Mittwoch 30.12.20 – Filtern aus dem Chaos

Beim Meditieren wird klar, warum das Hirn 20 bis 25% der im Körper verfügbaren Energie verbraucht. Furchtbar, was da bei mir für ein Chaos herrscht. Natürlich kann man nicht aufhören zu denken, aber mit einer einigermaßen regelmäßigen Meditationspraxis lässt sich schon einiges an Beruhigung und Klarheit erreichen. Sogar das Wenige, was ich derzeit täglich tue, bringt eine kleine Wirkung an Klarheit. Ich beschäftige mich – mit Unterbrechungen – seit vielen Jahren mit Buddhismus und den natürlich immer gleichen Themen und trotzdem bringt jede mehrtägige, intensivere Beschäftigung nicht nur Inspiration sondern auch immer wieder Klärungen.

Seit langem kaue ich an der Unterscheidung zwischen Gelassenheit und Gleichgültigkeit. Solche Unterscheidungen lassen sich schwer in Worte fassen und das Verständnis kommt auch nicht 1:1 durch etwas, was jemand sagt. Es ist ein Prozess, der abläuft, wenn ich das Thema immer wieder betrachte, von verschiedenen Seiten und die Meinungen und Erlebnisse von anderen Leute dazu höre.

Die online-Kommunikation ist anstrengend und – zumindest für mich – ein bissl frustrierend. Wenn man mit jemandem gut und offen kommunizieren möchte, braucht es eigentlich mehr als ein Bild auf einem Bildschirm.

37 Gedanken zu “Mittwoch 30.12.20 – Filtern aus dem Chaos

  1. Spannend, liebe Myriade, dass du eine Frage des Unterschied’s zwischen Gelassenheit und Gleichgültigkeit siehst. …. Aber ja, wenn wir nachdenken und Gespräche mit unserem Yoga-Lehrer-„Freund“ Revue passieren lassen, dann dachten wir auch er geht an Vieles einfach gelassen heran, wie er sagte, dabei wollte er einfach nichts davon wissen und hielt das Thema von sich weg, war also gleichgültig. Dabei ist für uns Gelassenheit die Fähigkeit sich zu konfrontieren, auch empathisch zu sein und dennoch quasi einen kühlen Kopf zu bewahren und den Boden unter den Füßen weiterhin zu behalten. Oder auch den Überblick zu bewahren, statt sich in der Emotion zu verlieren.
    Gleichgültigkeit ist nicht gelassen, weil darin ein Gefühl steckt, sich angegriffen oder bedroht zu fühlen und Empathie und das betreffende Thema von sich gewiesen wird. Bei Gleichgültigkeit ist innerer Aufruhr, auch wenn dieser abgespalten oder verdrängt ist. So sehen wir das. ….. Aber tatsächlich scheint gerade im Rahmen meditativer Praktiken. (Yoga gehört da ja auch dazu), der Anschein der Gelassenheit bei vielen so wichtig zu sein, dass sie gar nicht merken, dass sie gleichgültig sind.
    Was meinst du? Ein interessantes Thema. Danke für die Anregung. 🙂
    Herzliche Grüße
    „Benita“

    Gefällt 5 Personen

    1. P.S. der Gedanke lässt uns noch nicht los. Wir dachten eben, dass wenn eine Aussage: “Das sehe ich ganz gelassen.“ durch „das lässt mich kalt.“ Ersetzt werden könnte, ist es definitiv Gleichgültigkeit. Weil es dann heißt: „Es interessiert mich nicht.“ ….. Es ist aber eine Frage, sich selbst wahr nehmen zu können, vielleicht? Also diese kleine Irritation des selbst-Betrugs (auf)spüren zu können oder wollen, um sich selbst auf die Schliche zu kommen.

      Gefällt 4 Personen

      1. Naja, „das sehe ich ganz gelassen“ ist halt nur eine Redensart, die aber nicht weiter in die Tiefe geht. Ich denke, dass Höflichkeit auch eine Rolle spielt. Wenn man nicht sagen möchte „das ist mir völlig wurscht“ gibt es eine Reihe von Synonymen, die einfach netter klingen, aber genau das heißen: „es ist mir völlig wurscht“, „damit will ich mich nicht beschäftigen“ oder auch „erwarte nicht von mir, dass ich mich auf dieses Thema einlasse“.

