Atelierbild Nummer 3

Es ist mein drittes und vorläufig letztes Bild, das ich ohne jeden Plan mit weißer Strukturpaste angelegt und dann wochenlang immer wieder angestarrt habe um zu sehen, was denn aus dieser Leinwand heraus will

Ich entschied mich für rot-grün, das sind Gegenfarben, die einander zum Leuchten bringen. Ein leuchtendes Bild sollte es werden. Die Leinwand bekam rote Farbe, ein richtiges signalrot über die Strukturmasse, grün hatte ich als Hintergrundfarbe gewählt, war mir aber über die Grünschattierung noch nicht schlüssig. Grün ist neben Grau die Farbe mit den meisten Schattierungen, da kann man lange probieren und übermalen, aufhellen und abdunkeln ….

Zuerst gefielen mir die im Rot durch die Strukturmasse und durch vieles Farben-laufen-lassen erzeugten Muster. Dann fand ich das ganze zu rot und zu unstrukturiert, daher bekam es mehr grün und Strukturen, die an Blätter erinnern sollten, mir aber nach kurzem überhaupt nicht mehr gefielen. Die Vorstellung einer Pflanzenmasse hielt nicht lange auch wenn mich die rechte Seite heftig an eine Tulpe erinnerte. Es sollte aber kein Blumenbild werden.

Inzwischen verschwanden die roten fließenden Muster, die mir so gut gefallen hatten auch immer mehr. Ich hatte den Eindruck, dass es mir nicht gelingen würde aus dieser rot-grünen Masse ein zusammenhaltendes Bild zu bekommen. Wenn ich mir das zweite Bild jetzt so ansehe, denke ich, dass es vielleicht doch auch in die Richtung „Pflanzen“ Möglichkeiten gegeben hätte

Langsam, nachdem das Bild wochenlang herum gestanden war, nahm die Sache Gestalt an. Eine Spur Blau kam dazu und die schwarze Figur, die mich langsam darauf brachte, worum es in diesem Bild ging.

Der zweite schwarze Umriss war als Gegengewicht zum ersten auf der Diagonalachse gedacht, gefiel mir aber bald nicht mehr. Ich sollte beim Malen nicht denken. Die letzten Reste der fließenden roten Muster passten jetzt auch nicht mehr und wurden übermalt. Es fällt mir immer sehr schwer, mich von Details zu trennen, die mir zwar gefallen, die das Gesamtbild aber nicht voranbringen.

Und so sieht das Bild derzeit aus. Ganz sicher bin ich mir nicht, ob es fertig ist. Was man allein schon daran sieht, dass ich es noch nicht signiert habe, das mache ich nur, wenn ein Bild so weit ist, dass ich es loslassen kann …

33 Gedanken zu “Atelierbild Nummer 3

  1. Ist es beim Malen nicht gerade so, dass die Balance von „denken“ und „nicht denken“ in Kombination mit meinem Lieblingsfreund „dem Zufall“ die Ergebnisse bringt, die man sich wünscht?
    Kraftvolles bIld, finde ich,
    Liebe Grüße
    Jürgen

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    1. Ja, diese Balance erlebe ich auch. Allerdings finde ich es oft schwierig, sie aufrecht zu erhalten und nicht in die eine oder andere Richtung kippen zu lassen. Ohne Freund Zufall geht gar nix, er ist unermüdlich hilfreich….

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  2. Du beschreibst Deinen Schaffensprozess so anschaulich und gut, dass ich mir, auch ohne das Bild zu sehen, viel davon – vor allem von den Vorgängen in Dir und gar nicht so sehr den visuellen Eindruck des Bildes – richtig vorstellen kann. Danke dafür!

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  3. Elemente zu übermalen, die ich mag, die aber im Gesamtbild nach einigen Entwicklungsschritten stören, finde ich ebenfalls sehr schmerzlich. Es braucht Zeit, sich mit dieser Brutalität zu versöhnen.
    Manchmal wähle ich den Kompromiss einer halbtransparenten Übermalung, aber oft führt das zu sehr unruhigen, überfüllten Bildern, die meine Schwierigkeit des Loslassens peinöich dokumentieren.
    Deine Entwicklungsschritte habe ich mit großem Interesse betrachtet und kann deine Überlegungen leicht nachvollziehen. Sehr gut finde ich die Entscheidung, Blau und Schwarz hinzuzunehmen, das hat viel von der Statik aus dem Bild vertrieben, die die zwei ursprünglichen Farben etwas massiv bewirkten.

