Sonntag 8.März 2020 – Kefir und Blasen

Neues von der Kefir-Front. Zuerst habe ich ihn nur etwa 20 Stunden werken lassen. Dabei ist ein Getränk herausgekommen, das ziemlich neutral geschmeckt hat. Ich ließ ihn dann insgesamt 36 Stunden arbeiten und bekam ein immer noch flüssiges Produkt, das mir wider Erwarten wirklich gut geschmeckt hat, mit Himbeeren und Birnen, so eine Art gesünderes Fruchtjoghurt. Nach etwa 50 Stunden hatte er eine sehr dickflüssige Konsistenz bekommen. Man konnte ihn noch gut abseihen und – welch angenehme Überraschung – er hat mir gut geschmeckt, ohne irgendwas dazu. Ein voller Erfolg also. Ich hatte aus Kinderzeiten den Kefir als ganz grauslich schmeckend in Erinnerung. Immer erfreulich, wenn sich negative Erinnerungen ins Positive umkehren.

Der F steht dem Kefir skeptisch gegenüber und hält sich lieber an industrielle Yoghurts. Er meinte, er hätte noch nie eine Langzeitbeziehung mit einem Pilz gehabt. Nun ja, tatsächlich ist die Frage, die ich noch nicht geklärt habe, was mit dem Kefir passiert, wenn er wochenlang allein bleibt. Lässt man ihn dann vor sich hin arbeiten und Alko-Yoghurt erzeugen? Lässt man ihn ohne Milch stehen? Kann man ihn vielleicht einfrieren? Braucht man einen Kefir-Sitter?? Derzeit bin ich nicht besonders reisefreudig. Die Vorstellung irgendwo in der Welt in einem Hotel unter Quarantäne gestellt zu werden, finde ich nicht besonders verlockend. Ob nun krank oder nicht. Eine Freundin, die ich am Samstag getroffen habe, ist gestern nach Madeira geflogen. Hoffentlich kann sie zur geplanten Zeit zurückkommen.

In letzter Zeit fällt mir immer wieder auf, wie sehr auch die Blogs in Blasen organisiert sind. Vielleicht nicht ganz so extrem wie andere Social Media und Meinungsblasen in der wahren Welt. Aber auch hier gibt es zu vielen Themen feststehende Meinungen über die sich die üblichen Kommentator*innen eines Blogs einig sind, die überhaupt nie in Frage gestellt werden. Blasenhoppen ist also angesagt.

18 Gedanken zu “Sonntag 8.März 2020 – Kefir und Blasen

    1. Ich meine, dass in Bloghausen genau die gleiche Tendenz herrscht wie überall anders. In einer Blase versammeln sich Menschen ähnlicher Meinungen und Gesinnungen, die sich gegenseitig bestätigen, dass ihre Meinungen ewige Wahrheiten sind und alle anderen Meinungen und Zugänge ausblenden. Ich finde das weltweit ziemlich beängstigend..
      Wie schön du hast einen Kefir im Bekanntenkreis 🙃 wird er mit oder ohne Milch in den Urlaub im Kühlschrank geschickt? Und wie lange hält er das durch?

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      1. Oh no, Missverständnis: es ist ein Wasserkefir.
        Zum ersten … ich stimme dir im Großen und Ganzen zu, aber ewige Wahrheiten nehme ich nicht wahr, ich lese auch hier und dort die Bereitschaft sich anderen Meinungen gegenüber zu öffnen.
        Wahrheit ist ja eh noch einmal so eine Sache für sich.

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        1. Ja, man kann die Blasen auch nicht verallgemeinern, es wird schon auch in den Blasen etliche Menschen geben, die sich anderen Meinungen öffnen bzw kritisch denken wollen, aber der Trend ist das leider nicht.

          Oh, Wasserkefir gibt es auch. Danke für´s Nachfragen. Wie ich lese, produziert er ein kohlensäurehaltiges Getränk. Das ist nichts für mich, ich mag keine Kohlensäure

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          1. Noe bizzelig war der nich… aber erfrischend lecker.
            Um ehrlich zu sein finde ich es durchaus wohltuend, wenn ich mich nicht ständig auseinandersetzen muss. Für mich gilt immer noch, dass Bloghausen Inspiration und Nachdenkwellen bereit hält.

