Nie wieder ! – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei  Christiane

Diesmal stammen die Wörter von Olpo Olponator 

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Da war ich nun in Bratislava und haderte mit mir selbst. Was um alles in der Welt hatte mich dazu gebracht mit diesem Horrorpaar einen Tagesausflug zu machen. Sylvia und Harald, berüchtigt für ihre immer und überall kultivierten Konflikte. Ihre Zusammenlebensphilosophie rankte sich rund um das kategorische Gebot alles miteinander zu teilen, Ansichten, Aktivitäten, jeden Schritt machten sie gemeinsam, wenn auch eigentlich jeder in eine andere Richtung wollte und sie einander ständig darauf hinwiesen, dass sie „nur wegen dir“ und „du wolltest ja unbedingt“ und „eigentlich wäre ich….“ und so weiter und so fort, ununterbrochen.

Ich fühlte mich völlig ignoriert. Das mag ich gar nicht.

Wir sahen vom Stadthügel auf Bratislava hinunter und auf die Donau bis in die Hainburger Au. „Statt mit diesem blöden Touristenzug zu fahren, hätten wir ……“ „und wozu du diesen scheußlichen Schirm gekauft hast ..“  Wir bummelten durch die Altstadt „das sieht genauso aus wie in Wien“ „Ah ja, du verstehst ja plötzlich was von Architektur“ 

Er dozierte großspurig über Sehenswürdigkeiten, Geschichte, Politik. Sie trieb einen spitzen Finger in jedes Detail, das sie für unrichtig hielt. Keine Minute wurden die Kampfeshandlungen unterbrochen. Wir gingen in ein Restaurant, da wurde es erst so richtig schlimm. Jedes Gericht auf der Karte wurde zerpflückt. Er wusste genau, welche Gewürze für dies und das verwendet würden, sie kam aus dem Hohnlachen nicht heraus und wusste es besser. „An deiner Stelle wäre ich vorsichtiger mit meinen unqualifizierten Äußerungen“ „Immerhin muss ich nicht ein brandneues berufliches Fiasko totschweigen“. „Wir nehmen die Spinattascherln !“ „Ach so, hast du das gerade beschlossen!“ Auf die Idee, dass jeder ein eigenes Gericht aussuchen könnte, kamen sie gar nicht.

Ein grauenhafter Tag. Nie wieder, schwor ich mir. Nur schnell auf den Katamaran*) und nachhause. Ha, dort war ein einzelner freier Platz mit vielen Leute rundherum. Ich stürzte mich darauf. 

300 Wörter

 

*) Zwischen Wien und Bratislava verkehrt auf der Donau ein „City Liner“ genannter Katamaran.

39 Gedanken zu “Nie wieder ! – ABC-Etüden

        1. Hihi, ich vermute sie sieht das ganz genauso.
          Es gibt übrigens ein Vorbild für das beschriebene Paar. Jeden für sich mag ich, aber gemeinsam sind sie ein Graus und nachdem sie fast immer gemeinsam anzutreffen sind.
          Ich hatte auch einmal eine Beziehung in der meine und seine Neurosen so hervorragend zusammengepasst haben, dass wir eine wahre Hölle erzeugt haben. Bei meinem aktuellen Partner funktioniert das nicht, da laufen die neurotischen Ansätze des jeweils anderen ins Leere. Wunderbar ist das !!

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          1. Na klar sieht sie das genau so – das ist ja das Problem. Aber SIE hat ja immer … 😉
            Man kann deine Etüde mehr genießen, wenn man sowas schon SELBST erlebt und sich pausenlos gewundert hat, wie so etwas möglich ist … 😉
            Aber das kennst du eben auch und: Glückwunsch – wahrscheinlich passiert das nur einmal im Leben, bloß die Dauer ist unterschiedlich…

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            1. Ich denke auch, dass einem das nur einmal passiert. Zumindest würde man beim zweiten Mal gleich merken, was da abläuft.
              Gehen wir optimistisch davon aus, dass weder dir noch mir nochmal so eine Art Beziehung passiert.