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    1. Loslassen ist doch in allen Bereichen des Lebens schwierig … Bei mir ist es so, dass die Bilder meistens reduziert werden müssen und nochmal reduziert und dann fallen sie vielleicht auseinander oder sind fast leer 😉
      Danke für die Bestätigung. Ja, ich finde auch, dass Blau und Schwarz wichtig waren. Es ist immer noch sehr massiv, aber dadurch auch sehr stark im Ausdruck.

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  4. Wir gestehen, dass uns der zweite Schritt, die roten Strukturen mit den grünen Strichen irgendwie am Besten gefällt. Warum können wir nicht sagen. Wir können aber gut nachvollziehen, wie es ist unzufrieden mit dem Ergebnis zu sein und nach einer Veränderung zu suchen, oder es wirken zu lassen. Obwohl wir das nur von Texten kennen, scheint uns der Schaffensprozess ähnlich. Wenn wir beispielsweise einen Beitrag nicht veröffentlichen, weil uns die Worte nicht gefallen und ihn Wochen oder Monate später nochmals lesen und dann einen ganz anderen Zugang haben. Der Text kann uns dann so gefallen, dass wir ihn nachträglich doch veröffentlichen, etwas umschreiben davor oder nicht, oder eben komplett verwerfen.
    Danke dir fürs Mitnehmen auf deinem Schaffensprozess. Wir sehen das als einen großen Einblick in dein Wesen. Komisch, wir schreiben soviel sehr Persönliches, aber den Prozess des Werdens herzeigen, das würden wir nicht. Aber vielleicht ist es beim Malen doch ganz anders und wir haben keine Ahnung? Vielen lieben Dank für den Einblick.
    Herzliche Grüße
    „Benita“

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    1. Ich finde die Reaktionen auf Zwischenstufen von Bildern sehr spannend. Dem einen gefällt dies, der anderen das. Für mich ist das als hätte ich noch ein paar Augen und Blickwinkel dazugewonnen. Deswegen lasse ich meine Bilder öffentlich ansehen, was ich gar nicht gerne tue, weil ich es sehr intim finde. Ein Bild ist doch immer ein Einblick in jemandes bewusstes oder unbewusstes Innenleben.
      Meine Malerei bildet ja nur selten Äußeres ab und wenn doch, dann eher verfremdend. Aber auch Bilder, die sich mit möglichst 1:1 Abbildungen beschäftigen, bieten doch Einblicke in den Maler/die Malerin.
      .
      Um den Schaffensprozess zu beschreiben dagegen brauche ich keine Überwindung. Ich beschreibe ja nur, wie ich vorgegangen bin. Welche Emotionen beim Malen welchen Bildes hochgekommen sind, oder auch nicht, behalte ich für mich.
      .
      Ist das nicht interessant, wie unterschiedlich wir beide das sehen ?

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      1. Die Unterschiede sind sehr interessant, wobei vielleicht sind sie nicht so stark, weil wir uns wohl unglücklich ausgedrückt haben. Wir hatten auch und vor allem die Zwischenstufen deiner Bilder im Ausdruck Schaffensprozess inkludiert und eben diese Intimität gemeint, die wir hier sehen. Uns fiel es daher schwer unseren Eindruck zu schreiben, noch dazu wo sich das Bild am Foto auch ganz anders darstellt, als in echt. Wir waren unsicher ob unser Blick auf die Zwischenstufen nicht verletzen könnte, was wir niemals wollen. Schön, dass die Reaktionen auf die Zwischenstufen dir neue Einblicke gewähren.
        Herzlich
        „Benita“

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        1. Ja, ich verstehe. Da müsst ihr keine Angst haben, ich freue mich über konstruktive Kritik. Was ich in den Blog stelle, ist zur allgemeinen Kommentierung freigegeben. In den nunmehr schon vielen Jahre in denen ich blogge, habe ich nur eine einzige Person zum Kommentieren gesperrt, weil da meine Grenzen allgemeiner minimaler Höflichkeit überschritten waren.

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