Donnerstag 6.Mai 2020 – Flieder und „Volksgenossen“

Auf dem Weg ins Atelier komme ich an unzähligen Fliederhecken vorbei. Das ganze Jahr über sind es einfach irgendwelche Büsche, die die Sicht der Vorübergehenden und so auch meine einschränken, aber zu ihrer Blütezeit verbreiten sie einen geradezu paradiesischen Duft. Gerade lese ich, dass der Flieder zu den Ölbaumgewächsen zählt. Ein bisschen Weiterbildung im Rahmen des Bloggens kann ja nicht schaden.

Auch sehr Interessant ist, dass die Blüten sich dort häufen, wo Vorübergehende weder mit den Händen noch mit einer arglistig mitgebrachten Gartenschere hinkommen. Dabei handelt es sich bestimmt um ein botanisches Phänomen, denn es würde doch niemand die unteren Blüten …. nein, nie und nimmer, niemals würde ich meinen Mitmenschen zutrauen, dass der Flieder in ihren Vasen irgendwo anders herstammt als aus dem eigenen Garten oder einem Blumengeschäft.

„Arglistig“ ist mir kürzlich beim Unterzeichnen des Wohnungs-Kaufvertrags untergekommen. Da stand „arlistiges Verschweigen von baulichen Mängeln“. Meine juristische Schwägerin meinte, dass es da drei Stufen von Verschweigen gäbe, „arglistiges Verschweigen“ wäre die oberste und in einem Vertrag für die Käuferseite sehr ungünstig, weil sich die Arglist kaum beweisen ließe. Nachdem ich darauf bestanden habe, hat der Notar „arglistig“ gestrichen. Er musste ja aufgrund seiner falschen Berechnungen ohnehin eine ganze Seite umschreiben.

Bis vor kurzem konnte ich noch nicht wirklich nachvollziehen, wie die Zusammenhänge einer totalitären Ideologie wie dem Nationalsozialismus mit einer esoterischen Mystik funktionieren können. In letzter Zeit verstehe ich besser wie man, wenn sich Wissen und Logik verweigern auf Mystik zurückgreift. Wenn ich da höre wie jedes Wochenende vom starken Immunsystem „unseres“ gesunden Volkes gebrüllt wird. Die Nazis waren auch auf der Suche nach dem Gral, wenn ihnen dafür noch Zeit blieb neben der Errichtung und Besiedelung von Vernichtungslagern und dem Einkleiden von „Volksgenossen“ bis hinunter zu Kindern als Kanonenfutter und Mörder, je nachdem.
Geschichte wiederholt sich nicht wirklich. Die Bedingungen sind andere, die Akteure verschieden, es kann zu Verwechslungen zwischen Täter- und Opferrollen kommen. Manche Reminiszenzen an untergegangene Zeiten können aber trotz einer gewissen Komik, die man darin auch sehen kann, durchaus bedrohlich wirken, nicht zuletzt die mystischen.

34 Gedanken zu “Donnerstag 6.Mai 2020 – Flieder und „Volksgenossen“

  1. Deine Anmerkungen zum Flieder haben mich daran erinnert, mit welcher Begründung meine Mutter immer Flieder in ihrem Garten abgelehnt hat: „4 Wochen Puff und 11 Monate Friedhof“.
    Zum Zusammenhang zwischen Nationalsozialismus und mystischem „Denken“ gab es doch mal eine literarische Verarbeitung von Lion Feuchtwanger … war das „Die Brüder Lautensack“?

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    1. Hihi, ein sehr zutreffender Flieder-Spruch.
      „Die Brüder Lautensack“ kenne ich nicht. Wäre vielleicht etwas für mich. Das Thema finde ich faszinierend, auch in der aktuellen Ausprägung.

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        1. Feuchtwangermäßig habe ich etwas aufzuholen … Dumm, dass ich gerade aus der Bücherei zurückgekommen bin, beladen mit Regionalliteratur über die Wachau, da wäre es auf ein Stück mehr oder weniger nicht angekommen. Nächstes Mal …

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  2. Das Böse
    wie das Gute

    liegen als Keime
    in den Wurzeln
    in uns selbst

    wichtig ist
    was die linke Hand will

    mit der rechten Hand
    auch wenn es schwer fällt
    nicht auszuführen

    sich für das Bessere
    tagtäglich sich bemühen

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      1. Liebe Myriade

        Vielen Dank für Deine Antwort.

