la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Bushido – ABC-Etüden

14 Kommentare

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Die Wörter stammen diesmal von Ludwig Zeidler

Die drei vorgegebenen Wörter in einen Text von maximal 300 Wörtern verpackt.

“ Verzweiflungstaten – die fatale Auswirkung aufgezwungener kultureller Werte “ nannte sich der Artikel, den Sylvia G. aus gegebenem Anlass geschrieben hatte. Die Kommentare dazu reichten von „hirnloses Geschwurbel“ bis „endlich ein humanistischer Ansatz“.

Der junge Mann, dessen Mord an seiner geschiedenen Frau Auslöser für Sylvia Gs. Betrachtungen war, hatte weder den Artikel noch die Kommentare gelesen. Er war nicht sehr gut dabei, seine Emotionen in Worte zu fassen. Doch könnte er sie in Worten ausdrücken so wären es „Hure“,  „Ehre“ und „Rache“ gewesen. Die ambivalenten Gedanken, die Sylvia G. bei ihm vermutete, hatten ihn nie auch nur gestreift, mochte er seine Tat mit kühlem Kopf eventuell bedauern, so war er doch von deren Rechtmäßigkeit überzeugt.

Tagelang hatte er seine Frau und seine Wohnung beobachtet, hatte gesehen, wie sie wegging, wie sie sich mit einem Mann traf, wie sie seine Ehre mit Füßen trat. Hinter zugezogenen Vorhängen hatte sich diese Hure dem Mann hingegeben, mehr als einmal, immer wieder und sie war auf der Straße gegangen mit erhobenem Kopf als wäre sie noch eine anständige Frau, als wären sein Anspruch und seine Ehre noch nicht beschmutzt.

Bushido – Gangsta Rap Kings. Die Musik dröhnte und hämmerte in seinen Ohren, „Westberlin und Düsseldorf, Schlampe, wir sind Kings im Biz . Doch glaubst du, dass ich dich nicht mit paar Punches in den Himmel schick'“ , genauso war es und da drüben kam sie aus dem Haus in einer zu engen Hose und mit diesem Blick.  „Du redest über Bitches, ich fick‘ Überbitches . Werd’s deiner Tante zeigen, ich lasse die Schlampe reiten“

Und dann rannte er über die Straße und schnell war alles vorbei.

14 Kommentare zu “Bushido – ABC-Etüden

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 38.39.19 | Wortspende von Make a choice Alice | Irgendwas ist immer

  2. So gut erzählt, daß ich dachte, ich lese einen Abschnitt aus einem sehr modernen Roman, sachlich, trocken, mit Pfeffer gewürzt, der die schlimmsten Dinge in extra trockenen Worten beschriebt, um den Effekt zu erhöhen.

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  3. Da bringt einer seine geschiedene Frau um, weil er die Scheidung nicht akzeptiert, akzeptieren kann. Trauriger Alltag in D und vermutlich auch in Ö. Mir fällt dazu ziemlich viel ein, was ich hier überspringe. Einfach nur hässlich.
    Ich finde nicht, dass man diese Art Gewalt mit „Verzweiflungstat“ entschuldigen kann, aber in manchen Fällen hilft es als Ansatz zur Erklärung. Wobei, was auch immer wieder in einen Topf geworfen wird, „verstehen“ nicht „entschuldigen“ bedeutet. Dass sich dein Protagonist von der Musik legitimiert fühlt, macht es nicht besser. Auch ein weites Feld ein diesem Zusammenhang.
    Eine leider traurige, alltägliche Geschichte, die du uns hier in nüchternen, dürren Worten präsentierst.
    Liebe Grüße
    Christiane 😉

    Gefällt 2 Personen

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