la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Projekt X – Abwasser auf arabisch

9 Kommentare

Ich nehme eine der vielen hilfreichen Anregungen von Jutta Reichelt   auf und schreibe einfach einmal drauflos aber mit einem Fokus auf den längeren Text, den ich vorhabe, also auf mein Projekt X.

Das Ergebnis von ein paar Minuten schreiben und einmal durchlesen, gefällt mir gut. Natürlich habe ich aber das Beschriebene vor meinem inneren Auge und kann nicht wirklich beurteilen, ob sich für die Lesenden auch ein Bild herauskristallisiert.  

Der Ansatz „Stoff zu sammeln“ in Form von spontan geschriebenen Kurztexten wie dieser entspricht mir sehr. Es wird mir sehr viel Freude machen, zu verschiedenen Stichwörtern oder Bildern zu schreiben, wobei sich der Plot für das Ganze in recht rudimentärem Zustand in meinem Kopf befindet. Trotzdem werde ich wohl irgendwann so etwas wie einen Plan machen müssen, wie das Ganze dann zusammengefügt werden kann. Vielleicht kann es aber auch gar nicht zusammengefügt werden, oder ganz anders. Ich seh schon, ich bin wieder ganz inspiriert.

Vielen Dank an Jutta

Es regnet, es gießt, es schüttet, es waschelt, hemmungslos und ausgiebig. Es fließt, es tropft, es trommelt gegen Scheiben, es prallt das Wasser von Wänden ab, es tröpfelt von den Bäumen, es flutet die Kanalisation. In Wien nicht, da ist die Kanalisation ziemlich solid aufgestellt, aber in vielen Städten dieser Welt habe ich gesehen, wie ein starker Regenguss die Straßen in Bäche und Flüsse verwandelt auf denen Diverses schwimmt und schaukelt, manchmal in Strudeln untergeht, manchmal den Vorbeikommenden an die Beine klatscht oder gar ins Gesicht. Manchmal gurgelt es auch beängstigend unter einem Kanaldeckel und die Vorbeigehenden behalten die Sache im Auge, ob nicht plötzlich ein Schwall Wasser oder eine Gruppe tierischer Bewohner der Unterwelt den Deckel hebt und auf die Straße herausströmt

Diese schmale Straße in Lissabon zum Beispiel, die vom Lokalbahnhof Cais do Sodré zur Praça do Comercio führt. Bei Regen konnte man dort getrost die Schuhe ausziehen und die Hosen hochkrempeln, denn sogar wenn die Autos vorsichtig und rücksichtsvoll durchgefahren wären, was sie nicht taten, wäre man auf jeden Fall bis zu den Knien nass gewesen.Tatsächlich bretterten sie aber durch die tiefen Wasserlachen, so dass Fussgänger manchmal zu ausgiebigen Ganzkörperduschen kamen mit Wasser in Reinheit und  Qualität, wie sie eben durch die städtische Kanalisation floss, denn das Wasser kam nicht nur von oben sondern durch die Überlastung des Systems auch von unten, aus den tieferen Gefilden des Abwassersystems.

Sistema de esgoto heißt die Kanalisation auf portugiesisch, alcantarillado dagegen auf spanisch. Alcantara wiederum heißt das Lissabonner Viertel mit einer großen Brücke über den Tejo und es gibt einen Ort in der Algarve, der Alcantarilha heißt. Das sprachliche Erbe der Araber auf der iberischen Halbinsel ist umfangreich und vielfältig.

Kurz hat der Regen aufgehört, die Erde saugt das Wasser gierig ein, der Beton schüttelt es angewidert ab oder stellt sich leicht auf um das unangenehme Nass abwärts fließen zu lassen. Doch es fängt nochmals an zu regnen. Das Platschen und Spritzen geht weiter. Missmutige Schirme werden wieder aufgespannt, Kapuzen wieder hochgezogen, Gummistiefel mit Kindern darin hüpfen mit vollem Schwung in die Wasserlachen. Es breitet sich eine Mischung aus Belustigung und Resignation aus

Und wenn die Pflanzen in den Parkanlagen entspannt und fröhlich summen könnten, würden sie das sicher tun.

9 Kommentare zu “Projekt X – Abwasser auf arabisch

  1. Ich lese gerade ein Buch von Doris dörrie, wo es auch ums Schreiben geht. 10 Minuten täglich das was kommt. Aber täglich schaff ich nicht. Trotzdem, das was kommt ist spannend. Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

  2. Von oben nach unten, vom Allgemeinen zum speziellen Ort, von der Naturerscheinung zum Menschlichen, von den Fakten zum Konjunktiv: uns das alles in einer Linie durch einen Text. Klasse!
    Was du hier aus einem Regenguss machst, nein zwei sind es ja, finde ich umwerfend.
    Die Idee der Schreibmethode finde ich reizvoll, ich hätte nur Sorge, eines Tages den Überblick zu verlieren und niemals ein schlüssiges ‚Gesamtwerk‘ zustande zu bringen. Meine Vorgehensweise (spätesten nach einem Dutzend solcher Details) wäre eher eine Kombination: zuerst ein grobes Gerüst, das ich allmählich mit solchen Inseln anfüttere, die aber nach Möglichkeit schon – wenigsten ungefähr – am passenden Platz stehen. Mit Umbauten muss man bei jedem Vorgehen noch rechnen.
    Aber vielleicht käme auch dabei ein Totalchaos heraus, und Karteikasten wäre doch besser – es muss ja nicht der von Luhmann sein 😉.

    Gefällt 1 Person

  3. Ganz wundervoll, was Du in einigen Minuten Schreiben hier zeigst.

    Ich erinnere mich ans Aufsatzschreiben damals – vor zig Jahren – in der Volksschule.
    Zuerst eine Stoffsammlung, bestehend aus Stichwörten, die uns zum Text einfielen und dann erst konnten/durften wir loslegen. Einleitung Hauptteil Schluß
    Das waren die Grundvoraussetzungen.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s