        Was allen gut tun würde, das weiss ich mir nicht.

        Ich habe mit meinem „Schatten“ eine Arbeit, die mich täglich herausfordert.

        Herzliche Grüße
        Hans

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      1. Nazis interessieren sich noch für eine ganze Reihe anderer spannender Themen. Gerade das macht sie ja so gefährlich. Man erkennt sie aber fast immer, wenn man ihnen genau zusieht und zuhört und immer, wenn man ihnen lange zuhört.

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          1. Im folgenden ihr Grundsatzprogramm. Da lässt sich so manches Akzeptable finden:

            PRÄAMBEL
            MUT ZU DEUTSCHLAND. FREIE BÜRGER, KEINE UNTERTANEN.
            Wir sind Liberale und Konservative. Wir sind freie Bürger unseres Landes. Wir sind überzeugte Demokraten.

            Zusammengefunden haben wir uns als Bürger mit unterschiedlicher Geschichte und Erfahrung, mit unterschiedlicher Ausbildung, mit unterschiedlichem politischen Werdegang. Das geschah in dem Bewusstsein, dass es an der Zeit war, ungeachtet aller Unterschiede, gemeinsam zu handeln und verantwortungsbewusst zu tun, wozu wir uns verpflichtet fühlen. Wir kamen zusammen in der festen Überzeugung, dass die Bürger ein Recht auf eine echte politische Alternative haben, eine Alternative zu dem, was die politische Klasse glaubt, uns als „alternativlos“ zumuten zu können.

            Dem Bruch von Recht und Gesetz, der Zerstörung des Rechtsstaats und verantwortungslosem politischen Handeln gegen die Prinzipien wirtschaftlicher Vernunft konnten und wollten wir nicht länger tatenlos zusehen. Ebenso wollten wir nicht länger hinnehmen, dass durch das Regime der EURO-Rettung längst überwundene Vorurteile und Feindseligkeiten zwischen den europäischen Völkern neu aufbrechen. Daher haben wir uns dafür entschieden, Deutschland und seinen Bürgern in allen Bereichen eine echte politische Alternative zu bieten.

            Als freie Bürger treten wir ein für direkte Demokratie, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit, soziale Marktwirtschaft, Subsidiarität, Föderalismus, Familie und die gelebte Tradition der deutschen Kultur. Denn Demokratie und Freiheit stehen auf dem Fundament gemeinsamer kultureller Werte und historischer Erinnerungen. In der Tradition der beiden Revolutionen von 1848 und 1989 artikulieren wir mit unserem bürgerlichen Protest den Willen, die nationale Einheit in Freiheit zu vollenden und ein Europa souveräner demokratischer Staaten zu schaffen, die einander in Frieden, Selbstbestimmung und guter Nachbarschaft verbunden sind.

            Wir setzen uns mit ganzer Kraft dafür ein, unser Land im Geist von Freiheit und Demokratie grundlegend zu erneuern und eben diesen Prinzipien wieder Geltung zu verschaffen. Wir sind offen gegenüber der Welt, wollen aber Deutsche sein und bleiben. Wir wollen die Würde des Menschen, die Familie mit Kindern, unsere abendländische christliche Kultur, unsere Sprache und Tradition in einem friedlichen, demokratischen und souveränen Nationalstaat des deutschen Volkes dauerhaft erhalten.

            Unsere Ziele werden Wirklichkeit, indem wir den Staat und seine Organe wieder in den Dienst der Bürger stellen, so wie es der im Grundgesetz geregelte Amtseid aller Regierungsmitglieder vorsieht:

            „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.“

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            1. Guten Tag Frau Leela

              Vielen Dank für Ihre Niederschrift.

              „Die unteilbare Menschenwürde gilt uns allen“

              Dieses Lied, dass ich singen musste, sitzt mir seit Kind auf –

              Nationalhymne ca. 1850–1961 von Johann Rudolf Wyss:

              1. Strophe
              Rufst du, mein Vaterland
              Sieh uns mit Herz und Hand,
              All dir geweiht
              Heil dir, Helvetia!
              Hast noch der Söhne ja,
              Wie sie Sankt Jakob sah,
              Freudvoll zum Streit!

