la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Das ist eigentlich ein Kommentar …

11 Kommentare

… zu dem Beitrag von Rainer Hartwich . Nachdem es wahrscheinlich etwas länger wird und das Getippsel in der Kommentarspalte mühsam ist, mache ich einen Beitrag daraus.

Im Normalfall führe ich auf dem Blog keine politischen Debatten, weil ich es sinnlos finde in dieser Form irgendetwas besprechen zu wollen und gar Themen bei denen das Missverständnis eher die Regel als die Ausnahme ist. Nachdem ich aber heute ohnehin schon am Blogdiskutieren bin, mache ich hier gleich weiter. Ich beziehe mich also auf den oben verlinkten Beitrag ohne aber auf jeden Punkt direkt einzugehen.

Sehr beeindruckt hat mich die Schilderung dieses Erlebnisses in der Schule, während der DDR-Zeit. Wer selbst nicht in einer Diktatur aufzuwachsen ist, kann sich kaum vorstellen wie es ist, mit permanenter Gehirnwäsche zu leben. Ich kann nachvollziehen, dass der hier geschilderte Vorfall das ganze Leben beeinflussen kann. Und es wird wohl kein Einzelfall gewesen sein. Tatsächlich erklären sich mir viele Dinge, die ich im Zusammenhang mit in der DDR aufgewachsenen Menschen oft nicht wirklich verstehen kann.

Aber auch von jemandem, der selbst Gehirnwäsche, Einschränkungen und Demütigungen erleiden musste, finde ich es dennoch unfair, allen Menschen zu unterstellen, dass sie sich wenn sie sich für ihre Überzeugungen einsetzen wie die Mitläufer der Nazis verhalten, weil es angeblich nicht sein kann, dass es Menschen gibt, die tatsächlich eigene Meinungen und Überzeugungen haben und dafür einstehen. Unabhängig davon, ob andere Gleichgesinnte gerade an der Macht sind. Ich weiß schon, dass es in der DDR keinerlei Aufarbeitung der Nazizeit gegeben hat, trotzdem …

Bei aller Relativierung von Meinungen, bei aller Vielfalt und Denkfreiheit ziehe ich bei der Nazi-Ideologie eine Grenze. Ich halte es für nicht gerechtfertigt, an einem  System, das Millionen Menschen auf allen Seiten ermordet hat, direkt oder indirekt und einen Krieg vom Zaum gebrochen hat, der mehr als halb Europa in Schutt und Asche gelegt hat, irgendetwas Positives zu finden.

Mitläufer zu verurteilen ist eine andere Frage. War man selbst nicht in der Situation, kann man nicht wissen, wie man sich verhalten hätte und sollte sich daher bei der Verurteilung anderer zurückhalten. Im übrigen haben Menschen ja viele Facetten und man kann jemanden für manche seiner Eigenschaften und Haltungen schätzen und für andere nicht.

Ich selbst mag keine Fanatiker, egal von welcher Seite und bin eine große Verfechterin des Gesprächs, der Suche nach eventuellen Gemeinsamkeiten (die Unterschiede kennt man ohnehin), des Zuhörens, gewaltfreier Kommunikation. Es gibt nicht immer eine Einigung, aber oft einen geringsten, gemeinsamen Nenner auf den man vielleicht etwas aufbauen kann. Dazu bedarf es aber eines minimalen gegenseitigen Vertrauens. Und dieses Vertrauen, sei es noch so gering, kann man nur durch in Kontakt bleiben irgendwie aufbauen. Ja, es geht nicht immer … Ich finde es auch wichtig, die eigene Position nicht dadurch zu definieren, dass man gegen jemanden oder etwas ist sondern dadurch dass man für diese oder jene Position ist. Ebenso finde ich es besser, Positives zu verstärken, als nur immer auf Negativem herumzureiten.

Dieser Satz ist der eigentliche Grund, warum ich so ausführlich antworte:

Zu meinem Misstrauen gehört u.a. auch die heute gängige Floskel, „man müsse darauf achten nicht etwa von der falschen Seite Beifall zu bekommen“. Ich zumindest weiss nach 70 Jahren immer noch nicht, was im Leben die „richtige“ und was die „falsche“ Seite ist. Und ich bewundere den Mut oder die Selbstgefälligkeit derer, die vorgeben es zu wissen.

