la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Montag 2.November 2020 – Lockdown und Attentat

42 Kommentare

Die Temperaturen erinnerten an Frühling, 20 Grad, der letzte Abend vor dem Lockdown, die letzten Theateraufführungen und Konzerte, die letzte Gelegenheit im Freien vor einem Lokal zu sitzen. Viele Menschen unterwegs, viele Menschen in den Theatern und Konzertsälen. Und dann brach der Terror los, in der Innenstadt, dort wo Wiens größte Synagoge steht, neben der größten Partymeile, neben dem Donaukanal. An sechs verschiedenen Orten gab es Anschläge.

Es lief ein Gerücht, dass es auch eine Geiselnahme gegeben haben sollte, ausgerechnet in dem Lokal, in dem ich Sonntag Mittag gegessen hatte. Es war aber nur ein Gerücht.

Einer der Attentäter wurde erschossen, er liegt vor der Ruprechtskirche, der ältesten Kirche Wiens. Der Entminungsdienst ist unterwegs, den der tote Attentäter trägt einen Sprengstoffgürtel und hat große Mengen von Munition mit sich. Ob die noch nicht gefassten weiteren Täter auch mit Sprengstoffgürteln ausgestattet sind, weiß niemand. Die Polizei samt Sondereinheiten, der Cobra und der Wega, haben die Innenstadt praktisch abgesperrt, Passanten werden perlustriert, alle auf den Straßen befindlichen Menschen werden in Innenräume gescheucht bzw dort festgehalten. Alle Veranstaltungen werden zu Ende gebracht, die Musiker spielen sogar Zugaben. Irgendwann sind dann doch alle Veranstaltungen in der Innenstadt zu Ende und das Publikum erfährt was los ist.

Derzeit, weit nach Mitternacht sind sehr viele Leute von der Polizei an diversen Orten eingesperrt, von Theatern und Konzertsälen zu Lokalen, Hotels und sonstigen Innenräumen. Die öffentlichen Verkehrsmittel stehen still. Theoretisch hätte der Lockdown um Mitternacht begonnen. Jetzt, gegen 01:00 höre ich, dass die Menschen langsam nachhause gehen dürfen. Ob morgen Früh alles normal sein wird und alle unbesorgt aus dem Haus gehen können werden, weiß man noch nicht. Die Hubschrauber höre ich noch kreisen und das Folgetonhorn von Polizei- und Rettungsfahrzeugen.

Es wird furchtbarer, in interessanten Zeiten zu leben.

42 Kommentare zu “Montag 2.November 2020 – Lockdown und Attentat

  1. Gut, dass du davon schreibst, ich wäre einfach nur sprachlos erstmal.

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  2. Also uns gefällt, deine Beschreibung, sonst kann ja nichts an dem gefallen.
    Übrigens war der Sprengstoffgürtel den der getötete Attentäter um hatte bloß eine Attrappe. Dennoch war er sehr stark bewaffnet mit einer automatischen Langwaffe, einer Pistole und einer Machete. ….. beunruhigend genug.

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    • Ja, das habe ich auch schon gehört. Womöglich war das der einzige Punkt, in dem dieser Mensch sich an die westliche Gesellschaft angenähert hat: er war nicht bereit, selbst zu sterben …

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      • Naja, das ist nicht unbedingt gesagt. In der Berichterstattung nachts sagte ein Terrorismusforscher/-experte, dass für solche Leute „suicide by cop“ durchaus Teil ihres Plans ist. Und es ist ja nicht gesagt, dass er nicht aus der westlichen Gesellschaft kommt. Es gab schon IS Sympathisanten, die in der westlichen Kultur geboren wurden. Auch ohne sog. Migrationshintergrund. Es wurde über diesen Täter noch nichts über seine Identität gesagt soweit ich weiß. …..