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              1. Davon dürfen wir wohl beide ausgehen und soweit ich auf deinen Seiten schon früher mal gelesen habe, einmal stand da ein Name, einmal bloß ein Anfangsbuchstabe, beide Male hielt ich die Mitteilungen für episodisch aktuell und für keine Fiktion, bist du nicht mehr in Muster abgerutscht, welche dir nicht guttun. Es geht offenbar auch um Zulassen bei halbwegs intelligenten, autarken Persönlichkeiten als die eigene Wahrnehmung suggeriert und ich frage mich noch immer, worin die Faszination liegt, das auszukosten, was man auf den Tod nicht ausstehen kann.
                Leben ist eine seltsame Angelegenheit. Aber wer weiß schon, ob es im Tod besser ist 😉

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                1. Es ist teuflisch: die gewohnten Muster, auch wenn man sie richtig hasst, verschwinden ja nicht so einfach, und zu allem Überfluss kann man sie sogar vermissen. Wie du sagst: es gibt ja eine Faszination dabei, sonst hätte man sich das wohl erst gar nicht angetan. Mein jetziger Partner ist zum Glück völlig anders gestrickt und mein gelegentliches Zurückfallen in alte Muster erzeugt bei ihm keine Reaktion. Das ist großartig. Ich wünsche dir Ähnliches.
                  Ziemlich sicher bin ich mir, dass man im Tod andere Probleme hat. Ob die allerdings besser sind 😉

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                  1. Danke für deine guten Wünsche, ich freue mich (mit), daß deine Wahl nun eine glückliche ist ! Ich werde ganz bestimmt nicht in alte Schemata zurückfallen. Tatsächlich ist es so, daß meine selbstironische Bemerkung „Aber SIE hat…“ auch ein wenig Wahrheit enthielt: jahrelang habe ich versucht, auch durch Nichteinklinkenlassen ;), den vorhersagbaren Ablauf aufzubrechen – das kann jedoch bloß in gemeinsamer Anstrengung funktionieren … 😉 Nie wieder ! ist daher ein Motto, von dem ich glaube, ich muß mich dazu nicht zwingen oder es mir in Erinnerung rufen, es ist omnipräsent. Hoffe ich … 😉

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  1. Ach du lieber Himmel, wie anstrengend für alle Beteiligten. Ich kenne Leute (vom Hörensagen), die so was über 50 Jahre durchhalten und sich dabei heiß und innig lieben. Angeblich 😉
    Ich habs noch nie verstanden (wenn man mal von einem gewissen Hang zum Widerspruch absieht). Ziemlich grässlich, deine Vorstellung des liebenden Paares.
    Hier gibt es einen Katamaran nach Helgoland, ich kann mir das nach Bratislava also vorstellen, dass es richtig Spaß macht. Danke dir!
    Liebe Grüße
    Christiane, wieder mal verspätet 😀

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  2. Man kann vieles „Liebe“ nennen, was damit nicht das geringste zu tun hat. Ganz schlimm ist es, wenn beide einander kaum mehr ertragen, aber so abhängig sind, dass sie sich auch nicht trennen können …
    Prinzipiell ist die Flussstrecke zwischen Wien und Bratislava sehr schön. Es kommt auf die Gesellschaft an. Nicht nur giftende Paare, auch saufende Gesellschaften jeder Art können recht anstrengend sein.
    Den Katamaran nach Helgoland werde ich schon noch besteigen, bis erst das Schuljahr zu Ende und die Grenzen wieder offen sind ….

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  3. Oh Gott, das klingt ja genauso grausam wie anstrengend. Ich habe im Restaurant mal ein paar am Nebentisch verfolgt, die haben sich tatsächlich 2 Stunden überhaupt gar nichts gesagt. Auch wenn ich jetzt spontan nicht wüsste was besser ist 😉

    VG, René

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    1. Da weiß man wirklich nicht, was schlimmer ist. Es gibt sehr viele Paare, die sich – zumindest im öffentlichen Raum – nichts (mehr) zu sagen haben. Es gibt ja auch ein entspanntes, intimes gemeinsames Schweigen, aber das ist was anderes.

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    2. Also das mit dem gar nichts sagen können mein Mann und ich auch. Vermutlich denken viele Leute, wenn sie uns im Restaurant beobachten, wir würden gerade unsere erfolgreiche Scheidung begießen…
      Dabei nehmen wir jeder für sich die Atmosphäre um uns herum auf und dann passiert es häufig, dass uns beiden im selben Moment dasselbe einfällt, was wir sagen wollen.
      Das Paar in Bratislava wäre der blanke Horror für mich! Aber beim Lesen entsteht sowas wie die Faszination des Grauens🤣.

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      1. Das denke ich auch mit dem Paar in Bratislava. Schlimm 🙂

        Ich möchte mal meinen, dass wenn man dich und deinen Mann sehen würde, würde man nicht diesen Eindruck bekommen, dass ihr euch einfach nichts zu sagen habt. Weil das wäre ja eben nicht der Fall, und ich behaupte, dass man sowas sieht 🙂

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  4. oh oh, mit solchen Leute einen ganzen Tsg zusammensein zu müssen, das stelle ich mich echt nervtötend vor.
    Würde ich nicht aushalten, liebe Myriade, abet toll beschrieben, sehr glaubhaft

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