        Gefällt 2 Personen

          1. Oh, ich wusste nicht, dass das bei euch so ist. Das macht aber das Leben in Österreich nicht einfacher! Wenn ich denke wie viele dieser sinnentleerten Floskeln wir tagtäglich verwenden. Das kann ich mir gut vorstellen, dass man sich da fürchterlich verfangen kann, wenn man sie wörtlich nimmt.

            Gefällt 1 Person

            1. Oh ja, darum mögen wir Menschen sehr, die offen sprechen und uns derlei ersparen. Wir können es nur im Nachhinein reflektieren (Worte und mitgelieferte Emotion passen nicht zusammen!), aber was es bedeutet wissen wir dennoch nicht. ….. Ein Grund mehr, warum Kontakte für uns oft so anstrengend sind. …..

              Gefällt 1 Person

    2. Deine Definition von Gelassenheit finde ich sehr interessant
      „die Fähigkeit sich zu konfrontieren, auch empathisch zu sein und dennoch quasi einen kühlen Kopf zu bewahren und den Boden unter den Füßen weiterhin zu behalten. Oder auch den Überblick zu bewahren, statt sich in der Emotion zu verlieren.“ Damit bin ich total einverstanden.
      Was deinen Yogalehrer betrifft, so weiß ich nicht recht, ob zur Gelassenheit auch die Verpflichtung gehört, sich für alles zu interessieren, was einem so unterkommt. Ich weiß ja nicht wovon er nichts wissen wollte (wenn ich es auch vermute). Aber ich würde sagen, man darf es schon ablehnen, sich mit etwas zu befassen. Das hat nun aber nix mit Gelassenheit zu tun.
      Das für dich in der Gleichgültigkeit ein Gefühl der Bedrohung steckt, finde ich auch sehr interessant. In diese Richtung habe ich noch nie gedacht. Gleichgültigkeit ist für mich hauptsächlich ein Mangel an Interesse, aber ja, es ist natürlich möglich, dass hinter diesem Mangel an Interesse auch irgendeine Angst steht. Spannend !
      .
      Ich fand, dass ich für mich die beiden immer besser unterscheiden kann, den Unterschied aber nur schlecht in Worte fassen kann. Ebenso wie bei mir selbst bemerke ich auch bei anderen, dass hin und wieder mal Gleichgültigkeit als Gelassenheit ausgegeben wird, weil die Gelassenheit tatsächlich ein sehr hoher Wert im Buddhismus ist und wohl auch bei Yoga-Praktizierenden.

      Gefällt 2 Personen

      1. Liebe Myriade,
        Du hast klar unseren Ärger über unseren Yoga-Lehrer erkannt, der in unseren Worten natürlich recht offen ausgedrückt wird. ….. Natürlich ist es in Ordnung sich nicht für alles zu interessieren. (Ja, du hast richtig getippt, wenn du DIS meinst. 😉) Wäre halt nett, wenn man das auch sagt und nicht so tut als ob man über den Dingen steht. Das wäre dann das Vorgeben von Gelassenheit. Und in diesem Fall hat es uns erinnert, wie oft er sagt : „Das sehe ich ganz entspannt!“ (für uns gleichbedeutend mit gelassen dem Leben begegnen, obwohl wir immer mehr denken, dass da sehr viel selbst-Betrug drinnen steckt.) ….. Ist aber eine andere Geschichte, die noch ein Blogbeitrag wird, vermutlich? Beschäftigt uns ja schon eine längere Zeit.
        Er war für uns in diesem Fall ein Beispiel um den Unterschied zwischen Gleichgültigkeit und Gelassenheit zu fassen und zu erklären. Bzw. wurde uns sein Verhalten klarer. Denn im ersten Moment haben wir uns gewundert, dass es schwierig sein kann, diese beiden Begriffe zu unterscheiden, weil sie für uns nichts miteinander zu tun haben. Anhand dem Kontakt mit B. wurde es uns dann klarer, wo das Problem der Unterscheidung liegen könnte. Gleichgültigkeit ist für uns mehr als nur Desinteresse. Wir können durchaus an etwas kein Interesse haben und dazu stehen, das ist für uns nicht gleichgültig, sondern eine Haltung oder Einstellung. Zu Gleichgültigkeit gehört so eine tiefe innere Ablehnung. Wie zu sagen: „das interessiert mich nicht (mehr)!“, in der Bedeutung: „das ist mir egal“ oder „davon will ich nichts wissen.“ Da schwingt eine Emotion mit. Eine Angst, bzw. hinter dieser ein nicht aufgelöster Schmerz. (Ein Trigger). Es ist eine Abwehr für uns damit verknüpft. Desinteresse muss keine ablehnende Emotion begleiten. Frau/Mann kann sich eben nicht für alles interessieren. Wir können gelassen dazu stehen uns für etwas nicht zu interessieren.

