Mittwoch 29.April 20

Ich habe ein Bild von einem weitläufigen Sandstrand vor Augen. Immer mehr Luftblasen steigen auf, immer mehr Augen oder Tentakel oder sonstige Körperteile erscheinen vorsichtig. Die Vergrabenen kommen langsam wieder ans Licht. Die meisten greifen zunächst zum Telefon. Es werden wieder Termine vereinbart, persönliche Termine, keine Videokonferenzen. Ich habe nächste Woche schon zwei Termine, einer davon ist die Zahnärztin, aber sogar darauf freue ich mich. Es hat schon direkt etwas Abenteuerliches bekommen, in einen Bus zu steigen, irgendwo hinzufahren und dort Menschen zu treffen und seien es die Zahnärztin und ihre Assistentinnen. Persönliche Begegnungen welcher Art auch immer werden höchst wertvoll. Das ist immerhin ein positiver Effekt. Für die Wirtschaft ist es eher katastrophal, wenn die Kunden so vereinzelt auftauchen, dass man Gelegenheit hat, jeden besonders wertzuschätzen.

Zu den allerunflexibelsten Berufsgruppen, zu jenen, die völlig außerstande sind, neue Gegebenheiten in ihr berufliches Weltbild einzubauen, gehören die Leute von den Wetterberichten. Das jubilierende Tremolo in der Stimme, wenn „viel Sonne und hohe Temperaturen“ angekündigt werden, kann offenbar nicht abgestellt werden. Egal in welcher Jahreszeit wir uns befinden, egal wie bedrohlich die Trockenheit, wie schädlich die sommerlichen Temperaturen im April. Wenn alle bei fünfzig Grad im Schatten nach Wasser japsen, wird immer noch „wieder ein sonniger, wolkenloser Tag“ gejubelt werden. Nun ja, weder die Tonalität der Wetterberichte noch der Ärger darüber, ändert irgendetwas an der Trockenheit.

20 Gedanken zu “Mittwoch 29.April 20

  1. Liebe Myriade,
    Oh wie können wir das nachvollziehen mit der Wettermoderation. Es stört uns auch so sehr. ….. Wir waren ja Ende März bei unserer Zahnärztin und hatten uns auch tatsächlich das erste Mal gefreut über diesen Termin. Aber sie hat nichts getan, weil Corina und eine Brücke her muss. Und wer weiß wie die Zahntechniker arbeiten, meinte sie. ….. Das kommt jetzt auf uns zu. ….. Öffis fahren war damals allerdings viel angenehmer, als wir es uns jetzt vorstellen. Ich glaube, wir werden in nächster Zeit viel zu Fuß gehen! Überfüllte U-Bahnen machen uns eher unangenehme als abenteuerliche Gefühle. Aber wir hatten schon genug Abenteuer in unserem Leben. Unser Bedarf ist einfach gedeckt. Allerdings gefällt uns dein Zugang, es als Abenteuer zu sehen. …..
    Herzliche Grüße
    „Benita“

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    1. Zurück zur U-Bahn habe ich für nächste Woche geplant. Ich hoffe, dass es noch nicht so voll ist außerhalb der Stoßzeiten und bevor der Schulbetrieb wieder beginnt. Zu Fuß gehen, ist prinzipiell sicher gescheiter, da haben die Baby-Elefanten mehr Platz 🙂

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  2. Das Tragen des Mundschutzes und das bewusste Abstandhalten vermitteln zusätzlich das Bewusstsein, dass es außergewöhnlich ist, andere Menschen zu treffen, finde ich. Solange das nicht Gewohnheit ist, wird eine Selbstverständlichkeit wie früher nicht aufkommen – und ob ich mich je daran gewöhnen werde?

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  3. Heute fuhr ich über fast menschenleere Straßen. So habe ich es seit Jahrzehnten nicht erlebt. Entspanntes Fahren war mir so lange nicht mehr möglich. Viel zu viel Verkehr, Auto hinter Auto und heute, entspanntes Fahren … Ein positiver Effekt, wenigstens einer.

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