la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Nummer 8 der Buchchallenge – Sklaven und Baumwolle

20 Kommentare

Buch Nr. 8

EIN BUCH, DAS IN EINER VERGANGENEN EPOCHE SPIELT

Wir befinden uns im amerikanischen Bürgerkrieg, in den 1860er Jahren, während des Krieges und danach. Ich hatte eine uralte zerfledderte Version dieses Buch. Zerfleddert, weil ich es öfters gelesen hatte einerseits, und weil es für ein Taschenbuch einfach zu dick war um lange zu überleben. Daher habe ich meine Urversion durch diese hier ersetzt:

Ein Buch, das sehr bekannt wurde, dessen Verfilmung lange Jahre die Liste der meistgesehenen Filme anführte. Ein gut geschriebenes Buch, ein gut recherchiertes Buch. Aber, sowohl in dem Buch als noch mehr in dem Film werden die als Sklaven auf den Feldern und in den Häusern der amerikanischen Südstaaten arbeitenden Afroamerikaner als kindliche, schlichte Gemüter dargestellt, die ihren „Herren“ treu ergeben und mit ihrem Leben sehr zufrieden sind.

Als Europäer konnte man das Buch eventuell lesen, ohne diesen Aspekt der Geschichte zu berücksichtigen. Ich habe es zumindest so gelesen, nicht weil mir nicht klar war, dass das Verhältnis zwischen den Südstaatlern und ihren Sklaven wohl kaum so idyllisch gewesen sein kann, wie hier dargestellt, aber dieser Hintergrund erschien mir für die große, dramatische Geschichte von Scarlett O´Hara und Rhett Butler als unbedeutend. Ob man das als Amerikaner auch so sehen konnte, kann ich nicht beurteilen.

Jedenfalls ist sicher mittlerweile allen klar, dass die Sklaverei in den Südstaaten der USA im neunzehnten Jahrhundert nicht so gelaufen ist, wie in „Im Winde verweht“ dargestellt. Darf man das Buch trotzdem mögen? Doch, darf man, aber die Berücksichtigung der speziellen Sichtweise der Autorin auf den historischen Kontext finde ich schon wichtig.

Auf Christianes Anregung habe ich „Undergroundrailroad“ von Colson Whitehead gelesen.

Ein Buch, das ebenfalls die Zeit der Sklaverei in den USA beschreibt allerdings von einem völlig anderen Gesichtspunkt aus nämlich  anhand der Lebensgeschichte einer von einer Plantage fliehenden Sklavin. Eine Mischung aus brutalstem Realismus und einem genialen surrealen Element, eben der Undergroundrailroad. Dies war die Bezeichnung für ein landesweites Netz von Fluchthelfern für Sklaven, die vom Süden in den Norden flüchten wollten. Die Flüchtenden wurden von den Helfern auf verschiedensten Wegen durchs Land geschleust. Dabei bedienten sie sich als Code der Terminologie der noch ziemlich neuen Technologie der Eisenbahn. Man sprach von Stationen, Zügen und Passagieren.

Colson Whitehead hat daraus ein unterirdisches Eisenbahnsystem gemacht, das in den Felsen gehauen worden sein soll. Er lässt dieses starke Bild sehr vage. Weder erfährt man, wer dieses fantastische System gebaut haben soll noch wie oder wo genau. Aber ich finde das Bild eines unterirdischen Eisenbahnnetzes genial. Die Übergänge zwischen der realistischen Sprache der Erzählung und den surrealen Bildern holpern übrigens nicht im mindesten. Ich hatte anfangs einige Zweifel ob es diese Züge vielleicht nicht doch irgendwie irgendwo gegeben haben könnte. Hat es aber natürlich nicht.

Wann genau die Geschichte spielt, erfährt man nicht; in den 1830er, oder 1840er Jahren, irgendwann vor dem Sezessionskrieg. Die Protagonistin ist die Enkelin einer noch in Afrika aufgewachsenen Frau.

Diese beiden Bücher als Beispiel dafür wie verschieden vergangene Epochen literarisch verarbeitet werden können, je nach Blickwinkel der Autoren

 

Vielen Dank an Ulrike von Blaupause7, von der die Aufgaben für diese Challenge stammen und die auch eine Teilnehmerliste führt

20 Kommentare zu “Nummer 8 der Buchchallenge – Sklaven und Baumwolle

  1. da würde ich persönlich doch lieber den zweiten Tip vorziehen, denn schon im Film fand ich den Pathos stellenweise unerträglich.

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  2. Zwei Romane zur selben Epoche und Thematik gegenüberzustellen halte ich für eine gute Idee, besonders in einem so heiklen Fall wie „Vom Winde verweht“.

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  3. Wie Ule schreibt: gute Idee mit den zwei Blickwinkeln. Wenn ich jetzt an Underground Railroad denke, erinnere ich mich an die maßlose und sinnlose Grausamkeit, die er da so lakonisch erzählt …
    Ich war dagegen nie ein echter Fan von „Vom Winde verweht“, kenne aber natürlich Buch und Film, auch die Fortsetzung (Buch). Wahrscheinlich bin ich einfach nicht so gestrickt wie Scarlett O’Hara und fand es auch nie erstrebenswert … 😉
    Liebe Grüße
    Christiane 😁🌦️☕🍪👍

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  4. Ich mag die Gegenüberstellung von diesen doch zwei sehr unterschiedlichen Titeln (nicht mal zum selben Thema, Sklaverei ist ja, wie du selber schon sagst, nur eine Randerscheinung bei „Vom Winde verweht“, aber das Hauptthema der Flüchtenden)! Vom Winde verweht hab ich weder gesehen noch gelesen, kenne nur das eine oder andere Meme

    doch mehr interessieren würde mich Undergroundrailroad.

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    • Das ist ein sehr originelles Buch. Das einzige, was man ihm vorwerfen könnte, ist, dass für Leser*innen, die sich bei dem Thema nicht wirklich gut auskennen manchmal unklar bleibt, was Realität ist und was Fantasie des Autors.

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  5. Ich kenne bisher nur *Vom Winde verweht*. Ein gigantischer Schinken der Zeit, in der sie es geschrieben wurde. so habe ich es in Erinnerung, aber damals gerne gelesen…

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    • Ein Schinken, ja, aber historisch gar nicht schlecht recherchiert und eigentlich gut geschrieben. Man muss es nur mit dem Machwerk vergleichen, das als Fortsetzung gehandelt wurde. Ich erinnere mich nicht, wie die Autorin heißt. Sie soll bei einem Interview gesagt haben: Ja, Margaret Mitchell schrieb besser als ich, aber sie ist tot.“

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  6. Wussterst du, dass die Frau, die in dem Film Scarlett O‘ Haras Kindermädchen spielt, die erste Schwarze Frau war, die einen Oscar bekam – und dann an den Feierlichkeiten nach der Preisverleihung aufgrund der Rassentrennung nicht teilnehmen durfte?
    Das für mich einprägsamste Buch über die Sklaverei in den USA ist „Beloved“ von Toni Morrisson.

    Gefällt 1 Person

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