la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Eine Enttäuschung oder vielleicht doch nicht ?

18 Kommentare

Ich habe das Buch gekauft, weil ich dachte, es wäre so etwas wie eine Schreibschule mit Tipps und Tricks. Es kommt mir ja an und für sich recht zweifelhaft vor, ob man kreatives Schreiben lernen kann, so nach dem Motto: „Sätze beginnt man mit ……“, „keinesfalls sollte man Wörter wie …….. “ verwenden und „die Anzahl der Adjektive wäre mit x pro fünfzig Wörtern gerade noch erträglich“. Dass dabei mit großer Wahrscheinlichkeit nur Steifheit und kein persönlicher Stil herauskommen kann, scheint mir klar. Trotzdem fand ich den Untertitel „Leben, schreiben, atmen“ doch sehr verlockend.

Gar nicht enttäuscht bin ich von den Texten der Autorin. Sie schreibt Alltägliches und Autobiografisches in einer Sprache, die mich wegen ihrer Schlichtheit und mangelnden Dramatik sehr anspricht. Am Ende jedes Textes gibt sie dann den Lesenden einen kleinen Anstoß zum Schreiben eines eigenen Textes.

Zum Beispiel endet ein Text mit dem Titel „wir lernen uns kennen“ folgendermaßen:

(…) Sie bringt mir Englisch bei, wie sie es spricht. Eine Menge selbsterfundener Wörter, die mich begeistern. Sie mischt sie mit jiddisch und spanisch. Sie sagt zu mir „Vámonos meschuggene chick“ p.68

Und dann die anschließende Schreibanregung:

Welche Wörter kennst du, die sonst niemand gebraucht? Wie nennst du den Matsch, den man braucht, um Sandburgen zu bauen? Bei uns hieß er Kalamatsch, die genau richtige Mischung aus Wasser und Sand, die man über Sandburgen tröpfelt.

Fällt es dir nicht ein? Fällt dir gar nichts ein? Es gibt eine Zauberformel, die immer funktioniert. Sie lautet: Ich erinnere mich an. Wenn mir nichts einfällt schreibe ich diese Zauberformel wieder und wieder: Ich erinnere mich an, ich erinnere mich an ….(1. Regel: Mach keine Pause!) Und irgendwann erinnere ich mich. Garantiert.   p.68

„Kalamatsch erinnert mich an Kala Nag. So hieß eine bestimmte Stelle auf einem Baum, auf den ich als Kind gerne kletterte. Kala Nag war ein Elefant und entsprechend hoch auf dem Baum war der Sitzplatz-auf-dem-Elefanten. Den Namen hatte er wahrscheinlich von meiner Mutter bekommen, die eine große Vorliebe für Geschichten aus aller Herren Länder hatte. Womöglich wäre sie gerne eine der großen reisenden Frauen geworden, wie Isabelle Eberhardt oder  Ida Pfeiffer. Tatsächlich wurde sie nach einem kurzen Intermezzo in der Arbeitswelt Hausfrau …….. „

Ich glaube gerne, dass durch so einen Ansatz persönliche, biografische Texte entstehen, mutige Texte, die eigene und fremde Erinnerungen wachrufen. Kein banales Aneinanderreihen von Wörtern. Wollte ich tatsächlich ernsthaft schreiben, müsste ich sicher durch eine biografische Phase, das eigene Leben abstecken, in Worte fassen. Erinnerung und Katharsis.

Nein, das Buch war keine Enttäuschung ….

 

 

18 Kommentare zu “Eine Enttäuschung oder vielleicht doch nicht ?

  1. Deine Kurzbeschreibung weckt mein Interesse am Buch. Danke für den Tipp.

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  2. Liebe Myriade,
    das Buch klingt sehr interessant. …. Wir speichern das einmal in der Leseliste. Danke für die Anregung.
    Einen schönen Abend.
    „Benita“

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  3. Ich habe vor Jahren mal einen Schreibkurs mitgemacht und war noch total in meiner lyrischen Phase.
    Ich schwöre, ich konnte gar nix dafür, aber alles, was ich zustande brachte, was unwillkütlich Gereimtes oder zu ironisch klingendes.,,

    Die Kursleiterin und ich trafen uns aber sofort bei der Lyrik, weil sie gerade ein Büchlein mit Gedichten herausgebracht hatte und Kurse an der VHS wollte sie keine mehr geben.
    Das fand ich schade und machte aich nie mehr einen solchen Kurs mit, weil die Texte der anderen Teilnehmer alle so langweilig klangen und jeder einzelne von ihnen war maßlos von sich, seinem Vortrag und seiner Geschichte überzeugt…
    Sie passten nicht zu mir oder ich nicht zu ihnen.

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  4. Kaklamatsch hieß es bei uns. Bei den Wörtern von Frau Wildgans und bei vielen anderen Gelegenheiten, manchmal auch bei mir (Krimskrams) sind Wörter Anstoß für „ich erinnere mich“-Geschichten. Ob es einer Extra-Phase der Autobiografie bedarf oder ob genug davon im Untergrund wabert, um bei jeder Gelegenheit – besonders auch beim Schreiben – an die Oberfläche zu kommen, kann ich nicht beurteilen. Einerseits bleibt das Erzählte ohne Elemente des Selbsterlebten öde, andererseits besteht aber auch die Gefahr, sich allzu sehr in die eigene Sonderwelt zu verlieren, und so nicht wirklich kommunikationsfähig zu sein – außer für Menschen, die in derselben Sonderwelt leben. Das ist zB bei mundartlichen Autoren der Fall.

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    • Kaklamatsch 😉 Ich wusste gar nicht, dass es da eigene Wörter dafür gibt. Binnenlandbewohnerin halt 😦
      Die Betrachtung über das mögliche sich verlieren in einer Sonderwelt ist ein wichtiger Punkt. Offenbar ist das auch für viele Lesende ein erstrebenswerter Zustand. Ich denke an die unendlich vielen Fantasy-Serien, die großen Erfolg haben. Da gibt es von Literatur bis zum allergrößten Schund. Gemeinsam haben diese Werke, dass sie Parallelwelten erdenken, in die sich die Lesenden zurückziehen können. Fluchtliteratur. Man kann auch in seine Kindheit oder in eine sonstige Phase des eigenen Lebens flüchten wollen …

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  5. Ja, Kreatives Schreiben kann man lernen. Nicht so formelhaft wie Mathematik, eher wie Kunst- oder Musikunterricht.
    Auch beim Kreativen Schreiben lernt man ein paar Grundlagen und muss dann üben. Üben hilft aber nur, wenn man auch weiß, wie man das eigene Geschriebene kritisch betrachten kann. Dazu Kreatives Schreiben Seminare.

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  6. danke für den Tipp. Das Buch liegt hier seit einigen Wochen auch schon bereit 🙂

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  7. Ich lese es auch gerade, schreibe heute dazu noch was.

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  8. „Vámonos meschuggene chick“ gefällt mir! Aber ich denke, ich sollte das Buch besser nicht lesen, weil’s sonst womöglich meine spanisch-tschechisch-hebräische Bierbestellformel überlagert: „Dos bivos bewakascha!“

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