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  1. als ich noch Milch trank, hatte ich auch einen Kefirpilz – das habe ich noch in leckerer Erinnerung.
    Nachdem ich das bei Dir so lese, bekomme ich wieder Appetit. Muss mir mal wieder einen Pilz besorgen und probieren, wie gut das Ergebnis mit Hafer“milch“ wird.
    Weiter gutes Kefirgelingen.

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  2. Ich bilde mir ein, ein Blasenhopper zu sein und gern auch mal in Fettnäpfchen zu treten. . Aber das weißt du ja.
    Kefir braucht einen Kefirsitter, richtig. Er mag nicht gern längere Zeit allein sein, dann stirbt er. Mir ist so mancher geschenkte Kefirpilz eingegangen. Nun habe ich schon lange keinen mehr. Hier gibt es so leckere Ziegen- und Schafsmilchjoghurte, viele aus Kleinbetrieben, da brauche ich mich nicht selbst zu bemühen.

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    1. Ja , ich habe dich schon öfter in anderen Blasen vorbeischwimmen gesehen 🙂 Was die Fettnäpfchen betrifft, so gibt es ja die Methode so intensiv darin herumzuhüpfen, dass das Fett herausspritzt und das Näpfchen dann völlig leer ist, bereit für neue Inhalte. Die Idee gefällt mir gut, ebenso wie die Vorstellung, dass Ärger verkrustete Strukturen aufbrechen kann und man dann gar keinen Grund mehr sieht, sich zu ärgern.

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  3. Wegen der Meinungsblasen:
    Warum sollte man auch noch online seine knappe Zeit dazu aufwenden, sich mit Vertretern anderer Meinungen herumzustreiten, ohne dass dabei am Ende irgendetwas herumkommt – außer dass die Zeit weg ist?

    Früher habe ich sehr viel online mit Menschen diskutiert, die bei etwas anderer Ansicht waren, aber nur in den allerseltensten Fällen ist daraus ein fruchtbarer Austausch entstanden.
    Meistens lief es darauf hinaus, ziemlich bald persönlich beschimpft zu werden. Warum soll man sich das geben?

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    1. Ja, das verstehe ich. Ich selbst bin auch kein Fan von Diskussionen in Kommentarspalten, wegen der Verkürzung der Inhalte und den vielen, vielen Missverständnissen. Leider ist aber ein fruchtbarer Austausch auch im Gespräch nur sehr selten.
      Mein Punkt ist, dass es mir leid tut, dass zwischen Vertretern verschiedener Meinungen nicht zivilisiert und ohne Einsatz persönlicher Beschimpfungen diskutiert wird, wo auch immer. Dabei könnten alle Beteiligten ihren Horizont erweitern. Tatsächlich wird aber sehr oft entweder gestritten oder gelobhudelt oder gelogen …

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  4. Ein wenig hängt diese Blasenharmonie auch damit zusammen, dass sich Gedankenaustausch üblicherweise an einem Beitrag, sei es Foto oder Text, aufhängt, meine ich. Die Neigung, sehr freundlich-persönlich auf den Beitrag zu reagieren, verhindert tendenziell eine sachbezogene Auseinandersetzung, die beim Äußern von Kritik oder Un-/Andersverständnis der Sache entstehen könnte. Das tun aber die meisten Gäste nicht, bei Missfallen enthalten sie sich eher eines Bezugs auf den Beitrag, sondern ergehen sich in eher allgemeinen Freundlichkeiten – was ja auch nett gemeint ist, aber genau Dein Blasenempfinden nährt.

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    1. Ja, genauso ist es. Und manchmal bereitet mir das ein gewisses Unbehagen, Freundlichkeit ist ja natürlich eine sehr positive Verhaltensweise, nur, Lob und Zudtimmung zu allem und jedem ist halt wie der Clubzwang im Parlament. Manchmal ist es aber auch recht amüsant mitzulesen, wie jemand sich im Bemühen allen zuzustimmen n unentwirrbare Widersprüche verwickelt

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