19.12.19

Der vorweihnachtliche Teil des Prüfungsmarathons ist so gut wie abgeschlossen. Etwa ein Drittel der Arbeiten habe ich auch schon korrigiert. Ab Morgen Abend gibt es dann nur noch selbsterzeugten Stress und der hält sich sehr in Grenzen. Der Christbaum wird langsam und genüsslich Kugel für Kugel geschmückt. Die Barbarazweige sind etwas zu früh aufgeblüht aber eine wahre Pracht.

Schlimme Neuigkeiten gibt es von meiner Kollegin. Sie hatte am Wochenende den zweiten Lungeninfarkt in ein paar Wochen und bekommt nun eine Maxi-Chemo. Es gibt Fachausdrücke von denen ich lieber nie gehört hätte. Das ist eine Chemotherapie bei der die Patienten 46 Stunden lang an der Gift-Infusion hängen. Ob die behandelnden Ärzte noch irgendeine Hoffnung haben oder wenn nicht, warum sie zu solchen Keulen greifen, weiß ich auch nicht und wollte es ihr gegenüber nicht unbedingt thematisieren.

 

27 Gedanken zu “19.12.19

    1. Die Diagnose ist wohl nicht das Problem, eher die Prognose.

      Und bei dem beschriebenen Verlauf ist die Prognose im Sinne von Lebenserhaltung schlecht. Ich habe in meinem ganzen Onkologenleben darauf geachtet, dem Patienten therapeutisch nie mehr angedeihen zu lassen, als ihm letztendlich im Sinne der Erhaltung einer ausreichenden Lebensqualität für die Restlebenszeit auch zumutbar war. Was macht es denn für einen Sinn seine letzte Zeit an Schläuchen hängend, in einem weißgekachelten Raum umgeben von Technik zu verbringen?

      Und nein, Wildgans, an onkologischen Patienten verdienen sich nicht die Kliniken reich, wohl aber die Pharmaindustrie und der Versorgungsapotheker. Der Patient hat ja jederzeit die Möglichkeiten zu sagen, „ich gehe jetzt nach Hause“, niemand kann ihn per Strick am Bett festbinden. Voraussetzung ist natürlich, dass sich der Betroffene hinreichend informiert hat, da sind wir wieder bei der Selbstverantwortung.

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      1. „sich informiert hat“ ist natürlich das beste, aber in der Panik der Krebs-Diagnose ist klares Denken und Abwägen schwierig, und die meisten Menschen geben dann dem Vorschlag der behandelnden Ärzte nach. Zweitbestes wäre „informiert wurde“: darf man denn als Patient nicht auch erwarten, dass einem die Ärzte sagen, wie die Chancen stehen und was die von ihnen vertretene Therapie mit einem macht? Dass sie sich also nicht vor der Aufklärung drücken? Im übrigen verdienen nicht nur die Pharmaindustrie und Versorgungsapotheker, sondern auch die Ärzte und Kliniken an der Chemokeule. Denn sie sind in das Gesamtmodell eingebunden.

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        1. Ich habe überlegt, ob ich antworten soll, ich wage es, es bewegt mich zu sehr.

          Tut mir leid, aber Du siehst das viel zu einseitig.

          Natürlich wird jeder Patient aufgeklärt, auch über die Prognose. Die eigentliche Frage ist, was WILL er/sie davon hören und inwieweit folgt er dem Vorschlag? Und, was lassen die Angehörigen zu? Um ihr eigenes Gewissen zu beruhigen sind es meist die Angehörigen, die den Betroffenen drängen „alles“ zu tun.

          Das Wort „Chemokeule“ ist schlichtweg falsch und eine unzulässige Negativierung einer oft wirkungsvollen und im Sinne der Lebenserhaltung alternativlosen Therapiemethode. Was wäre denn beispielsweise Deine Alternative etwa für die junge Mutter von 3 Kindern mit Brustkrebs?

