Montag 23. März 2020

Ich kann dem Verlegen des Lebens ins Virtuelle nichts abgewinnen. Als haptischer Mensch nervt es mich gewaltig ständig einen Bildschirm und eine Tastatur zwischen mir und der Welt zu haben. Meine Studierenden erweisen sich auch als wesentlich fleißiger als ich gedacht hätte und schicken viele Seiten an Übungen zum Kommentieren und Beurteilen und so verbringe ich insgesamt sehr viel mehr Zeit vor dem Computer als sonst. Mir kommt vor, dass mir diese Zeit zum Leben fehlt. Aber ich werde das Jammern gleich wieder einstellen, schließlich bin ich in der privilegierten Situation bequem zuhause arbeiten zu können, an einem mehr als gesicherten Arbeitsplatz. Bequem ist es wohl, aber der Kontakt mit Menschen hat schon eine andere Qualität als die Kommunikation über elektronische Medien oder gar die Kommunikation mit elektronischen Medien.

16 Gedanken zu “Montag 23. März 2020

  1. Ganz meine Meinung. Ich kann auch einem Telefongespräch wenig abgewinnen, deshalb fahre ich immer hin zu den Leuten. Aber jetzt bin ich froh, daß sie wenigstens alle Telefon haben, und auch daß ich vielen wenigstens über eine Videobotschaft was sagen kann.

    Gefällt 4 Personen

  2. Da die Menschen so verschieden sind, fällt es ihnen wohl auch unterschiedlich schwer, sich mit dieser Situation zu arrangieren.
    Ich wünsche dir, dass du dich daran gewöhnst mit der Zeit, denn ändern lässt sich im Moment nichts außer unserer Einstellung.

    Gefällt 3 Personen

  3. Wohl wahr, Myriade! die sensual deprivation, unter der Gefangene leiden, wird auch uns heimsuchen. Bei Alten wie mir, die man ja angeblich retten will (wieso rettet man nicht lieber die Kleinkinder Afrikas vorm Hunger?) führt diese Deprivation zu Stumpfsinn. Ich bin freilich eine Ausnahme, weil mir der Computer schon geläufig ist. Aber der reale Menschenkontakt ist für jeden Menschen eine Notwendigkeit.

    Gefällt 3 Personen

    1. Na ja, sensual deprivation ist schon unendlich schlimmer als bequem in der eigenen Wohnung festzusitzen, sogar wenn es keine Ausgangsmöglichkeiten gäbe. Aber der Zeitfaktor macht mir Sorge, ob aus den vier Wochen nicht noch ordentlich mehr werden …

      Gefällt 2 Personen

  4. In Isolation fühlen wir uns alle nicht wohl und wenn man dann noch darin rbeiten muß und der menschliche Kontakt total fehlt, dann ist es tatächlich so, daß der Stumpfsinn seine Zeit gekommen sieht ..
    Spaziergänge im Wald oder durch Wiesen helfen da sehr.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s