Mittwoch 10. Februar 2021

3700 % soll die Inflation in Venezuela betragen. Das muss man sich in der Praxis vorstellen, Preise ändern sich mehrmals täglich beträchtlich. Bei Anfällen von Selbstmitleid, wie furchtbar doch alles derzeit ist, muss man sich solche Lebenssituationen vor Augen führen. Diese und viele andere. Sehr imponiert hat mir in diesem Zusammenhang, dass Kolumbien sämtlichen Flüchtlingen aus Venezuela Unterstützungen und Zugang zum Arbeitsmarkt, der Gesundheitsversorgung und der Bildung gewährt. Das ist ungeheuer großzügig und ich hoffe, nicht demnächst zu erfahren, dass irgendwelche finsteren Motive dahinter stecken.

Der Gastronomie in Wien geht es schlecht, weil die Lokale geschlossen sind, aber beim Herumstromern sehen ich immer, dass auch die kleinsten Cafés, Imbissstuben, Restaurants über die Gasse verkaufen und bei vielen stehen die Kunden Schlange. Es haben wohl alle genug vom immer nur selbst produzierten Essen und vom ständigen Kochen.Trotzdem werden viele Betriebe eingehen oder zumindest nicht alle Angestellten halten können. Man kann nur hoffen, dass es nicht so schlimm wird, wie es aussieht.

19 Gedanken zu “Mittwoch 10. Februar 2021

    1. Erinnert mich irgendwie an ein Blatt Papier, das ich dereinst beim Betreten einer HTL-Maturaklasse auf dem Lehrertisch vorfand und das mich sogleich faszinierte und geradezu zwang, laut aus dem darauf niedergelegten Text (offenbar eine Englisch-Hausübung) zu zitieren:
      „You can order a food online above a company.“

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  1. Mir fehlt ein bisschen der politische background, liebe Myriade, ohne den ein solcher Vergleich sinnlos ist. Venezuela wurde durch die US-Sanktionen und die von Washington gesponserten Putsch-Versuche zugrunde gerichtet. Ich weiß, offiziell heißt es, die 2 Millionen Venezuelaner seien vor den Grausamkeiten des Madura-Regimes geflohen („Diktatur“): Die in den USA deponierten staatlichen Gelder bleiben beschlagnahmt und wurden nicht mal für den Kauf von Impfstoffen freigegeben. Jetzt hilft Russland mit Sputnik aus. Auch China investiert tüchtig (die „dunklen Mächte im Hintergrund“). Was die vielen Flüchtlinge für das prekäre Gleichgewicht zwischen der spanischstämmigen und indigenen Bevölkerung bedeuten? Und wie kann ein solches Programm finanziert werden? Deutschland bietet sich an – wohl wegen der kolumbianischen Rohstoffe, die die deutsche Industrie dringend braucht, um sein ehrgeiziges E-Auto-Programm (Batterien) durchzuziehen.
    Zum anderen: Ob es besonders gesundheitsfördernd ist, dass die Leute vor den Lokalen Schlange stehen, anstatt gemütlich drin zu sitzen?

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    1. Es war nicht meine Absicht, eine politische Analyse zu schreiben. Wenn ich das gewollt hätte, wäre sie differenziert ausgefallen.
      Ich muss dir gestehen, es hat mich amüsiert, dass du, die Russland immer in einer positiven Rolle sieht und Impfungen ablehnt, in diesem Fall sogar die Bereitstellung des Impfsstoffs durch Russland als positiven Akt siehst. Wären es die USA gewesen, die irgendeinem Land Impfstoff zur Verfügung stellen, hättest du höchstwahrscheinlich gesagt, dass sie die Leute umbringen wollen, weil man ja bekanntlich gleich bei der Impfung oder kurz danach stirbt. Verzeihung, ich vergaß den Gates-Chip, den man dabei implantiert bekommt.
      .
      „Ob es besonders gesundheitsfördernd ist, dass die Leute vor den Lokalen Schlange stehen, anstatt gemütlich drin zu sitzen?“ Das ist eine Polemik anheizende, rhetorische Frage, die seriöserweise nicht zu beantworten ist. Es fängt schon damit an, dass es keineswegs so ist, dass es drinnen immer gemütlich ist. Es ist nicht besonders gesund in der Kälte zu stehen, aber man kann sich entsprechend anziehen. Es besteht Infektionsgefahr, wenn sich Leute zusammendrängen, man kann aber Glück haben und keiner der Anwesenden ist infiziert.
      .
      Ich halte mich zurück, wenn sich auf deinem Blog tagaus, tagein die gleichen Kommentatorinnen hysterisch zitternd oder jubelnd mit links bewerfen, deren Lektüre die Menschheit erlösen wird oder so ähnlich. Natürlich würde eine abweichende Meinung das Gesprächsklima bei dieser „freidenkenden“ auf Meinungsvielfalt bedachten Gruppe vergiften. Aber es ist natürlich deine Sache, wie du deinen Blog gestalten möchtest.

