la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Der Beichtstuhl

48 Kommentare

Ein schönes Exemplar von einem Beichtstuhl.

Ich erinnere mich, wie das war, als ich als Kind das letzte Mal zur Beichte ging. Neun oder zehn muss ich da gewesen sein. Vom schulischen Religionslehrer, der selbst auch Pfarrer war, wurde eine Schulmesse organisiert, was an meiner Schule sonst nicht Brauch war.

Aus irgendwelchen Gründen wurde nicht der Beichtstuhl benützt, sondern der Pfarrer saß in einer Art Büro und ließ die Kinder aufmaschieren. Als ich an der Reihe war, sagte ich wahrscheinlich irgendwelche „Sünden“ auf, die ich für angemessen hielt oder die mir irgendjemand empfohlen hatte zu sagen. Daran erinnere ich mich nicht. Ich weiß nur noch, als wäre es gestern gewesen, dass der Pfarrer zu mir sagte „warum kommst du, wenn du eh nicht dran glaubst?“ Das hielt ich für eine absurde Frage, denn die Möglichkeit an dem Ereignis nicht teilzunehmen, war ja nie angeboten worden. Ich weiß noch, dass ich konsequenterweise aufstehen und gehen wollte, aber der Pfarrer, der es – aus heutiger Sicht betrachtet – wahrscheinlich nicht mit seinem Amtsverständnis vereinbaren konnte, ein „sündiges“ Kind einfach gehen zu lassen, hielt mich zurück, machte dann doch sein Kreuz und murmelte „ego te absolvo“.

Ich weiß nur noch, dass ich nicht verstand, wieso er mich zuerst fast rausgeschmissen hatte, was ich durchaus angemessen gefunden hätte und mich dann doch genauso behandelte wie alle anderen. Der arme Mann war wohl auch reichlich frustriert über seine eigene Handlungsweise.

Das war, soweit ich mich erinnere, meine letzte Begegnung mit der Beichte, denn ich wurde mit fortschreitendem Alter nicht gläubiger

48 Kommentare zu “Der Beichtstuhl

  1. Und letztendlich muss man sich selbst verzeihen….. sonst nützt das ganze beichten nix…..

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  2. Vielleicht hat genau seine Aussage dafür gesorgt dass du nicht Gläubiger wurdest.

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  3. eine interessante Frage: „Warum kommst du, wenn du eh nicht dran glaubst?“

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    • Prinzipiell ist das eine interessante Frage und wahrscheinlich war es auch ein unkonventioneller Pfarrer. Aber ein junges Kind ist mit so einer Frage überfordert

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      • Ja, klar. Ich bezog es jetzt auf die Mehrheit unserer „christlichen“ Bevölkerung, die zwar nix glaubt, aber die Rituale dennoch für wichtig erachtet – sei es auch nur, damit „die Menschen“ nicht moralisch verludern. Oder wie Iwan in den Brüdern Karamasov sagt: Wenn es Gott nicht gibt, ist alles erlaubt.

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        • Allerdings, viele Leute legen wegen des Rituals Wert auf kirchliche Taufen, Hochzeiten, Begräbnisse obwohl sie eigentlich nicht gläubig sind. Nachdem ich selbst auch nicht gläubig bin, finde ich das nicht sooo verwerflich 🙂

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  4. Eine der ältesten Geschichten der Bibel: warum hast du das getan? Weil xxx es mir gesagt hat.

    Ein neunjähriges Kind (es wird vor der Erstkommunion gewesen sein) kann das aber nicht antworten und auch einem Erwachsenen, Respektsperson zumal, nicht sagen, warum es das nicht glaubt.

    Peter Rosegger erzählt auch eine Beichte vor der ersten Kommunion.