        Gefällt 2 Personen

        1. Ich kann das natürlich nicht beurteilen, weil ich den Yogalehrer nicht kenne, aber so wie du ihn beschreibst, habe ich auch keine große Lust dazu ihn kennenzulernen 😉 Ja, deine Unterscheidung zwischen Desinteresse und Gleichgültigkeit kann ich gut nachvollziehen.

          Gefällt 1 Person

          1. Ach, B. ist ein Macho, das nervt sehr, aber er ist vielleicht nicht so ungut, wie wir ihn gerade beschreiben und hat uns schon viel geholfen. Wir sind nur gerade sehr enttäuscht und wütend auf ihn und wir wissen nicht, ob das wieder wird, was auch weh tut nach 10 Jahren doch recht nahen Kontakt.

            Gefällt mir

  2. ja, eine sehr interessante (und wichtige!) frage, die du hier aufwirfst, liebe myriade!

    aber: „Die online-Kommunikation ist anstrengend und – zumindest für mich – ein bissl frustrierend. Wenn man mit jemandem gut und offen kommunizieren möchte, braucht es eigentlich mehr als ein Bild auf einem Bildschirm.“
    das sehe ich ganz ähnlich.
    hinzu kommt, dass mir für (bei manchen online-diskussionen unabdingbar notwendiges) ausführliches verschriftlichen von argumenten/ansichten schlichtweg meist die zeit fehlt.
    (groß)familie, beruf, ehrenamt, freundeskreis u.a. fordern mich analog, hier und jetzt und ganz leibhaftig, und haben priorität vor den digitalen sphären …

    pegagrüße 💕

    Gefällt 4 Personen

  3. dass man sich in social media nicht wirklich austauschen kann, habe ich inzwischen kapiert. Kommunikation online habe ich bisher vermieden, mit wenigen Ausnahmen. wo ich es aber als recht dünn empfand. Nein, um sich zu verständigen – insbesondere bei persönlichen Themen -, braucht es mehr, auch mehr als nur die Sinneseindrücke, da braucht es komplette geistig-seelisch-körperliche Präsenz. Beratungsgespräche könnte ich zB nicht online führen. Bei Entspannungs-Meditationen mag es gehen, bis zu einem bestimmten Grad.

    Gefällt 4 Personen

  4. Ich hab‘ den „Weg des Bogens“ von Paulo Coelho gelesen, der im Prinzip ja nur mystischen Blödsinn zusammenschreibt. Aber er bedient sich einer einfachen Sprache, die ich in der spanischen Übersetzung ohne weiteres verstehen konnte (auf Deutsch würd‘ ich sein Zeug nicht lesen). Außerdem hat mich als Bogenschützen der Titel angesprochen.
    Der Protagonist, ein Kyudomeister, weist einen jüngeren Herausforderer in die Schranken, der immerhin auf 40 Meter eine Erdbeere oder Kirsche trifft, indem er auf bloß 20 Meter einen Pfirsich vom Baum schießt. ABER er steht dabei in der Mitte einer schwankenden, halbverrotteten Hängebrücke, die sich über einen Abgrund spannt. Der Herausforderer geht zwar auch auf die Brücke, hat allerdings seine Gelassenheit nicht mit dabei, dafür aber die Hose gestrichen voll und schießt deshalb eine Fahrkarte.
    Natürlich drängen sich da gleich ein paar Gedanken auf, wie zum Beispiel der, dass auch der Meister ein ziemlicher Koffer sein muss, wenn er sein Leben riskiert, nur um einer Rotznase, die sich für die fastest gun in town hält, eine Lehre zu erteilen
    Und während ich hier also ein wenig klugschreibe (sic!) bildet sich mir eine (vorläufige) Meinung: „Gelassenheit“ zeigt sich in der Fähigkeit, angesichts einer (nicht vermeidbaren) Bedrohung oder eines Schicksalsschlags (der einen selber und /oder Mitmenschen trifft) handlungsfähig zu bleiben. Diese Art „Gelassenheit“ lässt sich dann wohl nur bedingt in Zeiten der Muße akquirieren, um sie im Bedarfs- und Krisenfall abrufen zu können. Dafür kann sie aber – meine ich – nicht mehr so leicht mit ihrer ordinären Cousine, der Gleichgültigkeit, verwechselt werden.

