Sonntag 27.10.19 –

Eine erstaunliche und aus meiner Sicht sehr positive Begegnung hatte ich heute. Eine meiner Kolleginnen ist vor Jahren zum Islam übergetreten und trug seitdem immer bodenlange Röcke und ein Kopftuch. Nicht eines von der Sorte wie sie türkische Mädchen und Frauen tragen sondern eine gemäßigte Variante, im Nacken gebunden. Nun war ich heute beim Kieser-Training, jemand rief mich beim Namen, ich erkannte sie zuerst gar nicht, denn sie trug kein Kopftuch und keinen langen Rock sondern Sportbekleidung wie alle anderen Anwesenden. Wir plauderten eine Weile. Fast bin ich ja zersprungen vor Neugierde, habe es aber geschafft, sie nicht zu fragen, ob sie das Kopftuch generell an den Nagel gehängt hätte. Sie ging dann vor mir und ich sah ihre Straßenkleidung: eine völlig „normale“ Hose und eine ziemlich schicke Jacke.

Die Begegnung hat mich sehr gefreut. Einerseits weil ich die Kollegin gerne mag und wir vor ihrer „Islamisierung“ einen sehr guten Kontakt hatten, der dann irgendwie abgerissen ist und sich vielleicht wieder herstellen lässt. Und andererseits, weil sie offenbar entweder ihre Überzeugungen neu durchdacht und verändert hat oder aber flexibel damit umgehen kann. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Sache weiter entwickelt.

Ärmelloses, Westen und Regenjacke, Sandalen und wasserfeste Schuhe. Um diese Jahreszeit kann das Wetter an der Atlantikküste alles werden, vom Spätsommer bis zur Regenzeit.

15 Gedanken zu “Sonntag 27.10.19 –

  1. Das klingt in der Tat sehr interessant. Ich wünsche dir/euch gute Gespräche!
    Atlantikküste? Ich habe es vermutlich verpasst: Darf ich fragen, wo es hingeht?
    Liebe Grüße zum Sonntag
    Christiane 😁👍

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  2. Hierzu möchte ich eine kleine Geschichte anmerken:
    Ich arbeite in einer Küche. Mittwochs, wenn Waren angeliefert und vorbereitet werden, arbeite ich mit einer kurdischen Kollegin. Wenn sie morgens aus dem Bus steigt, trägt sie Kopftuch, aber bei Arbeitsantritt nimmt sie es ab, da es „ungerne gesehen wird“ (ich habe sie gefragt) – Ich hingegen setzte mir bei Arbeitsbeginn ein Kopftuch auf, denn ich habe langes Haar und mag es nicht, wenn die Zotten nach Küche riechen. Nachdem ich Atheist / Normalo bin, regt sich niemand über mein Kopftuch auf… Das ist so absurd, dass es fast schon surreal ist.

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    1. Ja, das ist tatsächlich ziemlich absurd. Es ist ja auch absurd immer über Kopftücher zu wettern, eigentlich geht es ja auch nicht um Stoffstücke sondern ganz andere Themen. Die sind aber teilweise schwer zu fassen und zu formulieren und so wird eben auf die Kopftücher eingedroschen ……

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      1. Es ist wohl einfacher, sich Frauen aus einer Gruppe von Personen zu picken und an ihnen ein Objekt des Anstoßes festzumachen, an dem man sich reiben kann, als sich tatsächlich mit den Menschen, ihren Werten, Träumen, Ängsten und Gedanken auseinanderzusetzen. Mit dem Finger zeigen geht da leider schneller.

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  3. Ich kenn ein paar Fälle, in denen die Wahl des Lebenspartners mit einem ganz erstaunlichen Wandel des Weltbilds einhergegangen ist (z. B. Eva Glawischnig und ihre Beziehung zu Novomatic – kleiner Scherz). Ist das Ablaufdatum der Beziehung erreicht, pendelt sich’s wieder ein. Außer ein bisserl eine Selbstverstümmelung war im Spiel, die sich nicht so leicht rückgängig machen lässt wie eine Kopftuch- oder Burkaverkleidung, nämlich eine Art Brandzeichen, das den Besitzer/Partner ausweist:
    Seh ich eine Frau im Gedränge der Wiener U-Bahn, die ein Tattoo am Oberarm trägt, das mich als jemanden, der hobbymäßig viel Zeit an der Wiener Orientalistik verbracht hat, interessiert. Es handelt sich um eine eigentlich sehr schöne arabische Kalligraphie, die als „Niđɑːl“ zu lesen ist, was so viel wie „Kampf“ bedeutet, wozu einem (wenn man alt genug ist) Abu Nidal einfällt, der eine Terrororganisation angeführt hat, auf deren Konto u. v. a. auch der Mord an Heinz Nittel und ein Angriff auf den Wiener Stadttempel in der Seitenstettengasse geht.
    Die Frau ist allem Anschein nach keine Orientalin. Ich mach ihr ein Kompliment bezüglich des Schriftzugs und frag sie, ob sie seine Bedeutung kennt. Darauf sagt sie stolz: „Ja, das ist der Name meines Mannes!“
    Gut, dass der nicht Hadschi Halef Omar usw. heißt …

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    1. Herzlich gelacht über das mögliche Tatoo von Hadschi Halef Omar etc. ! Ohja an Abu Nidal kann ich mich erinnern.
      Solche Fälle , wie du sie beschreibst, in denen – meist Frauen – sich zu Religionen und Lebensanschauungen ihrer Partner „bekehrt“ haben, sind ja nicht so selten. Der Fall meiner Kollegin ist skurriler. Sie ist gemeinsam mit ihrem Mann zum Islam übergetreten, auf irgendeiner griechischen Insel. Beide sind Kärntner und hatten keinerlei „orientalische“ Hintergründe……

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      1. „Skurril“ ist der richtige Ausdruck! Was die wohl als nächstes ausprobieren? Eine neue Diät? Oder die Backwaren-Sekte?
        Sie ist wohl Lehrerin, wenn sie deine Kollegin ist Ich hätte nicht gewollt, dass so jemand meine Kinder unterrichtet.

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