Dienstag 25.11.2020 – Stromern rund um´s Impfen

Ich bin ganz pünktlich und schlendere über die Schwedenbrücke. Die U-Bahn war nicht leer, aber auch nicht überfüllt, die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln wird praktisch 100%ig eingehalten, das aber ohnehin schon seit Monaten.  Hinter mir die Ruprechtskirche und darunter der Platz wo der Attentäter erschossen wurde. Aber nichts davon ist heute in meinem Fokus. Was mir dagegen zum Beispiel auffällt, sind die Steinchen am Boden, die offenbar wegen Glatteis gestreut wurden. Heute Nachmittag ist es zwar sehr kalt, aber trocken.

Durch die Taborstraße gehe ich, vorbei an der Gasse, in der ich aufgewachsen bin. Das Haus steht nicht mehr und es ist ein seltsames Gefühl, dass am richtigen Platz das falsche Haus steht. Die Geschäfte sind geschlossen, wir haben ja Lockdown. In sehr vielen Geschäftslokalen sind aber Menschen anwesend, vermutlich die Besitzer oder Geschäftsführer und werkeln mit irgendetwas herum, dekorieren die Auslagen um, sitzen an Schreibtischen und bearbeiten ihre Laptops, telefonieren. Man kann ihnen von der Straße aus bei ihren Aktivitäten zusehen. Die Geschäftslokale sind voll, es sieht aus als hätte man die Fülle der Waren gerade noch untergebracht und wartete ungeduldig auf die Menschenmassen, die demnächst hineinstürmen werden

Ich komme an einer Schneiderei vorbei, in der gearbeitet wird und habe  den Eindruck dass, wenn ich an irgendeine dieser Türen klopfen würde, sicher jemand käme um mich zu fragen, was ich kaufen möchte. An nahezu allen Geschäften steht angeschrieben, dass man die Produkte, welcher Art auch immer, online kaufen kann oder einfach nur anrufen soll und dann alles umsonst nachhause geliefert bekommt. Bei manchen wird der Umkreis angegeben, in dem sie liefern, bei anderen ist es die ganze Stadt. Es gibt viele kreative Ansätze, wie man ohne andere zu gefährden seine Geschäfte betreiben kann. Demnächst werde ich auf diese Art einen Adventkranz erwerben, aber nicht in dieser Straße.

Es gibt eine Gratis-Grippeimpf-Aktion in Wien, die man in verschiedenen Bezirksämtern in Anspruch nehmen kann. Warum immer habe ich mir dieses ausgesucht. Es funktioniert alles völlig problemlos, nach höchstens 10 Minuten bin ich geimpft und wieder auf der Straße. Es ist meine allererste Grippeimpfung, die ich aber schon vor Covid19 beschlossen hatte. Nachdem ich nun nicht mehr täglich mit mehreren Öffis fahre und mit hunderten Leuten zu tun habe, von denen immer einige krank sind, dachte ich, dass der ständige Immunisierungseffekt nachlassen und mein Immunsystem nicht mehr ganz so fit sein wird.

Auf dem Rückweg gehe ich quer durch das Viertel und komme an einem kleinen Platz vorbei. Dort steht eine mir wohlbekannte Kirche mit weit offenen Toren. Wahrscheinlich wird auch hier fleißig gelüftet. Auf einer Bank direkt vor dem geöffneten Tor sitzen zwei klassisch-muslimisch gekleidete Mädchen, die miteinander kichern und schräg dahinter ist ein koscherer Supermarkt. Wie in Andalusien im Mittelalter, wo die allgemeine religiöse Toleranz eine blühende Kultur gefördert wenn nicht gar hervorgebracht hat.

15 Gedanken zu “Dienstag 25.11.2020 – Stromern rund um´s Impfen

    1. Aufregen bringt ja nie irgendetwas außer, dass man das eigene Immunsystem schwächt. Wenn Proteste nicht sachlich gehen, tut man sich selbst Gutes, wenn man sie unterlässt. Aber gut, natürlich stehe ich auch nicht annähernd so souverän über den Dingen und den emotional Aufgeregten.

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  1. Grippeschutzimpfung mache ich seit Jahren. In den ersten Jahren hatte ich 1, 2 Tage eine leichte Impfreaktion. Leicht erhöhte Temperatur. Dann war gut. Wenn du einmal eine echte Virusgrippe hattest, gehst du anschließend freiwillig jedes Jahr. Ich hab mal eine Frau in einem Sportkurs kennen gelernt, die eine hatte. Nach 3 Wochen war sie wieder da und zu schwach für die Übungen, die schon auf schwer übergewichtige Leute ausgelegt waren (und damit nicht so fordernd). DAS wollte ich vermeiden. Habe ja keinen, der für mich einkauft, kocht und putzt. Also muss ich fit bleiben.

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    1. Das verstehe ich gut. Ich kenne auch recht schaurige Berichte von Grippeerkrankungen aus erster Hand. Ich hatte aber eben noch nie eine Influenza und auch nur alle paar Jahre überhaupt eine Erkältung, habe also ein diesbezüglich äußerst gutes Immunsystem. Nachdem sich aber nun die äußeren Bedingungen verändert haben, dachte ich, dass es Zeit wird. Vorläufig merke ich gar nichts …

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        1. Auch das, ja. Ich finde aber auch schon das konsequente Abschleifen regionaler Besonderheiten in den vielen Gebieten des deutschen Sprachraums sehr schade. Natürlich muss es eine genormte Hochsprache geben, die alle beherrschen, aber die oft sehr charmanten und aussagekräftigen Dialekte und Mundarten finde ich schützenswert.

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  2. Du: „Es gibt eine Gratis-Grippeimpf-Aktion in Wien, die man in verschiedenen Bezirksämtern in Anspruch nehmen kann.“ Müsst ihr die Impfung sonst bezahlen? Gut, du hattest noch keine, aber weißt du es dennoch?
    Ich mache es auch schon seit Jahren regelmäßig.

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    1. Puh, da bin ich überfragt. Wie du ja schreibst, es war mein erstes Mal, Ich glaube aber schon, dass die Impfung normalerweise bezahlt wird sonst würde man ja nicht hervorheben, dass es eine Gratisaktion ist.

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