Impulswerkstatt – Giovanni, eine Fortsetzung

Das ist eine kleine Fortsetzung von Natis Geschichte von Giovanni . Ihr letzter Satz lautet:

„Auch wussten die Dorfbewohner nicht mit Bestimmtheit, ob er auch wirklich Giovanni hieß“

Und so geht´s weiter:

Tatsächlich hieß er erst seit ein paar Jahren Giovanni. Der Name stand in dem Pass, den er nach der Aussage gegen seine Familie im Rahmen des Zeugenschutzprogramms bekommen hatte. Zu Beginn seines ersten Lebens, vor fünfundvierzig Jahren war er auf Cesare Albino getauft worden. Die Namen eines Papstes und eines Kardinals, wenn auch eines sehr übel beleumundeten Kardinals.
Vor allem sein Vater legte sehr viel Wert auf die Segnungen der Kirche und nahm alljährlich an der Wallfahrt zu einem Marienheiligtum in Kalabrien teil. Er traf dort viele seiner Freunde und Angestellten. Der kleine Cesare, der auch immer dabei war, staunte schon als Kind über die vielen Familienmitglieder, die er nur einmal im Jahr bei der Wallfahrt traf. Als er älter wurde, begann er zu verstehen, was es mit diesen Familienbanden auf sich hatte.

Sein Leben verlief nun im Hier und Jetzt, in diesem Ort am Meer, der immer größer und von immer mehr Touristen besucht wurde. Den Touristen wurde der Ort als typisches Fischerdorf angepriesen. Dass gerade der Tourismus aus dem Fischerdorf eine Art schäbige Ferienkolonie gemacht hatte, wo kaum noch jemand vom Fischfang lebte, wurde ausgeblendet.
Seit Jahren zeigte Giovanni seine Jonglierkünste. Zuerst in einem Fischerdorf und nun in einem vom Massentourismus und Hotelplattenbauten überschwemmten Ort. Zuerst dachte er, dass die Tarnung ideal wäre. Die wichtigen Mitglieder seiner Familie würden nie einen Fuss in einen so häßlichen Ort setzen oder dort gar Urlaub machen. Aber es gab ja auch viele unbedeutende Familienmitglieder, kleine Dealer, Kuriere, Eintreiber von Schutzgeldern, Spitzel und Mörder, die im ganzen Land unterwegs waren. Seine damalige Aussage hatte viel Staub aufgewirbelt, viele waren verurteilt worden, viele waren von der Familie selbst eliminiert worden um weitere Enthüllungen zu vermeiden. Viel Hass und viele Racheschwüre hingen über ihm.
Täglich rechnete er damit, eines der Familienmitglieder in seiner Küche anzutreffen, oder hinter dem Haus, im Hühnerstall oder am Hafen. Seine Fantasien von solchen Begegnungen endeten immer mit seinem Tod. Er schien ganz gelassen auf den Stufen im Hafenbecken zu sitzen und Vögel zu füttern, doch er nahm dabei immer wahr, wer sich wo in seiner Umgebung aufhielt. Er achtete auch auf die Entfernung und natürlich auf die Körpersprache. Er hoffte seine ehemaligen Familienangehörigen sofort erkennen zu können, wenn nicht sofort so doch rechtzeitig.
Wie leicht er selbst zu erkennen sein könnte, konnte er nicht abschätzen. Eine leichte Veränderung der Nase, die weißen Haare. Er hatte lange geübt bis sein kalabrischer Akzent nicht mehr zu hören war. Ob das genügte? Es gab ausgezeichnete Software, die das Aussehen einer Person nach verschiedenen Veränderungen zeigten

In den letzten Monaten war er immer unruhiger geworden. Chiara, mit der er seit einem Jahr zusammenlebte, hatte begonnen, zu viele Fragen zu stellen. Er hatte sie auf eine falsche Fährte geführt, doch morgen Abend würde sie ihn in dem armseligen Haus nicht mehr antreffen. Er hatte schon einen neuen Pass und einen Termin beim plastischen Chirurgen …

Vielleicht möchte Nati oder jemand anderer die Geschichte weiterspinnen oder ihr eine ganz andere Wendung geben ?

13 Gedanken zu “Impulswerkstatt – Giovanni, eine Fortsetzung

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