Samstag 23.5.20 – Präsenz und Idylle

Ich weiß nicht recht, wie ich die zwei letzten Tage nennen soll. „Schulisch überaktiv“, „Fernlernphase abschließend“, „Seit zwei Monaten inaktive Schüler*innen mit der Verkündung negativer Noten unangenehm aus dem Dornröschenschlaf reißen“. Jedenfalls sitze ich seit 48 Stunden praktisch ununterbrochen vor dem Computer. Es ist alles recht mühsam, weil ich wegen des Datenschutzes  jede Schülerin und jeden Schüler einzeln und privat verständigen und allen vor Beginn der Präsenzphase am 3.6. ihren derzeitigen Notenstand verkünden muss. Die Grundlagen für die Benotung des Fernunterrichts sind eine Kombination aus Vorurteilen, Illusionen und Wunschträumen. Bei den „Normalschüler*innen“ hat ja alles recht gut funktioniert, bei den Abendschülern eben noch ein bisschen schlechter als sonst. Viele sind zwei Monate lang einfach abgetaucht. Ob das an Problemen mit der Kommunikationstechnik, an mangelnden Fähigkeiten zur Selbstorganisation oder schlicht an Faulheit liegt, sei dahingestellt. Insgesamt war es eine interessante Erfahrung zum Abschluss meines Schulalltags.

Ich habe lange überlegt, ob ich mich als zur Risikogruppe gehörig deklarieren soll und habe mich nun dagegen entschlossen. Wahrscheinlich würde ich es nachträglich bedauern, meine Schulzeit ausklingen zu lassen in Risiko und möglicher Krankheit und Zurückgezogenheit auf Kosten der Kollegenschaft, die mich dann vertreten müsste. Ich werde also die ohnehin nur vier Wochen dauernde Präsenzunterrichtphase mitmachen und dann verhältnismäßig normal in den Sommerurlaub gleiten. Obwohl mich die häusliche Idylle langsam etwas kribbelig macht. Ja, leider ertrage ich Idyllen nie sehr lange …

13 Gedanken zu “Samstag 23.5.20 – Präsenz und Idylle

  1. Wir dürfen den Fernunterricht per Erlass vom Kultusministerium gar nicht benoten, obwohl die Kinder sich stundenlang dafür die vier Buchstaben plattdrücken. Finde ich auch keine gute Lösung.

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    1. Ich komme langsam zu der Erkenntnis, dass es – so wie die Sache gelaufen ist – keine sinnvolle Lösung gibt. Ich weiß nicht, wie das in D ist, aber bei uns sind wir völlig unvorbereitet in die Situation hineingestolpert. Es ist eigentlich beschämend, wenn man sich ansieht, wie professionell und für alle Beteiligten zufriedenstellend die gleiche Situation zB in Finnland gemeistert wird

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    1. Das ist DIE Frage überhaupt ! Ich finde auch, dass die Benotung – zumindest in der Form, in der wir sie praktizieren – wenig bis gar keinen Sinn macht. Man versucht halt zu vermeiden, dass Schüler*innen einen Abschluss nicht machen können, nicht in eine andere Schulform übertreten können etc. Die Lösung ist aber ziemlich schlecht. Ich verfolge mit Bewunderung den Blog einer Mutter von drei Schulkindern in Finnland. Die sind dort auf möglichen Fernunterricht eingestellt und das funktioniert offenbar hervorragend und ganz ohne Aufregung.

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