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        • „Suicide by cop“, was für ein furchtbarer Ausdruck ! Wir haben gerade im TV den Krimi „Vienna blood“ gesehen, der unterbrochen wurde. Ist schon reichlich pervers, wenn man sich zu seinem Vergnügen Filme über Morde ansieht, die dann unterbrochen werden von Berichten von echten Morden.

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          • Ein schrecklicher Ausdruck und ein schrecklicher Gedanke. Denn ein Polizist erschießt ja nicht gerne jemanden, wie es dem dann geht, wenn er das machen muss. Furchtbar. ….. Ja, da vergeht einem jeder Krimi. ….. Wir haben gebügelt und wollten gerade einen lustigen Film suchen. Es kam nicht mehr dazu. Wir haben eine App KATWARN seit Corona, die Warnung bei Katastrophen gibt. Um ca. 20:30 hat das Handy wie verrückt geklingelt. Das Warnsignal dieser App.

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  3. Einfach nur sprachlos….

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  4. Es ist gut zu lesen, dass du zu hause bist und nicht irgendwo in der Innenstadt. Es ist so sinnlos, fassungslos, sprachlos 😪

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    • Ja, ich wohne in Luftlinie ziemlich weit weg von der Innenstadt, aber mit der U-Bahn sind es 20 Minuten zum Schwedenplatz und zu dem Ausgehviertel, wo so viele Menschen den letzten Abend ohne Lockdown genießen wollten. Das Wetter war so schön, dass man noch im Freien sitzen konnte und in diese im Freien sitzenden Menschen wurde hineingeschossen. Eigentlich ein Wunder, dass es nicht mehr Tote und Verletzte gegeben hat. Die Polizei war sehr effizient …

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  5. Deinen Bericht las ich noch vor den Nachrichten und er brachte Entsetzen und Fassungslosigkeit natürlich viel besser über als der Nachrichtentext. Wird das jetzt noch mehr? Hat Frankreich Signalwirkung? Wer ist als nächstes dran?

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  6. „Es wird furchtbarer, in interessanten Zeiten zu leben.“ Was für ein Satz!
    Als ob nicht alles schon schlimm genug wäre, jetzt auch noch das.

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    • Ja und es ist auch so widerwärtig, dass der Anschlag so geplant war, dass möglichst viele Menschen auf den Straßen waren. Das zeitliche Zusammenfallen vom Beginn der nächtlichen Ausgangsbeschränkungen um 00:00 und einem Terroranschlag, der ca um 20:00 begonnen hat, wird wohl kein Zufall sein … Vorgestern gab es auch einen Vorfall in einer Kirche, in der fanatische Jugendliche in einer Kirche randalierten und „Allahu Akhbar“ brüllten. Es wird immer ungemütlicher

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  7. Ist hier neben den Präsidentenwahlen in den USA Hauptthema in den Nachrichten (und ich lebe in Norddeutschland).

    Bisher klingt es hier nach: Mindestens noch ein Attentäter, Polizei war schnell vor Ort, so dass es nicht noch mehr als drei Tote wurden (und das ist eine hervorragende Leistung!)

    Eure Kinder in Wien haben heute keine Schule. Und es wird gebeten, dass jeder, der nicht UNBEDINGT raus muss, doch bitte daheim bleibt. Weil sie den zweiten noch nicht haben.

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  8. Bei uns wurde es gestern Abend ins laufende Fernsehprogramm eingeblendet, und ich drehe zu jeden Nachrichten den Ton des Radios lauter, es kommt noch vor den US-Wahlen.
    Ist was anderes, wenn man Leute dort kennt, wo es passiert. Gut, von dir zu hören. 👍👍👍
    Morgenkaffeegruß 😁🌥️☕🥐👍