              2. Strophe
              Da, wo der Alpenkreis
              Nicht dich zu schützen weiss
              Wall dir von Gott,
              Stehn wir den Felsen gleich,
              Nie vor Gefahren bleich,
              Froh noch im Todesstreich,
              Schmerz uns ein Spott.

              3. Strophe
              Nährst uns so mild und treu,
              Hegst uns so stark und frei,
              Du Hochlandbrust!
              Sei denn im Feld der Not,
              Wenn Dir Verderben droht,
              Blut uns ein Morgenrot,
              Tagwerk der Lust.

              4. Strophe
              Sanft wie der Alpensee,
              Sturmlos am Gletscherschnee
              Webt unser Mut.
              Graus tobt der See, geschreckt,
              Wenn ihn Gewitter deckt,
              So wir zum Kampf erweckt,
              Wut wider Wut.

              5. Strophe
              Und wie Lawinenlast
              Vorstürzt mit Blitzeshast –
              Grab allumher –
              Werf in den Alpenpfad,
              Wenn der Zerstörer naht,
              Rings sich Kartätschensaat
              Todtragend schwer.

              6. Strophe
              Vaterland, ewig frei,
              Sei unser Feldgeschrei,
              Sieg oder Tod!
              Frei lebt, wer sterben kann,
              Frei, wer die Heldenbahn
              Steigt als ein Tell hinan.
              Mit uns der Gott!

              7. Strophe
              Doch, wo der Friede lacht
              Nach der empörten Schlacht
              Drangvollem Spiel,
              O da viel schöner, traun,
              Fern von der Waffen Grau’n,
              Heimat, dein Glück zu bau’n
              Winkt uns das Ziel!

              – in meinem Nacken.

              Kopie: (https://de.wikipedia.org/wiki/Rufst_du,_mein_Vaterland#Deutscher_Text)

              Liebe Grüße
              Hans Gamma

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                1. Guten Tag Leela

                  Vielen Dank für Ihre Frage.

                  Das war die Landeshymne in der Schweiz.

                  Es gibt noch weitere Lieder, die ich als Soldat im Gleichschritt gesungen habe.

                  Zitat: “ Eine Kugel kam geflogen … etc. etc.

                  Liebe Grüße
                  Hans

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  3. Soviel ich mal gelesen habe, hatte Hitler wohl eine Zeitlang einen tibetischen Lama als Lehrer. Der tibetische Buddhismus hat ja viele Anteile des Bön-Schamanismus in sich aufgenommen. Einige der heute als „dunkle Seite“ des Bön-Schamanismus bezeichneten Aspekte kann man m.E. in einigen Aspekten der Nazi-Ideologie durchaus wieder erkennen, auch wenn ich in dieses Thema nie tiefer eingestiegen bin.
    Grundsätzlich wird man aber immer viel in alles Mögliche rein interpretieren können, je nach persönlicher Sichtweise. Ich z.B. würde die Problematik des damaligen Denkens mehr einem darwinistischem Denken und der Annahme des Rechts des Stärkeren zuordnen …, was dich jetzt vermutlich nicht wirklich verwundern wird … ;-).

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    1. Guten Abend

      Das abscheulich Böse
      der ruchlosen Taten
      der Verbrechen
      gegen die Menschlichkeit
      verlangt von mir

      dass ich mich entschieden
      ohne Rücksicht
      der Gefahr
      die mir drohen könnte
      davon distanziere

      Ich grüße Sie freundlich
      Hans Gamma

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        1. Seit 1971 ( und davor) haben wir in der Schweiz eine Gruppe von Menschen, (im Parlament und in der Regierung) die sich anscheinden der unteilbaren Menschenwürde, von allen, sich nicht verpflichtet fühlt.

