Dienstag 16. März – Ateliergeflüster

Ja, es war von Anfang an vereinbart, wir haben sogar die Details schon vor einer Weile besprochen, aber ich dachte der D hätte es sich anders überlegt. Mir ist es gar kein Bedürfnis die Wände im Atelier zu streichen. Ich will dort ja nicht wohnen und mag den Ist-Zustand eigentlich ganz gerne. Es passt alles zusammen: alt und schäbig, aber Licht, Wasser und Heizung funktionieren problemlos. Ich habe mich daran gewöhnt, dass es dort eben nur gibt, was es gibt und finde es zum Malen wunderbar geeignet. Richtig gut fühle ich mich dort schon.

Der D hat aber sowas wie einen Holz-weiß-angestrichen-Fetisch. In seinem Haus in Irland ist auch alles mit weiß gestrichenem Holz getäfelt, inklusive Decke. Seine Frau hat diesbezüglich bewundernswerten Gleichmut entwickelt. Jedes Mal wenn ich bei ihnen zu Besuch war, habe ich einen neuen irischen Baumarkt oder Altwarenhändler oder Flohmarkt kennengelernt. Unser Atelier hat eine Holzverkleidung aus einem ganz miesen Holz mit unendlich vielen Astlöchern und an mehreren Stellen tritt Harz aus. Daher müsste man mindestens zweimal streichen, sagt der D. Meiner Meinung nach werden aber weder ein noch zwei Anstriche viel verändern. Es ist dann eben eierschalenfarben gestrichenes mieses Holz. Weiße Wände ohne Holz wären mir ohnehin lieber. Was soll´s,  wenn er es so haben möchte und ohnehin selbst streicht… Natürlich beteilige ich mich an den Kosten.

Mir ist wichtig, dass wir bald beginnen Regale aufzustellen um die Bilder zu trocknen und zu lagern und dann wird man ohnehin nicht mehr viel von den Wänden sehen. Ich habe zum Beispiel zwei Ölbilder, die, wenn sie in der gleichen Geschwindigkeit weiter trocken, noch geschätzte 200 Jahre dafür brauchen werden. Aber der D will unbedingt zuerst streichen und dann erst Regale kaufen. Meinetwegen, übe ich mich halt in Teamfähigkeit.  Ich weiß, dass er beim Vorstellen vom Endzustand seiner handwerklichen Arbeiten sehr gut ist, also wer weiß, ob ich dann im Endeffekt nicht überwältigt bin von den wunderbar gestrichenen Wänden.

Ich habe also heute meine Sachen von einem Raum in den anderen geräumt und bei dieser Gelegenheit als allerersten kleinen Anfang meiner geplanten Freiraumgestaltung diese beiden Primeln gesetzt. Viel ist das noch nicht, eher so ein kleiner Test, ob sie jemanden stören oder ob jemand drüber trampelt. Als nächsten Schritt plane ich den Kauf einer Sitzgelegenheit, möglichst etwas , das so groß, schwer und unhandlich ist, dass es auch stehen bleibt. Einen Picknicktisch oder Ähnliches. Es sollte möglichst einer sein, den man nicht gleich selbst streichen muss …

 

 

 

 

19 Gedanken zu “Dienstag 16. März – Ateliergeflüster

  1. Erinnert mich ein wenig an meinen Schrebergarten.
    Dort komme ich auch mit ganz wenig aus, ursprüngliches Leben halt.
    Manche haben dort, in der kleinen Hütte, eine vollfunktionierende Küche.
    Ich habe, neben einen Kühlschrank, nur einen Grill und Wasserkocher.
    Gespült wird in einer Schüssel. Ich mag das Einfache, Reduzierte dort.

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  2. Mieses Holz? Wahrscheinlich Fichten-Profilbretter (?), B-Qualität. Ich bin ein großer Fan von weiß gestrichenen B-Fichtenbretteln! Hab‘ ich im Kinderzimmer und auf dem Klo verarbeitet, deckendes, matt glänzendes Weiß — sieht edel aus!
    Und wer im Atelier bescheiden die Wände tüncht, darf später einmal — einem Michelangelo gleich — auch die Decke ausmalen!

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    1. Ich vermute, dass das Fichte ist, ja. Falls es auch eine C-Qualität gibt, dann ist es eine solche. 🙂 Na ja, den Zustand des Edlen werden wir nicht erreichen, es gibt so viele Rohre und Leitungen und recht seltsame Überbleibsel des Vormieters, der ein sehr verschrobener alter Herr gewesen sein soll, der dort seine Akten gelagert hatte und wer weiß was sonst noch alles.
      Auf die Idee mit der Deckenbemalung darf man den D auf keinen Fall bringen. So ein Projekt traue ich ihm jederzeit zu 😉 🙂

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    1. Das ist der wesentliche Punkt 😉 Ich habe gar nix gegen weiße Wände ob mit oder ohne Holz. Es wäre nur nicht besonders sinnvoll wenn wir seit Wochen wegen Ansteckungsgefahr getrennt malen und dann gemeinsam die Wände streichen. Bei pink wäre ich gleich ausgezogen 🙂

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