18.12.- Auf unseren Jahrestag !

Auf den Tag genau vor einem Jahr wurde an mir gesägt, gebohrt, gefräst und ich habe Bekanntschaft mit meinem Titan-Hüftgelenk gemacht. Ein Jahr soll es dauern bis der Körper „vergessen“ hat, dass das neue Teil nicht immer da war. So ganz ist das bei mir nicht der Fall, aber nicht wegen des neuen sondern wegen des alten Hüftgelenks, das begonnen hat gelegentlich zu zicken. Es ist aber noch nicht soweit, das ganze Procedere noch einmal zu durchlaufen. Ein, zwei Jahre wird das andere Gelenk schon noch funktionieren. Ganz vergessen kann ich also das Thema „Hüfte“ noch nicht, aber ich kann mich gut erinnern, wie es war, jeden Schritt zu spüren und immer zu überlegen, ob es sich nun lohnt, diese fünf Schritte mehr zu machen oder doch nicht. Ich habe also zwar noch nicht vergessen, dass ich ein künstliches Hüftgelenk habe, aber das wirkt sich durchaus auch positiv aus, weil ich mich immer noch darüber freuen kann, wie wunderbar es ist, zu gehen ohne ans Gehen denken zu müssen.

Wegen einer ganz harmlosen Bemerkung, die ein Kollege von mir ganz nebenbei gemacht hatte, habe ich mich am meisten gefürchtet. Er erzählte, dass man in der ersten Zeit nach der OP schon ziemlich hilflos wäre. Das hat mich mehr geschreckt als alles andere. Es war aber gar nicht so. Zu keinem Zeitpunkt habe ich mich hilflos gefühlt. Ein paar Stunden nach der OP hat mich der Physiotherapeut aus dem Bett geschmissen, der Katheter wurde entfernt und ab diesem Zeitpunkt ging es stetig immer nur aufwärts. Am Anfang war es wichtig, den 90Grad Winkel im Gelenk nicht zu unterschreiten, das war manchmal etwas mühsam, aber es hat sich doch für alles eine Lösung gefunden und nach 4 Wochen konnte ich ohne Krücken gehen, manche Bewegungen noch nicht machen, aber immerhin. Ab der 9. Woche habe ich Reha gemacht und am Tag nachdem ich von der Reha zurück war, habe ich wieder zu arbeiten begonnen. Großartig waren die Momente des „zum ersten Mal wieder …..“ Zum ersten Mal wieder tief gebückt, zum ersten Mal wieder Absätze getragen, zum ersten Mal wieder Brustschwimmen, zum ersten Mal wieder Schneidersitz. Es waren echte Highlights.

Nein, es war insgesamt nicht furchtbar und ich habe keine allzu große Angst vor dem zweiten Durchgang.

 

 

24 Gedanken zu “18.12.- Auf unseren Jahrestag !

    1. Danke schön ! Prost!
      Katastrophen und Horrorgeschichten „verkaufen“ sich immer besser. Tatsächlich sind sie aber zumindest in diesem Bereich der Chirurgie eher die Ausnahmen. Ich kenne eine Menge Leute, die völlig problemlos mit künstlichen Hüft- und Kniegelenken unterwegs sind. Es gibt natürlich auch andere, aber ob die ohne OP besser dran wären, bezweifle ich.

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  1. Gut, dass du dich dem Thema positiv denkend nähern kannst! Und hier noch ein kleiner Impuls hin zum Positiven: Mit jeder Operation steigt dein reiner Materialwert nicht unerheblich!.
    Spaß beiseite. Ich weiß, wie das ist. In meinem Fall halt Herzklappe statt Hüfte. Und OHNE Materialwertsteigerung!
    Alles Gute!

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    1. Oh ja, mein Partner hat die Sache mit der Wertsteigerung auch erwähnt 🙂 Was nun aber jenseits von Ironie wirklich ganz enorm steigt, ist die Lebensqualität. Und wenn man in nicht mehr so ganz jungem Alter erlebt, wie irgendein körperlicher Aspekt wieder immer besser wird, ist das auch ein wunderschönes Erlebnis.
      Im übrigen bin ich ein echter Fan der Chirurgie. Es ist doch absolut fantastisch, was sie alles kann. Hüftgelenke sind ja nicht besonders kompliziert, aber eine Herzklappe ! Und eine Leber auf zwei Menschen aufgeteilt, wie man kürzlich gehört hat …

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  2. Schon ein ganzes jahr ist es her. Ich erinnere mich noch so gut an Deine Berichte und nun lese ich *nach 4 Wochen konnte ich ohne Krücken gehen*. Eigentlich doch eine relativ kurze Zeit, liebe Myriade, gemessen an der Behinderung diurch das lädierte Gelenk, die Du vorher so lange hattest.
    Ich bewundere Deinen Mut und Dein Durchhaltevermögen! Es hat sich gelohnt.

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    1. Ich erinnere mich auch an deine freundliche Begleitung meiner Berichte.Vielen Dank noch im Nachhinein.
      Der Mut war eher der Mut der Verzweiflung, ich konnte ja kaum mehr gehen, ein Gehsteig war ein Hindernis, das ich nur mit dem anderen Bein „besteigen“ konnte …. Und wahrhaftig es hat sich absolut gelohnt. Prost !

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