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    2. Im tibetischen Buddhismus kenne ich mich ganz gut aus. Die Bön-Religion wird zwar hin und wieder genannt, aber selten und nicht mit viel Hochachtung. Ich vermute, dass man mit diesem Erbe nicht allzu glücklich ist 😉
      Wir waren ja schon öfter beim Thema Darwin. Die Einstellung von der du sprichst ist Sozialdarwinismus. Der ist aber mit Darwins Evolutionslehre nicht ident. In der Evolution geht es nicht um Rechte und Stärkere sondern um Entwicklung durch die bessere Anpassung an die Umgebung.
      Aber warte nur, wir werden schon irgendein Thema finden, bei dem wir ähnlicher Meinung sind 😉

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  4. Meinst du wirklich, der Notar musste das umschreiben? Heute ist doch alles im Computer gespeichert. Ein Anruf im Schreibzimmer: Frau xy, auf Seite 5 löschen sie bitte arglistig. 2 Minuten später hat der Herr Notar die geänderte Seite auf dem Tisch. Ich habe hier allerdings noch Verträge, in denen der Notar handschriftlich Änderungen vorgenommen hat. Auch habe ich einen Grundstückskaufvertrag von Achtzehnhundertirgendwas, der komplett mit der Hand geschrieben wurde. Die armen Damen, die damit beschäftigt waren, ein Schreibfehler – und die ganze Seite konnte nochmal geschrieben werden.
    Zum Flieder: Wenn man eine einzelne Blüte aus der Dolde zupft und daran saugt, dann schmeckt man den Honig, der darin enthalten ist.

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    1. Ob er selbst oder seine Assistentin das „arglistig“ herausgelöscht und die Seite neu ausgedruckt haben, weiß ich nicht, aber natürlich geht das flott, weil es lauter Textmodule sind.
      Fliederhonig klingt toll, vor allem der Geruch muss sehr intensiv sein …..

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  5. Mich wundert. Myriade, wie arglos du, selbst Buddhistin und Historikerin (?), die Begriffe Mystizismus oder Esoterik nachbetest. Das, was deine Volksgenossen da brüllen, hat ja nichts damit zu tun! Bei Wiki gibt es einen ziemlich ausführlichen Artikel über „Rechtsextremismus und Esoterik“, ist als Einstieg durchaus brauchbar. Darin finden sich zB die Aussagen

    „Nach der Machtergreifung 1933 erhofften sich die völkisch-religiösen Gruppen mit ihren beiden Hauptrichtungen, dem deutschchristlichen und dem neuheidnischen Flügel, einen „neuen Deutschen Glaubensfrühling“. In der Anfangszeit des NS-Regimes kam es zu intensiven Auseinandersetzungen zwischen neopaganistisch-völkischen Gruppierungen und den Großkirchen beider Konfessionen.[21] Trotz zeitweiliger Unterstützung einzelner Gruppierungen durch das NS-System erfüllten sich diese Hoffnungen jedoch insgesamt nicht. Die Ariosophen hatte Adolf Hitler bereits in Mein Kampf (1925/26) als einen Haufen von Wirrköpfen bezeichnet“

    1938 betonte Hitler: „Das Einschleichen mythisch veranlagter okkulter Jenseitsforscher darf daher in der Partei nicht geduldet werden“

    Schön, dass es mit eurer Wohnung geklappt hat! Liebe Grüße!

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    1. Nun ja, „nachbeten“ steht bei den Mitgliedern deiner Blase (wie immer du sie nennen möchtest) für jede Meinung, die nicht der ihren entspricht. Ich verwehre mich übrigens energisch dagegen, dass du von meinen Volksgenossen sprichst als wäre dies ein Zitat von mir. Ich setze „Volksgenossen“ immer unter Anführungszeichen!! Nein, mir ist es nicht gleichgültig, mit wem man mich in einen Topf wirft !
      Bei dieser Gelegenheit möchte ich dir auch sagen, dass ich deinen Rundumschlag gegen alle, die nicht deiner Meinung sind, ziemlich beleidigend fand. Alle sind dumm, oberflächlich und „beten nach“ …
      Dass Hitler sich gegen okkulte Jenseitsforscher ausspricht heißt ja nur, dass es diese Richtung schon ganz zu Beginn der NSDAP gegeben hat. Es heißt nicht, dass er nicht 3 Seiten weiter das genaue Gegenteil schreibt.“Mein Kampf“ ist kein Text der durch klare Argumentation, Kohärenz und Logik besticht.
      Dein Auszug aus dem Wikipedia-Artikel unterstreicht deine Meinung, fasst aber nicht zusammen, was dort steht !!
      Warum du es irritierend findest, dass es bei der SS, bei der SA, bei vielen führenden Nationalsozialisten viele Esoteriker gegeben hat (wie man in dem von dir zitierten Wikipedia-ARtikel nachlesen kann), weißt du nur selbst.

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