          Und, ich habe als Arzt wahrscheinlich eine vierstellige Zahl von Chemotherapien durchgeführt und verantwortet(!), dabei als Chefarzt nicht eine einzige Mark neben einem normalen Gehalt, für das kein Banker im mittleren Management losgehen würde, bekommen. Soviel zum Thema „an der „Chemiekeule“ verdienen“.

          Das es dabei auch einige „schwarze Schafe“ gibt, die vom Apotheker geschmiert werden, keine Frage, aber das ist nicht die Regel und somit nicht zu verallgemeinern.

          Bitte erst informieren und dann posten.

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          1. danke für deine Antwort, Rainer, die ich gerne relativierend zur Kenntnis nehme. Du hast schon recht, es ist nicht fair, den hart arbeitenden Ärzten Vorteilnahme zu unterstellen. Die meisten versuchen wirklich ihr Bestes zu geben, und dass das oft nicht ausreicht, ist nicht ihre Schuld und ihr Versagen. Ich reagierte eigentlich vor allem auf die Frage, wie in einer Situation wie der hier mitgeteilten der Begriff „Selbstverantwortlichkeit“ des Patienten inhaltlich gefüllt werden kann. Der Patient und dessen Anverwandte sind ja noch hilfloser als der Arzt, sie hängen quasi an seinen Lippen und erwarten von ihm, dass er ihnen die Last der Entscheidung abnimmt. Der Arzt auf der anderen Seite hat nicht die Freiheit zu sagen; wir versuchen nicht das Letzte. Und so wird eben auch dann noch „therapiert“, wenn es für den Patienten reine Qual ist und eigentlich niemand glaubt, dass es etwas bringt. (Ich spreche natürlich aus Patientenerfahrung, bzw Angehörige, nicht als Arzt).

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        1. Absolute Sicherheit kann niemand bieten, woher auch? Den Wunsch danach verstehe ich schon, enthebt er doch in gewissem Sinn von der Verantwortung für sich selbst zu entscheiden. In der Mathematik sind die Dinge klar, 2+2 sind immer 4, biologische Systeme dagegen sind viel, viel komplexer.

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  1. Sag mal, Myriade, bist du in Kontakt mit anderen, die auch mit ihr in Kontakt sind, damit ihr euch austauschen könnt und eventuell Antworten auf Fragen bekommt, die ihr lieber so direkt nicht stellen möchtet?
    (Schön, die Zweige.)
    Liebe Grüße
    Christiane 😁☕🍪✨🕯️🕯️🕯️

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  2. Liebe Myriade,
    Die Vermischung des Beitrags hat mich zum Sternchen verleitet. Das Foto und dein Bericht über erlegten Schulstress verdienen es. Die Erkrankung deiner Kollegin ist bedrückend. Es ist so schwierig, als ehemalige Krebspatientin würde ich retrospektiv sagen, dass eine kritische Stimme von Wohlgesonnenen uns sehr wichtig gewesen wäre, bevor man in Behandlungen hinein gedrängt wird. Wir erinnern mit Schrecken ein Gespräch mit einer Ärztin, die uns auf die vermeintlich bevorstehende Chemo nach der OP vorbereiten sollte, das alleine Grund für eine Verweigerung der Behandlung gewesen wäre, wenn uns mein Krankheitsbild diese Behandlung dann nicht letztendlich glücklicherweise erspart hätte. Keine Ahnung, wie wir reagiert hätten, bei anderer Prognose etc. …. Es war uns unmöglich uns damals zu informieren, noch eine wirklich klare Entscheidung zu treffen. Da herrschte Panik vor. …… Danach erst war es mir möglich eine Strategie zu entwickeln, wie wir uns vorstellen bei einer möglichen Neuerkrankung damit umgehen zu wollen. Freilich hoffen wir sehr, diese Strategie niemals zu gebrauchen. Damals aber war jeder Strohhalm recht und die Ausnahmesituation zu intensiv um irgendeine kritische Frage auffassen zu können, geschweige denn selbstverantwortlich zu handeln. Insofern war deine Reaktion goldrichtig, wenn auch vielleicht ambivalent für dich.
    Ganz liebe Grüße
    „Benita“

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