Dienstag 12. Mai 2020

Seit über acht Wochen habe ich den Ort nicht mehr betreten. Das ist so lange her wie Sommerferien dauern. Im Eingangsbereich sind mehrere Tische zusammengestellt wie zu einem Buffet, nur stehen dort ausschließlich Flaschen mit Desinfektionsmittel und auf der verbleibenden freien Fläche sonnt sich eine Liste zum Ein- und Austragen der im Haus anwesenden Personen. Die Aufsicht über diese Schleuse führt der Portier, der einen größeren Vorrat an Zigaretten vor sich aufgetürmt hat und sehnsüchtig nach der Straße schielt, wo er sie rauchen könnte.

Im Lehrerzimmer liegen die Drehsessel mit der Sitzfläche auf den Tischen, dazwischen steht noch das Foto der kürzlich verstorbenen Kollegin. Ich reiße das Fenster auf und fahre einen Computer hoch. Wozu eigentlich, ich brauche ihn ja gar nicht. Einige Prüfungskandidaten stehen schon vor der Tür, brav maskiert, die meisten mit Masken in Fantasiedesigns. Ich bin überzeugt, dass der Nasen-Mundschutz in kürzester Zeit zum modischen Accessoire werden wird. Ein Kollege behauptet, dass die Fpp2-Masken viel angenehmer zu tragen sind, als die aus dem Supermarkt. Später, auf dem Heimweg habe ich mir welche besorgt und tatsächlich. Man bekommt nicht mehr und nicht weniger Luft als bei den anderen, sie sitzen aber besser und verrutschen nicht ständig wodurch man besser sieht und der Schutz ist vielleicht auch eine Spur besser.

Die Bücherregale sehen genauso schief und chaotisch aus wie am 13. März. In einem Regal liegt das Staberl der toten Kollegin, mit dem sie die an den Decken der Klassen befestigten Beamer ein- und ausgeschaltet hat, anstatt – wie wir anderen alle –  die größten Schüler damit zu beauftragen. Meistens sind auch die größten Schüler nicht groß genug und müssen noch auf einen Sessel oder gar einen Tisch steigen, und das erschien ihr gefährlich. Ach, Monica…

Wir sind uns alle nicht sicher, ob wir wie sonst üblich die Prüfungen schriftlich und mündlich abhalten sollen/müssen/dürfen. Die ministeriellen Erlässe zeichnen sich nicht so sehr durch Klarheit als vielmehr durch Länge aus, ohne aber alle Möglichkeiten zu berücksichtigen. Ein Prüfungskandidat hat ein Papierröllchen bedeckt mit einer winzigen Schrift in einen Kugelschreiber gepackt. Im Normalfall, hätte man die Arbeit für ungültig erklärt und er dürfte/müsste zum nächsten Termin nochmals antreten. Aber in Corona-Zeiten ist  die Arbeit nur negativ.

Die Öffis waren nicht annähernd so leer wie vor ein paar Wochen, aber akzeptabel. Wie sich die Situation entwickeln wird, wenn ab nächstem Montag die Kinder aus Volksschulen und Unterstufen wieder unterwegs sind, wird man sehen.

9 Gedanken zu “Dienstag 12. Mai 2020

        1. Nein, es werden Klassen geteilt, Stundenpläne verändert und, und, was genau weiß man noch nicht. Wir beginnen (weil Oberstufe) erst am 3. Juni. Bis dahin kann noch viel beschlossen werden

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  1. Es war eine lange Zeit zuhause. Da scheint der Unterricht in den alten Räumen wie ein totaler Neubeginn.
    Ein wenig gespenstisch könnte Dein Eindruck gewesen sein… Ein verlassener Ort und nun kommt man zurück an diesen wie toten Ort, den nur die Lehrer und Schüler belebten.

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