Ich habe ohnehin bei den Kommentaren schon darauf geantwortet, tue es aber nochmals, weil mir das Thema wichtig ist. Mit „falsche Seite“ meine ich nicht, dass die Seite an sich falsch – im Gegensatz zu richtig – ist, sondern, dass ich nicht möchte, dass jemand mir „applaudiert“ der/die meine geäußerte Meinung falsch interpretiert und glaubt, dass ich so denke wie er/sie obwohl das nicht der Fall ist.

Wenn niemand wüsste, was richtig und was falsch ist, wäre die Welt in einem noch schlimmeren Zustand als sie ohnehin schon ist. Wohlbegründete  Überzeugungen als selbstgefällig zu sehen, kann ich nicht nachvollziehen.

Damit mache ich Schluss und wende mich von der „Blogpolitik“ wieder ab 🙂

11 Kommentare zu “Das ist eigentlich ein Kommentar …

  1. Richtig und falsch ist immer schwer zu definieren in einer Welt, die so ambivalent ist wie die unsere.

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    • Ich finde auch, dass die Welt zu komplex ist um sie in einfache Modelle und Antworten zu gliedern, aber es gibt doch grundlegende Dinge, die man im Normalfall als richtig oder falsch einstufen kann. Zum Beispiel finde ich Gewalt in 99,9% der Fälle falsch und in ebenfalls 99,9% der Fälle friedliches miteinander Umgehen richtig

      Gefällt 5 Personen

      • Du hast es auf den Punkt gebracht Myriade, „bei Gewalt hört der Spass auf“, alles andere muss in einer modernen Gesellschaft zumindest besprech-, gelegentlich auch verhandelbar bleiben. Lg. Rainer

        Auf dass wir weiter so gut sprechen, danke für Deine Mühe.

        Gefällt 5 Personen

        • … und schon könnte jetzt die Diskussion starten, was bereits (verbale) Gewalt ist, was noch „ich sag‘ doch bloß was ich denke.“
          Denn zu diesem Punkt gibt es auch sehr unterschiedliche Ansichten, und Diejenigen, die sich zensiert fühlen stehen Denen gegenüber, die in der unzensierten Meinungsäußerung Agressivität gegen sich oder Andere sehen. Und dann wieder die Ersten, die Gegenwind mit Zensur gleichsetzen …. es bleibt schwierig!

          Gefällt 3 Personen

          • Fjonka, Du hast absolut recht, „man“ steht sich gegenüber, „man“ beschimpft sich, zum Glück ist das meist noch verbal. Wenn Sachen brennen, kann man sagen: „ist ja nur ein Auto, zahlt die Versicherung“. Aber der Schritt zur physischen Gewalt gegen Menschen war immer ein kleiner.Siehe gerade jetzt aktuell wieder im Nahen Osten.
            Deshalb muss unsere Gesellschaft diese Diskussion führen, wir leben nicht auf einer unbeschadeten Insel der Glückseligen, auch wenn wir uns das wünschen, Dialog ist notwendig, weitere „Lagerbildung“ wäre eine Katastrophe. Lg. R.

            Gefällt 4 Personen

          • Zwischenmenschliche Beziehungen können sehr schwierig sein, müssen es aber nicht unbedingt 🙂

            Gefällt 2 Personen

        • Ja, lass uns weiter gut sprechen. Herzliche Grüße

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      • vollkommen richtig und auch meine Meinung!

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    • Hallo, ich denke, das trifft es ganz genau. Jeder Mensch ist anders, jeder Mensch kommt von einem anderen Punkt seines Lebens an bestimmte Entscheidungspunkte. Will man „dem“ gerecht werden, bedeutet dies viel Arbeit und ist sicher auch nicht dauerhaft zu leisten. Deswegen verstehe ich auch dieses „Phänomen“ die jeweils „Anderen“ einordnen zu wollen. Lg.

      Gefällt 3 Personen

  2. Was mit Sicherheit die falsche Seite ist, dürfte ja wohl nicht gar so schwierig auszumachen sein. Mit der richtigen wird’s halt ein bisserl schwierig.

    Gefällt 3 Personen

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