    Gefällt 4 Personen

    1. Bei der Geschichte vom Schuss von der modrigen Brücke um den jungen Konkurrenten zu übertrumpfen, hat der Herr Coelho wahrscheinlich seine Machoseite hervorgekehrt. Ich habe von ihm nur zwei Bücher gelesen: „der Alchimist“ das habe ich ganz nett gefunden und dann das Buch über den Jakobsweg, und da bin ich aus dem Kopfschütteln nicht herausgekommen.
      Doch, doch, man kann Gelassenheit schon üben. Schließlich ist sie auch im Kleinen hilfreich nicht nur bei größeren Katastrophen verschiedenster Art. Aber ich sehe, was du meinst, wenn jemand bei einer größeren Katastrophe in aller Ruhe und Umsicht agiert, kann seine Haltung tatsächlich nicht mit Gleichgültigkeit verwechselt werden.

      Gefällt 4 Personen

  5. Kann Kommunikation nicht in unterschiedlichen Intensität und unterschiedlichen Formen auftreten? Wenn dem so ist, dann ist die Online – Kommunikation durchaus ein Austausch – und hat ihre Berechtigung. In diesem Sinne habe ich persönlich davon einen Zugewinn und freue mich immer auf den Austausch hier im Blog.
    Den Dialog mit kompletter geistig-seelisch-körperliche Präsenz kann diese Online – Form natürlich nur ergänzen und von der Qualität her nicht erreichen.
    Liebe Grüße

    Gefällt 3 Personen

    1. Ja, ja, da bin ich ganz deiner Meinung, so ein online-meeting ist besser als nix und hat auch einige kleine Vorteile zB, dass sich Menschen „treffen“ können, die sich gerade in großer Entfernung voneinander aufhalten.
      An den Blogs sieht man einerseits, dass ein online Austausch möglich ist, andererseits aber auch, dass es dabei zu vielen, vielen Missverständnissen kommen kann.
      .
      Man muss sich eben jener Mittel bedienen, die gerade erreichbar sind und zur Verfügung stehen.
      Herzliche Grüße

      Gefällt 4 Personen

  6. Kennst du das Gleichnis vom barmherzigen Samariter? Die vorbeigingen, waren gleichgültig. Vielleicht nicht innerlich (ihr Status verbot den Kontakt mit Blut), aber äußerlich. Der Samariter war nicht gleichgültig. Aber gelassen: er ist nicht in Panik verfallen, Achottachottachott, wasmachichenjetz, zu Hiiiilfe, ja kommt denn keiner, der verblutet doch… Nein, er hat seinen Verbandskasten herausgeholt und erste Hilfe geleistet und den Mann dann dahin gebracht, wo er weiter gepflegt werden konnte.
    Gleichgültigkeit ist kalt, Gelassenheit nicht. Gesegnetes 2021!

    Gefällt 1 Person

    1. Kenne ich, ja. Das ist wirklich eine sehr schöne Illustration: Gleichgültigkeit ist kalt, Gelassenheit nicht. Danke! Schwierig bleibt es wie immer und überall in den Übergangsbereichen. Ich wünsche dir auch ein gutes 2021!

      Gefällt mir

  7. Ich werde immer wieder von Eckart vo Hochhim inspiriert. Bei ihm ist die Gelâzenheit ein zentraler Begriff seiner Mystik.
    Ich verstehe sie auf zweierlei Weise, die m.E. bei ihm auch immer wieder anklingt.
    Zum einen die Fähigkeit zu lassen, materielle Dinge wie auch Begrifflichtkeiten, Vorstellungen von etwas gehen zu lassen. Eigentlich eine Essenz fast aller Mystiker und wohl auch des Buddhismus
    Zum anderen die „Gleichgültigkeit“. Allerdings weniger in der Bedeutung, die dem Begriff heute (oft) beigemessen wird, nämlich einer gewissen Interesselosigkeit, bisweilen gepaart mit Empathielosigkeit gegenüber Vorgängen und Ereignissen, sondern schlicht wörtlich genommen, also die Dinge, die passieren, gleich gültig sein zu lassen, sie egal, ob mit gefühlt positiven oder negativen Auswirkungen verbunden, zunächst einfach mal unbewertet gelten zu lassen, so wie sie nun mal sind.

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s