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    • Das war bestimmt nach der Erstkommunion, die hat bei mir mit 6 Jahren stattgefunden und bei diesem Vorfall war ich doch ein paar Jahre älter.
      Aber das Kinder-Beichttrauma dürfte weit verbreitet sein. Man hat halt irgendwas gebeichtet, ich glaube wir hatten da sogar eine Liste zum Aussuchen der Sünden. Meine Familie war aber nie religiös und ich bin nur wegen des Herdentriebs in den Religionsunterricht gegangen.
      Ich würde es sehr interessant finden, wie das Thema Kinder-beichten von Seiten der Geistlichen aussieht.

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      • Erstkommunion mit 6 Jahren? So jung schon? In Westfalen wie in Frankreich sind die Kinder 9.

        Ja, das würde mich auch interessieren, wobei wahrscheinlich jeder seine eigene Meinung dazu hat.
        Ich bin ja von der falschen Fraktion. 😉

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        • Das ist ja schon ein paar Jahrzehnte her, vielleicht hat sich da was geändert. 9 ist eigentlich auch noch ziemlich jung
          Das Nichtvorhandensein von Kinderbeichten bei deiner Fraktion finde ich überaus vernünftig. Bei den Erwachsenen lassen sicg Argumente dafür und dagegen finden

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          • Im seelsorgerlichen Bereich hat die „Privatbeichte“ (damit ist gemeint, daß sie nicht vor der versammelten Gemeinde stattfindet; es ist ja nicht Facebook) durchaus ihren Platz. Aber das kommt auf die Situation an und auf die Person.
            Dabei handelt es sich schließlich um ein Angebot für die gequälte Seele, daß ihr helfen soll, Frieden zu finden, und nicht um eine rituelle Verpflichtung. Daß es allgemein immer mal wieder gut ist, sich zu überlegen, wem man in der letzten Zeit vielleicht Unrecht getan hat und ob man da nicht was tun müßte, ist ein anderes Thema, aber dazu hat die Pflichtbeichte auch nicht beigetragen.

            Übrigens ist es für mich ein absolutes No-Go, mit einem Kind in einem abgeschlossenen Raum allein zu sein. Ein solches Vier-Augen-Gespräch kann in einer Pergola oder einem Wintergarten stattfinden, wo man uns zwar nicht hören, aber sehen kann, und eine Vertrauensperson des Kindes muß in Rufweite sein.

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  5. Beichte…tzzzz…ich war viel zu brav und nicht katholisch.

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  6. Die Grundidee einer Beichte und das Abgeben eines auf sich geladenen Problems. Befreiung durch einen anderen Menschen finde ich ganz interessant. Die wirkliche Ausführung ist jedoch genau zu betrachten.

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    • Danke für den Gedankengang. So wie du es beschreibst erinnert es uns auch an Psychotherapie. Hier ist die Ausführung eine ganz andere, nämlich zu lernen sich selbst zu verzeihen und vertrauen zu erlernen oder zu erneuern, sich anzuvertrauen. Dieser Vorgang ist ein lebensbejaender, wogegen die katholische Beichte eine hierarchische Unterwerfung darstellt. Der Priester spricht dich frei und erlegt dir einige Gebete auf, die du sprechen sollst. Vorgegebene Gebete, kein dich versenken. Das hat keinen Lerneffekt außer dass es eben Hierarchien gibt, wo jemand über unser Fehlverhalten urteilt. Genau dieses Urteil, welche Handlung richtig und welche falsch war, sollten wir aber selbst einsehen und daran wachsen, uns selbst verzeihen, statt uns dafür zu schämen, was Ursache und Folge der Beichte ist. …… Es mag aber evtl. auch sehr gute Seelsorger geben, die durchaus positiv auf ihre Gemeinde einwirken können und sie dorthin führen selbstbestimmt zu agieren. Ob das im Beichtstuhl möglich ist stelle ich in Frage. Diese demütigende Haltung alleine ist ungeeignet für Wertschätzung und Respekt gegenüber jemanden, die oder der sich mit eigenen Problemen auseinandersetzen möchte.

