la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Nummer 3 der Buchchallenge – Völkermord

27 Kommentare

Buch Nr. 3

EIN BUCH MIT EINER ZAHL IM TITEL

Es ist sehr lange her, dass ich dieses Buch gelesen habe und ich kann mich an keine Einzelheiten erinnern. Es geht um den türkischen Völkermord an den Armeniern während des ersten Weltkriegs. Der Musa Dagh ist der Berg auf den sich Armenier zurückgezogen hatten um sich zu verteidigen. Dieser Völkermord wird in der heutigen Türkei von Präsident Erdogan und vielen türkischen Nationalisten geleugnet und als üble anti-türkische Propaganda bezeichnet.

An eine Szene aus diesem Buch erinnere ich mich noch Jahrzehnte nachdem ich sie gelesen habe. Es ist eine ganz starke emotionale Erinnerung.

Es geht um einen alten, armenischen Gelehrten, der auch aus seiner Wohnung voller Bücher in eine ungewisse Situation flüchten muss. Er kann – wie alle anderen- nur mitnehmen, was er tragen kann. Meine Erinnerung ist nun dieses Gefühl, wie es sein muss, sich entscheiden zu müssen, welche paar Dinge man mitnehmen kann und welche verloren sind und wahrscheinlich zertört werden. In diesem Fall vor allem welche der vielen Bücher, welche Worte, welche Lyrik, welche Prosa, welche Philosophie kann der Zerstörung entrissen werden. Tagelang hat mich dieses Gefühl ganz fertig gemacht und ich habe vor meinem inneren Auge einen großen Sack Bücher gesehen, den ein kleiner, alter Mann versuchte mitzuschleppen, auf einen Berg, um zu versuchen sein Leben zu retten und auch seine Kultur und seine Sprache. Ich weiß gar nicht, ob es diese Szene in dieser Form überhaupt gibt, ob es nur ein Satz war aus dem ich das Bild entwickelte, jedenfalls ist es ein Bild, das ich nicht wieder loswerden konnte.

Diese Ausgabe der „40 Tage des Musa Dagh“ habe ich mir kürzlich gekauft um das Buch nochmals zu lesen mit erwachsenen Augen.

Franz Werfels Widmung:

„Dieses Werk wurde im März des Jahres 1929 bei einem Aufenthalt in Damaskus entworfen. Das Jammerbild verstümmelter und verhungerter Flüchtlingskinder, die in einer Teppichfabrik arbeiteten, gab den entscheidenden Anstoß, das unfassbare Schicksal des armenischen Volkes dem Totenreich alles Geschehenen zu entreißen. Die Niederschrift des Buches erfolgte in der Zeit vom Juli 1932 bis März 1933.“

 Breitenstein Frühjahr 1933, Franz Werfel 

 

27 Kommentare zu “Nummer 3 der Buchchallenge – Völkermord

  1. Habe ich als Jugendlicher auch gelesen und erinnere mich an nichts mehr, nur an den Titel.

    Gefällt 3 Personen

  2. Ein interessantes Challenge-Thema. Ich freue mich, dass du teilnimmst und bin neugierig, welche 30 Buchtitel du präsentieren wirst.
    Eigentlich hätte ich auch Lust dazu, bin aber gerade dabei, mir gründlich auf die Finger zu klopfen, nicht auf jede schöne Idee anzuspringen. Etwas, nee, sehr viel mehr Konzentration tut mir not.

    Gefällt 4 Personen

  3. Ha, du also doch auch, schön!
    Den Musa Dagh habe ich nie gelesen, ich kannte nur den Titel.
    Liebe Grüße
    Christiane 😉☕🍪👍

    Gefällt 1 Person

  4. gut finde ich, dass du dieses buch vorstellst.

    (in gewisser weise entscheidest du, ähnlich dem bild, das du oben ausführst, ja grad auch, welche bücher du im laufe dieser 30 tage hervorheben und ins bewusstsein der hier lesenden bringen willst …)

    lieben gruß,
    pega

    Gefällt 4 Personen

  5. Ich gestehe, dass es wohl die erste Challenge ist, die mich reizt. Aber wir wissen, dass wir weder Energie noch Zeit dafür haben. Hm, so ist das. Dafür freue ich mich sehr, diese Challenge hier bei dir zu lesen, liebe Myriade.
    Herzlich
    „Benita“

    Gefällt 1 Person

  6. Ich habe dies Buch vor sehr vielen Jahren gelesen, und wenn mir auch nur wenige Einzeleignisse in Erinnerung sind, so doch die Gesamtatmosphäre und meine innere Verstörung, als ich es las. Das armenische Schicksal ist eng mit dem des kleinasiatischen Griechentums verbunden. Was den Armeniern geschah, war der Vorbote dessen, was dann die Pontosgriechen (Schwarzmeergriechen) und schließlich das gesamte kleinasiatische Griechentum erlitten. Die in Griechenland lebende große armenische Minderheit ist voll integriert, da auch religiös verwandt.

    An den von dir zitierten Schreibanlass – die verstümmelten Waisenkinder in Damaskus Teppichfabriken – erinnerte ich mich noch genau. auch an die Zeitangabe, in der Werfel für das Buch recherchierte und es schrieb. Es ist ja eine Vorwegnahme des Schicksals des eigenen Volkes. Und so fühlte ich beim Lesen den grausamen Widerhall der „deutsch-türkischen Waffenbrüderschaft“, die ja im ersten Weltkrieg ausgerufen wurde und seither trotz allerlei Brüchen untergründig die deutsche Außenpolitik (auch in der Nazi-Zeit) bestimmt hat.
    Das Deutsche Kaiserreich war in die Ausrottung der Armenier verstrickt. Wer ein bisschen besser den Hintergrund der heutigen deutsch-türkischen Beziehungen verstehen will, sollte sich den historischen Hintergrund anschauen. zB hier, wo allerdings der aktive Anteil der Deutschen Reichsführung am Völkermord heruntergespielt wird. https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwjVhoPK4bPqAhU0aRUIHWHZA3QQFjAAegQIBRAB&url=https%3A%2F%2Fwww.bpb.de%2Finternationales%2Feuropa%2Ftuerkei%2F184966%2Ferster-weltkrieg&usg=AOvVaw2LJXiV3Eqc3RwVmu8KKg5B

    Gefällt 4 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s