      Herzliche Grüße über die Gräben hinweg

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      1. Liebe Myriade, das „tagtäglich“ ist , finde ich, ein bisschen übertrieben. Insgesamt habe ich, bei mehr als 3000 Posts auf meinem Bog, 8 mal überhaupt etwas zu diesem Thema veröffentlicht. Es sind freilich die Posts, die die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen und mich leider auch ein paar Freundschaften gekostet haben. Ich freue mich wirklich sehr, dass du nicht dazu gehörst, sondern die Auseinandersetzung mit offenem Visier vorziehst.

        Nicht richtig finde ich, dass du mich als Impfgegnerin abkanzelst – das bin ich nicht, niemals habe ich das Impfen insgesamt in Frage gestellt. Wohl aber bin ich dagegen, Menschen in Impfgegner (wissenschaftsfeindliche Schwachköpfe, die man ausgrenzen muss, da sie die übrigen Bürger gefährden), und Impfbefürworter (aufgeklärte, rücksichtsvolle, sich notfalls gerne zugunsten der Herdenimmunität aufopfernde Mitbürger) einzuteilen. ich sage nichts als: lies, informiere dich und beschließe, was dir das Beste zu sein scheint – ohne Nötigung, Der Staat soll den Bürgern diese Wahl ermöglichen und keine erzwingen. Das ist meine Meinung, muss aber natürlich nicht von dir geteilt werden.
        Niemals habe ich irgendwann etwas über implantierte Chips gesagt. Das sind Unterstellungen – genauso wie du mich ja gern in eine Reihe mit allerlei abstrusen Verschwörungstheorien stellst.
        Auch habe ich Russland nicht gelobt, weil es Venezuela Impfstoffe liefert, und auch China nicht, weil es dort investiert (ich habe durchaus meine Skepsis gegenüber den Absichten solcher Hilfelleistungen), sondern ich habe die USA getadelt, dass sie eine sehr schwierige Situation in Venezuela durch eigenes Handeln verschlimmert und damit neue Abhängigkeiten schafft, die sie so vielleicht auch nicht wünschen.

        Was nun den Inhalt deines Posts anbetrifft, so meine ich schon, dass es ein politisches Statement enthält, wenn man über Phänomene wie die Inflation in Venezuela und den Flüchtlingsstrom nach Kolumbien spricht – zumal sie ja aktuell in den Medien behandelt werden (zB in der weltweit gesendeten Deutschen Welle).

        Zur Sinnhaftigkeit von Maßnahmen, die dazu führen, dass die Leute auf der Straße Schlange stehen, möchte ich weiter nichts sagen außer, dass ich hier Ähnliches beobachte: Leute, die sich vorm Cafe, wo sie sonst im Garten sitzen, anstellen, sich ihren Kaffee in Plastikbechern geben lassen, um ihn in schöner Gemeinschaft mit anderen auf dem Kirchvorplatz zu trinken.

