immun-System ist und wie gut es arbeitet.

22 Gedanken zu “Hochschießende Aktivitäten

  1. Glückwunsch zur zweiten Impfung und zu diesem tollen Text – da entstehen richtige Bilder und Szenarien im Kopf. Aber vielleicht liegt das auch ein Stück weit daran, dass ich als Kind die Fernsehserie „Es war einmal das Leben“ geliebt habe, wo alle Vorgänge im menschlichen Körper genau so in Zeichentrickversion dargestellt wurden, wie Du sie hier beschreibst 🙂 Solche Bilder sind bei mir also schnell hervorgerufen.

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  2. O, wenn die zweite Impfung sich so auswirkt, hoffe ich auch auf die Wiederbelebung meines Schreibzentrums. Mal sehen, was sich dann tut.
    Dein Text erinnert mich an alte Bilderbücher, die die Vorgänge im Körper für Kinder erklären. Wie hieß denn meins noch? So ähnlich wie Näpfli, die Reise eines roten Blutkörperchens durch den Körper … oder so. Party gab es damals aber noch nicht, ist das erst ab 18?

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  3. Wie fein, deine zweite Impfung. Ein amüsanter Text, danke dir. 😊 Uns hat vor kurzem eine ca. 35jährige Ärztin erklärt, dass wir nicht mit irgendeiner gröberen Impfreaktion zu rechnen haben werden bei der zweiten Teilimpfung und vielleicht nur lokale Reaktionen haben werden, z.B. leicht geschwollene Einstichstelle, in unserem Alter. Sie selbst ist einen Tag gelegen, aber die Reaktion des Immunsystems nimmt ja mit dem Alter ab. Wir sind 54 Jahre und haben uns noch nie so alt gefühlt, wie bei dieser Aussage, obwohl es natürlich auch angenehm ist, nicht von einer Impfung dahingestreckt zu werden.
    Herzliche Grüße
    „Benita“

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  4. Im aller ersten Moment, bin ich erschrocken. Ich dachte das ist die humoristische Verarbeitung einer schrecklichen Diagnose. Nach der Auflösung beziehungsweise als ich es kapiert habe, kann ich nur herzlichen Glückwunsch sagen. Liebe Grüße

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  5. Freut mich, dass es alles so glimpflich abgegangen ist. Möge es so bleiben, und vor allem: Möge es sich als nützlich erweisen, nicht nur zum Reisen! 😁👍
    Guter Text, witzige Idee, gefällt mir echt gut 😁
    Abendgrüße 😁🌦️🍷🥨🧀👍

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