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    • De wirkliche Ausführung hatte lange Zeit die Zielsetzung die Menschen zu kontrollieren und zu beobachten …

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  7. Oh ja, ich habe auch so eine Zwangsbeichterfahrung gemacht. Ich war vielleicht 7 oder 8, es war auf irgendeiner Art von Klassenausflug, irgendwas von der Grundschule. Ich kannte den Pfarrer nicht, es war nicht der von unserer Gemeinde, den ich im Gottesdienst schon immer so langweilig und unverständlich fand. Ich saß in irgendeiner Kirchenbank, ein Beichtstuhl war da gar nicht. Da ich nicht wusste, was ich beichten sollte, aber jedes Kind unbedingt etwas beichten musste, fing ich an zu weinen. Der Druck fühlte sich scheiße an und ich verstand einfach nicht, was das Ganze sollte. Der Pfarrer tat dann irgendwie verständnisvoll und mein einziger Ausweg war, mir irgendeine halbwegs plausible Sünde auszudenken, die ich vermeintlich begangen hatte und wegen der ich nun heulte. Ich glaube, ich habe dann gesagt, dass ich meine kleine Schwester geschlagen hatte. Das stimmte zwar nicht, war aber egal, ich wollte nur aus dieser unangenehmen Situation raus. Das war wohl einer der Sargnägel meines kindlichen Glaubens. Ich wurde auch mehr und mehr zur Atheistin und bin es heute mit voller Überzeugung.

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  8. Tja, solche oder ähnliche Erlebnisse hatte ich auch mit dem Beichten…. mir ging es da ähnlich wie Dir, ich ratterte einfach was runter was ich „als angemessen“ gelernt hatte – um nicht aufzufallen – was auch sollte man anderes tun…. Du hast recht Myriade, damals schon sehr klug Deine scheinbare Wahl – zu gehen – zu versuchen, aber selbst die nahm er Dir, „dieser Hl. Mann“. Was hatten all die Kinder schon für eine andere Wahl… Jetzt erst haben wir eine Wahl, weil wir mehr Bewusstsein entwickelt haben und nach und nach immer mehr begreifen, dass all die Indoktrinationen überprüft werden müssen, die sie in uns hinein gestopft haben, als wir noch keine Wahl hatten.

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    • Für mich war es zum Glück eine vereinzelte negative Erfahrung. Ich erinnere mich an diverse Skurrilitäten aus dem Religionsunterricht, aber nachdem meine Eltern beide nicht religiös waren, fiel das unter „Skurrilitäten aus der Schule“ und hat bei mir keine bleibenden Schäden angerichtet

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  9. Im Akt der Beichte verbirgt sich ja vieles: Reinigung, Befreiung, Bewusstwerdung, Kontrolle, Unterwerfung, zeigen Kontrolle, Selbstbewusstsein und und und, Liebe Grüße

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  10. Was ist denn Gott, wenn er/es sich solcher Hifzis bedienen muss?

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  11. Hahaha….ich erinnere mich ähnlich wie Du. Schließlich bin ich katholisch auf dem bayrischen Land aufgewachsen. Kirche war ein MUSS. Hat es nicht besser gemacht…

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  12. Ja, ich habe das ähnlich empfunden. Eine unangenehme Pflichtübung, für die ich mir immer irgendwas ausgedacht habe. Den Grundgedanken der Beichte finde ich an und für sich aus meiner heutigen Sicht sogar gut. Aber so, wie es durchgeführt wird, ist es größtenteils zum bloßen Ritual erstarrt. Wie so vieles … .

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    • Wie so vieles, ja ….. Ich habe keine Ahnung, wie das Beichten heutzutage abläuft. Wäre aber interessant. Allein schon, ob man noch Beichtstühle verwendet oder eine etwas wertschätzendere Position ..

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  13. Einen recht ähnlichen Beichtstuhl habe ich vor einer Weile als Aufbewahrungsort für den kircheneigenen Staubsauger entdeckt. Die Beichtenden mussten dort wohl auch im Pfarrbüro beichten.

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  14. Ich war evangelisch, kannte die Beichte nur vom Hören und fand fürchterlich, was ich hörte. Der Sinn darin entzieht sich mir bis heute.

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