Bukolische Chroniken – allererster Teil

Bukolisch ist ja leicht übertrieben. Schafe habe ich in der Gegend noch keine gesehen, aber bukolisch im Sinne von ländlich passt ja auch. Marie-Antoinette hatte die Illusion im Schloss Versailles als Schafhirtin zu leben. Ganz so wirklichkeitsfremd bin ich nicht. Aber die Gemeinde, in der meine zu kaufende Wohnung liegt, hat gerade zweitausend und ein paar Einwohner. Das ist bukolisch genug, auch ohne Schafe.

Rüdiger von Bechelaren oder Pöchlarn, ein Gefolgsmann des Hunnenkönigs Attila oder Etzel soll in Pöchlarn als Markgraf residiert haben, daher die Bezeichnung „Nibelungengau“ für die Region, die im Westen, donauaufwärts an die Wachau anschließt. Beide Regionen bieten die gleiche schöne Landschaft, aber im Nibelungengau gibt es deutlich weniger Touristen als in der Wachau. Ich schreibe trotzdem meistens Wachau, einfach, weil es kürzer ist und „Wachau“ bei mir Bilder weckt, die ich auf das Stichwort „Nibelungengau“ nicht sehe.

Bei der Schönheit der Karten hier ist einige Luft nach oben, aber sie vermitteln doch einen ungefähren geographischen Eindruck. Man beachte, dass Wien und Bratislava, die am nächsten beieinander liegenden Hauptstädte Europas sind.

So durch dies und das mäandernd wie dieser allererste Teil, wird der Rest der bukolischen Chronik sicher auch werden. Ich habe keine Lust auf etwas wie:
Montag 12.1.10h: wir fahren auf der Autobahn in Richtung Melk. Der Verkehr ist dicht und es schneit …

Ein „Erlebnis“, das in der Großstadt undenkbar ist, hatte ich schon. Die Noch-Besitzerin meiner Wohnung bot mir an, jederzeit an ihrem Arbeitsplatz vorbeikommen zu können um mir den Wohnungsschlüssel abzuholen und mir in der Wohnung anzuschauen, was immer ich möchte. Und das obwohl sie und ihr Mann noch dort wohnen.
Nette Leute sind das, die zwei Ecken weiter in ein Haus ziehen und uns schon eingeladen haben, jederzeit vorbeizukommen. Jetzt wäre es natürlich interessant zu wissen, ob das tatsächlich so gemeint ist und üblich, dass man ganz unangemeldet auftaucht. Es wird sich herausstellen.

15 Gedanken zu “Bukolische Chroniken – allererster Teil

    1. Melk ist das Heimatkloster von Adson, dem Erzähler aus dem Namen der Rose, der während der Haupthandlung ganz jung ist. Es ist ein prachtvolles barockes Stift, Weltkulturerbe, das – aus meiner Sicht reichlich bedrohlich – auf einem Hügel über dem Ort thront. Wenn man dort in der Donauau spazieren geht, wird man auch von diesem Prachtbau „beobachtet“. Wenn man aber drinnen ist, ist es ein wunderschöner Ort, allein schon die Bibliothek ist einen Besuch wert.

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  1. Wie aufregend. Steht mir auch bevor. Und ich muss Dir die ländliche Charme-Offensive insofern madig machen, als dass wir gerade von dem Eigentümer unserer neuen Mietwohnung in sein neues Haus wärmstens eingeladen wurden. Geht auch in der Stadt 🙂
    Auf alle Fälle: Genieß den Neuanfang!

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  2. Eine liebenswürdig beeindruckende Einladung. Sie kann natürlich den Handel beinhalten, dass auch von ihnen gewünscht wird, während und nach des bereits vollzogenen Wechsels noch einen Schlüssel zu behalten, Gegenstände bis auf Weiteres stehen zu lassen etc.. Warum auch nicht? Aber deshalb würde ich beizeiten den Anruf zuvor als Marke setzen. Man möchte ja nicht in jeder Situation die Nachbarn im Raum stehen haben.

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    1. Oops, ja, daran, dass die Sache auch auf Gegenseitigkeit beruhen könnte, habe ich noch gar nicht gedacht. Da hast du völlig recht, der vorherige Anruf, muss von Anfang an als Standard gelten. Obwohl es ja sehr nett ist, an einem neuen Ort schon jemanden zu kennen ..

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