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    • Danke! Es ist ein scheußliches Gefühl, dass so ein Attentat an Orten stattfindet, die man gut kennt, in der eigenen Stadt, wo doch solche Vorfälle gefühlterweise immer nur ganz woanders vorkommen. Es darf ja gar nicht wahr sein, dass an Orten, an denen ich tausende Male vorbeigegangen bin gerade erst heute Nacht Menschen erschossen wurden. Klar, gerade der Morzinplatz eines der Zentren des Geschehens war der Standort des Gestapo-Hauptquartiers in Wien. Unter dem Platz gibt es bestimmt noch die Folterkeller der Gestapo über denen auf dem Morzinplatz ein Gedenkmal steht …

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  9. furchtbar, wenn der Terror so hautnah heranrückt. Auch wir verfolgten am TV die Nachrichten, erschüttert und in Gedanken an Wiener Freunde. Ich hoffe, auch deine Freunde sind davongekommen. Halt die Ohren steif, liebe Myriade!

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    • Danke! Soviel ich weiß kenne ich niemanden von den Opfern. Ich weiß es aber nicht wirklich, weil ja keine Namen veröffentlicht und nur die Familien verständigt werden. Es ist ein großer Schock, aber es ist de facto sehr glimpflich verlaufen im Vergleich damit, was alles hätte sein können und wie schwer bewaffnet der eine Täter war woraus man schließt, dass es der oder die anderen, die noch nicht gefunden wurden wohl auch waren bzw sind.

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  10. Als ich es gestern Abend erfuhr, dachte ich an Dich. Gut, von Dir zu lesen – auch wenn furchtbar ist, was zu lesen ist…

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  11. Am Sonntag Abend ging ich über den Breitscheidplatz in Berlin, wo vor ein paar Jahren das gruselige Attentat mit einem Bus auf den Weihnachtsmarkt stattfand. Jetzt hat man rundherum alles abgesperrt mit Pollern, Sperren und Barrikaden, was aber auch kein Gefühl von Sicherheit vermittelt, im Gegenteil wird man nur an schreckliche Bilder von damals erinnert, an die Ohnmacht und all das Leid. Der IS, eine Schande für den ganzen Orient.

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  12. Wenn man darüber nachdenkt, gibt es ja wahrscheinlich kaum einen Ort auf der Welt, an dem nicht schon irgendjemand ermordet wurde. Wenn man es aber selbst erlebt,gesehen oder gehört hat, ist es noch ein ganz anders Gefühl …
    Mit der fanatisierten Brutalität mit der zB der IS vorgeht, kann unser Rechtssystem nicht wirklich umgehen.

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  13. Pingback: Verlaufsgrau mit Flugzeug. Ein November Tagebuch. – OlasUniverse

  14. Mein muslimischer Physiotherapeut, der aus einem islamischen Land kommt, meinte, er habe sich schon öfters mit (deutschen) fanatisierten Konvertiten unterhalten, die aus irgendwelchen Gründen der Meinung seien, sie seien „auserwählt“ für Allah zu kämpfen. Er frage so Leute dann immer, warum sie denn denken würden, dass Allah so klein (und sie so groß) sei(en), dass er ausgerechnet ihre Hilfe brauche, um andere zu „bekämpfen“. Andere, die ja immerhin auch Teil der Schöpfung Allahs seien. … . Ich fand diese Frage irgendwie klug.
    Liebe Grüße nach Wien!!!

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  15. Leider kann man mit Fanatikern nicht diskutieren und wenn man noch so kluge, einleuchtende Argumente zu bieten hat

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  16. Gut zu wissen, dass du unbeschadet bist.
    Ich war früh am Abend offline gegangen und war sehr verwundert, als ich nachts kurz wach wurde und auf FB gelesen habe:
    Betet für Wien.

    Ich fragte mich, was denn nur passiert sei. Natürlich ging ich gleich online auf die Suche.

    Das war so gegen 2 Uhr morgens. Furchtbar, was da passiert ist. Und ich kann die Ängste nur erahnen, die die Leute ausgestanden haben müssen, die unterwegs waren.

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  17. Pingback: Woche 45: Mittelzehweh und Geschichtsfalten | Alltägliches + Ausgedachtes

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