        Mit herzlichem Gruß über etwaige Gräben hinweg. Gerda

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        1. Stimmt, Gerda, „tagtäglich“ ist etwas übertrieben, aber ich finde manche dieser Kommentare so ärgerlich, dass sie mir eben sehr dominant vorkommen. Warum ich sie überhaupt lese? Ja, wahrscheinlich aus reinem Masochismus oder ähnlich ungesunden Gründen 😉
          Es freut mich zu hören, dass du keine prinzipielle Impfgegnerin bist. Ich erinnere mich an so ein obskurantistisch-hysterisches Video, in dem gegen die Masernimpfung aufgerufen wurde. Masern !! Ich weiß nicht mehr, ob du das gepostet hattest oder ob du dich in einem anderen Blog positiv dazu geäußert hast. Jedenfalls ist mir das so in Erinnerung geblieben.
          Ich sage ja nicht, dass du von den berühmten Chips oder Ähnlichem geschrieben hast. Die Kommentatorinnen, denen du zustimmst aber wohl. Die Verschwörungstheorien, zB Q-Anon kommen in den angepriesenen Videos haufenweise vor, die Kommentatorinnen werfen mit Sätzen um sich wie „wir wissen ja, wer/was hinter allem steckt“, „Sie (wer das sein soll, wird nicht erwähnt) haben dies und das gemacht /gesagt“. Das ist klassische Paranoia. Und dann gibt es noch die Fraktion, die ständig alle anderen Menschen wegen ihres angeblich mangelnden Denkens und ihrer nichtvorhandenen Toleranz für andere Meinungen richtiggehend beschimpft, wobei klar ist, dass die einzig richtige Meinung die ihre ist. Wobei es sich gar nicht um eine Meinung sondern um Nachplappern handelt. Sollen das die „freien Denker“ und die „sich selbstverantwortlich eine Meinung bildenden“ Personen sein ?
          Mit dir oder mit Maren kreuze ich aber gerne gelegentlich die Klingen. Da gibt es auch eine Menge Unterschiede in mehr oder weniger prinzipiellen weltanschaulichen Fragen, aber Diskussion aug gegenseitig wertschätzender Basis ist möglich. Nur hängt mir das Thema oft schon zum Hals heraus und beim Überfliegen so mancher Stellungnahme vergeht mir die Lust, mich dazu zu äußern.
          Ich schreibe das auf meinem Blog, weil ich davon ausgehe, dass die von mir gemeinten Personen hier nicht mitlesen.

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  2. Ich denke, Myriade wollte einfach nur sagen, dass ein Blick über den Tellerrand unser Corona-Elend gleich ganz anders aussehen lässt.
    Auch das vielzitierte Wort eines österreichischen Uraltkanzlers kommt mir in den Sinn:
    „Es ist alles sehr kompliziert!“ – besonders in Lateinamerika („¡Todo es muy complicado!“).

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  3. Meine Großmutter erzählte immer von der Inflation, muss so um 1923 gewesen sein. Mein Großvater hatte die Aufgabe, auf dem Heimweg von der Arbeit ein Brot mitzubringen, am nächsten Tag würde es erheblich teurer sein, wenn denn der Lohn überaupt noch reichen würde. Inflation ist deshalb bei den älteren Mitbürgern immer noch negativ behaftet, heute vielleicht eher bei den Enkeln, so wie ich.

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  4. Mir tut es allein schon gut, mal etwas Positives aus Südamerika zu lesen. Ich stehe noch unter dem Eindruck des gerade gelesenen Buchs: American Dirt von Jeanine Dirt, das eindrücklich zeigt, wie schnell ein Mensch zu einer Migrantin/einem Migrant werden kann und welch Nöte damit verbunden sind. Ich weiß leider auch immer noch viel zu wenig über die südamerikanischen Staaten und das was ich weiß stimmt mich meist sehr nachdenklich oder macht mich betroffen.
    Herzliche Grüße
    Ulli

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    1. Ich finde auch, das die südamerikanischen Gesellschaften – einmal so generell betrachtet – sehr zwiespältig und doppelbödig sind. Leider ist es auch so, dass bislang fast jeder Mensch aus Südamerika den ich kennenlerne meine Vorurteile bestätigt. Ich fürchte schon fast, dass es gar keine Vorurteile sondern reale Fakten sind ….

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        1. Ja, das ist ein anderes Thema, das finde ich auch erschreckend. Auch diese Situation hängt aber mit der unendlichen Ignoranz so mancher gewählter !! Staatsoberhäupter zusammen. Man denke nur an Bolsonaro, der seine Ablehnung von jeder Art von Umweltschutz vor der Wahl deutlich gemacht hat, ebenso wie seine Absicht ein autoritäres Regime zu führen und trotzdem gewählt wurde.

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