la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Morbus Alzheimer – ABC-Etüde

23 Kommentare

Die ABC-Etüden

Wie immer bei  Christiane

Diesmal kommen die Wörter von Ludwig Zeidler

Die 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

Ich kann mir selbst nicht verzeihen, dass ich nur mehr so schlecht funktioniere. Wie eine hoffnungslos chaotische Rumpelkammer kommt mir mein Kopf vor und wenn ich etwas beinahe fassen kann, wenn ein Gedanke fast greifbar wird, fliegt der aufgeschreckte Vogel davon. Fragmente, die ich nicht mehr zusammenfügen und weder in der Zeit noch im Kontext verankern kann. Von Erinnerungen kann man nur zehren wenn man sie zuordnen kann, wenn sie nicht wie Schatten über eine leere Bühne flimmern. 

Ich sehe Dinge und andere sagen mir, dass es das, was ich sehe gar nicht gibt oder nicht so gibt, wie ich es sehe. Ich höre und verstehe nicht immer, was gesagt wird. Oft macht mich das aggressiv oder ich muss mich bewegen, in einer Endlosschleife um den Tisch, zum Fenster und wieder zurück. Dann sind wieder andere Leute da und ich erinnere mich nicht an ihr Kommen und Gehen.

Sie erzählen mir von Ereignissen, aber ich erinnere mich nicht daran. Ich will sie ja nicht enttäuschen, aber ich weiß ja auch nicht, ob es überhaupt wahr ist und wer die Leute überhaupt sind. Es liegt alles hinter einem Nebel, der sich immer seltener lichtet. Die Welt ist so unberechenbar und unsicher geworden, so unverständlich beängstigend. Wie soll ich leben, wenn um mich und in mir nur lose Fäden flattern, die ich nicht verbinden kann, die nicht zusammenpassen, die mich verhöhnen mit ihren Informationen, die ich nicht mehr erschließen kann.

Mutvoll gehe ich jetzt in Richtung Ufer und  hoffe, dass ich mich werde erinnern können, was ich dort wollte.

23 Kommentare zu “Morbus Alzheimer – ABC-Etüde

  1. Sehr authentisch, als wüsstest du wie es wäre.

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  2. Ja, so könnte es sein, was da so in einem Kopf eines,Alzheimer Patirnten vor geht – unglaublich dicht und berührend geschrieben- und erschreckend und traurig und furchtbar (aber das ist diese Krankheit ja an sich schon).

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  3. Oh je … ja, so stelle ich es mir auch vor, wenn ich im Gehirn dicke Suppe hätte … ziemlich grässlich.
    Liebe Grüße
    Christiane 😁☕🍪🌞👍

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  4. Ist das der Preis für ein langes Leben?

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  5. eindrucksvoll. Ja, so wird es sein. wenn sich gedanklich keine Strukturen mehr bilden lassen, wenn Zuordnungen nicht mehr gelingen und der Faden der Erinnerung zerbröselt. Da bleibt dann nur noch unser fahriges Gefühlsleben, „ohne Sinn und Verstand“. Ein Alptraum.

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  6. So oder so ähnlich könnte es sein. Fäden-fahriges Flattern um…was?

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  7. Sehr traurig und unheimlich. Etwas das jeden treffen, kann; Leute die man liebt, einen selbst…Auf jeden Fall sehr nah beschrieben.

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  8. Als würde es jemand schreiben, der es aus eigener Anschauung kennt und es klingt so traurig, so schrecklich traurig, wie ein gut funktionierendes Gehirn sich verändern kann. Möge es uns allen nicht passieren.

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