Sonntag 30. August 2020 – die Hexe Kniesebein und meine Titanhüfte

Da stehe ich mitten im Wald vor einem steilen Abwärtsweg. In die andere Richtung geht es steil bergauf, auch nicht besser. Viele Steine und Zapfen wenig Wurzeln über die man gut gehen könnte. Obendrein stehe ich da ganz allein. Der F ist bergauf unterwegs.

„Tief im Walde ganz allein wohnt die Hexe Kniesebein (aus „Hatschibratschis Luftballon“)“

Einmal ganz abgesehen davon, dass ich nicht tief im Walde bin und Häuser und Kirchen des schönen Mödlings von weitem zu sehen sind, hat ja die Kniesebein sicherlich einen besseren Orientierungssinn als ich. Was zwar keine Kunst ist, aber hilfreich. 

Ich schweife ab, also Weg hinunter oder hinauf? Andere Möglichkeiten gibt’s nicht. Es sei denn ich wollte quer durch den Wald. Will ich nicht. Was hat doch der Orthopäde am Mittwoch bei Betrachtung meiner Röntgenbilder gesagt. Da haben Sie aber Glück gehabt, hat er gesagt. Bei so einem Sturz passiert der Prothese selten etwas, aber der Knochen ist das fragilere Teil und kann leicht splittern. Aber ich erinnere mich an die OP, Sie waren eine mit besonders harten Knochen. Und schön eingewachsen ist die Prothese, hat er gesagt und dass ich mir die Kontrolluntersuchung im Dezember zum zweijährigen Jubiläum der OP ersparen kann. Es steht alles zum Besten. 

Trotzdem werde ich mein Glück jetzt nicht überstrapazieren und den Weg gaaaanz vorsichtig hinuntergehen. Die erprobten und bewährten Wanderstöcke aus Gastein liegen gemütlich im Auto. Die werden sich die äh.. Hände reiben. Das Auto steht irgendwo, der F war sich auch nicht ganz sicher wo sein ausgewählter Wanderweg beginnt. 

Wenn ich unten ankomme, setze ich mich in eines der zahlreichen Lokale in der Fußgängerzone. Bobo-Lokale würde die Frau Erkurt sagen. Frau Erkurt ist eine türkischstämmige Germanistin, die ich als Journalistin beim Biber sehr schätze. Sie hat ein Jahr an einem Gymnasium unterrichtet und darüber ein Buch geschrieben. Dann ist sie in ihren ursprünglichen Job als Journalistin zurückgekehrt. Jetzt wird sie heftig von allen Seiten zu ihrem Buch interviewt. Ich bin auch ganz ihrer Meinung, dass unsere Schulen für Kinder, die bildungsmäßig von ihren Eltern nicht unterstützt werden (können), schlecht funktionieren. Was ich irritierend an ihr finde, ist, dass sie immer nur von zwei Gruppen von Menschen spricht: von den Migranten und den Bobos. Das ist denn doch eine sehr verkürzte Darstellung der gesellschaftlichen Realität, im Bildungsbereich und überhaupt. 

12 Gedanken zu “Sonntag 30. August 2020 – die Hexe Kniesebein und meine Titanhüfte

  1. … wobei mich dann ja doch interessieren würde, wie Du an dieser Stelle mitten im Wald gekommen bist. Wenn es an einer Seite steil nach unten, an der anderen steil nach oben geht – dann musst Du ja entweder schon steil nach oben gekraxelt sein oder steil nach unten geschliddert?! Ansonsten könntest Du den Weg, den Du gekommen ist, doch bequem wieder ein Stück zurückgehen?
    Fragen über Fragen…
    Gut, dass Du anscheinend sicher unten angekommen bist. 🙂

    Gefällt 6 Personen

    1. Ich hatte die falsche Information, dass es sich um einen bequemen Rundweg handelt deswegen bin ich ein Stück steil hinauf gegangen in der irrigen Meinung, dass ich dort nicht wieder hinunter muss. Wahrscheinlich habe ich irgendwo unterwegs die falsche Abzweigung genommen und der Rundweg war einfach woanders …. Mein Orientierungssinn ist so mies, dass mir solche Dinge ständig passieren 🙂 🙂
      Aber ja, ich habe es gut überstanden 😉

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  2. Interesting read; at first I wasn’t sure if I was reading a riddle or your story, then down the way I realized it was probably your story, then finally your story. This could have come straight from a novel, the style of writing was engaging:)
    As of the immigrant topic, it’s just everywhere and if I wasn’t an „immigrant“ my self and the others I know, you would think immigrants were some species out-of space.

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    1. Most people here in Europe (not all, but by far the majority) are migrants – some have their roots in migrated great-great-great… grandparents, others migrated relatively lately … My grandfather from my mother’s side stems from a family that lived in a part of then Germany that is now the Eastern region of Poland. HIS ancestors must have migrated there somewhere earliest in the middle-ages … but I do not know for sure, they might have come much later to the „Kornkammer“ (Grainchamber) of the then German State (this is just describing it, as it was back then, not an expression that I think it is still Germany, it is not!)

      My father’s side comes from the extreme Southwest of Germany, his ancestors come from a town called Sulz. But if they always lived there, if the red hair strain, that runs in the family, comes from some Celtic roots (possible, but not proven), if there was no migration from elsewhere to a town that got richer by salt then other towns who were less blessed, and thus attracted migrants … who knows. So in a way we are all migrants.

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      1. Great comment!
        And immigration is as old as humans themselves; trace back in history and you will find that people always moved in search for either better agricultural lands, fleeing from harsh circumstances, and will always continue to move for a better life.

        Gefällt 2 Personen

    2. I sometimes write diary, sometimes fictional texts and sometimes both are mixed. My blog is my playground 🙂
      And thanks for the „engaging style“ ❤

      About the migrants: in my city, school and the children of migrants are a big issue. Often they have a poor command of the local language and are poorly integrated into society. This creates a lot of polemics. The corona-lockdown made the situation very much worse, because many migrant children did not or could not participate in online lessons, which further increased the gap between "good" and "bad" pupils.
      I

      Gefällt 1 Person

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