la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Der Preis der Hingabe – ABC-Etüden

25 Kommentare

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Die Wörter stammen diesmal von Ludwig Zeidler

Die drei vorgegebenen Wörter in einen Text von maximal 300 Wörtern verpackt.

Hingeben wollte sich Gertrude, an jemanden, der über allen anderen stand, den sie verehren wollte, ohne wenn und aber, an den sie die unerträgliche Verantwortung für ihr Leben abgeben konnte. Die Welt sollte er ihr erklären und den richtigen Weg zur Erleuchtung zeigen. Dafür war sie bereit alles zu geben, was sie hatte, was sie war und was sie konnte. Sie putzte, sie spendete, sie überzeugte andere. Sie nahm an langwierigen, komplizierten Ritualen teil. Kein ambivalentes Gefühl leisen Zweifels durchzog jemals ihre bedingungslos demütige Haltung vor dem großen Rinpoche.

Sie putzte gerade noch den Vorraum zu den Privaträumen des Rinpoches im Tempel, erneuerte die Blumengestecke, verbeugte sich vor dem Bild des Meisters. Alles lautlos um ihn nicht zu stören. Die Tür zu des Meisters Räumen war nur angelehnt und sie hörte, wie er mit einem seiner Assistenten sprach. Sie hörte, was sich ihr wie glühend einprägte. „Nein, das kannst du vergessen“ sagte der Meister „so dumm ist nicht einmal die kleine, dünne Frau mit dem irren Blick, wie heißt die noch gleich?“ „Gertrude ?“ „Ja genau, Gertrude“

Die Tür ging auf, der Meister sah ihr tränenüberströmtes Gesicht, zögerte kurz, setzte sein breitestes Lächeln auf und erklärte ihr, dass er besonders fortgeschrittene Schüler wie sie auf diese Art der Erleuchtung einen Schritt näher bringe. Der Schock konnte sie aus ihren gewohnten Verhaltensmustern herauskatapultieren und sie die unendliche Weite des Raumes erkennen lassen.

Ein paar Tage später fand man ein zerschnittenes, schwarzes Tuch, das das größte Foto des Meisters im Tempel bedeckte und einen Brief von Gertrude. Zunächst befürchtete man das Schlimmste, einen Wahnsinnsausbruch, eine Verzweiflungstat. Doch in dem Brief fanden sich nicht die erwarteten langatmigen Abschiedsworte ans Leben sondern nur ein Satz „So dumm ist die Gertrude dann doch nicht “ und ein Zettel, der die Stornierung ihres beträchtlichen Bankdauerauftrags an den Tempel dokumentierte.

 

25 Kommentare zu “Der Preis der Hingabe – ABC-Etüden

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 38.39.19 | Wortspende von Make a choice Alice | Irgendwas ist immer

  2. Ein Meister? Nix anderes als ein taktloser Schwindler, der seine Schäfchen schamlos ausnutzte. Wie gut, daß sie mithören konnte.

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  3. Pastt 1 zu 1 zu meiner Etüde. was ein Zufall!

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  4. Alles Gude der Gertrude!

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  5. Fantastisch. Da hatte Gertrude Glück, dass der Blender dümmer war als sie. Toller Pay Off am Ende.
    Grüße, Katharina

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  6. Klasse!!! Das passt zu dem Buch, das ich gerade lese: Andreas Altmann, „Wenn du den Buddha triffst, töte ihn!“
    Ausserdem habe ich gestern aus Gründen einige statements zu ethischem Verhalten in buddhistischen Zentren gelesen, was „eigentlich“ selbstverständlich sein sollte, ist es eben leider nicht.
    Du sprichst mir also mit deiner Etüde aus dem Herzen. Gertrude ist aufgewacht, nichts anderes bedeutet ja „Erleuchtung“ –
    Liebe Grüsse
    Ulli

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    • ja, ganz meine Meinung. Die Aufarbeitung von sexuellem und sonstigem Missbrauch ist bei den buddhistischen Gruppen im Westen angekommen. Ich staune auch immer wieder, mit welchem Aufwand da absolute Selbstverständlichkeiten in Kataloge von Verhaltensregeln gegossen werden ….
      Lässt sich Positives über Andreas Altmann sagen ? Ich habe nur Ausschnitte aus seinen Büchern gelesen und die haben mir eigentlich keine Lust auf weiteres gemacht. Aber vielleicht tue ich ihm unrecht …

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      • Ich kenne bislang nur dieses Buch und bin noch am Anfang, aber mir gefällt es sehr – mehr kann ich zu Altmann nicht sagen!
        Missbrauch hat viele Gesichter, ich finde noch schlimm, wie von manchen Seiten versucht wird das Ganze zu deckeln, das geht für mich gar nicht. Auch staune ich immer wieder wie unterwürfig viele sind und die Botschaft nach selbstverantwortlichem Handeln nicht hören, geschweige denn praktizieren, dazu gehört für mich auch selbst denken.

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        • Ich habe auch oft den Eindruck, dass viele hauptsächlich aus eigenem Bedürfnis unterwürfig und bedingungslos gläubig sind

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          • eigenverantwortliches Sein ist eine der „höheren“ Übungen …?!

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            • In der Theorie wohl nicht. Ich glaube aber, dass jemand der die Möglichkeit sucht, seine Verantwortung für das eigene Leben abzugeben eigentlich keinen buddhistischen Weg gehen kann. Er/Sie ist aber ein höchst geeignetes Opfer für jede Form von Missbrauch

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              • Für mich stellt sich mehr die Frage wer was sucht und warum, suchen nicht gerade viele einen Guru, weil sie selbst nicht auf Lösungen kommen? Und was ist „zufällig“ bei der Auswahl und was nicht? Sind denn alle BuddhistInnen von der Haltung her buddhistisch und was genau heisst das?
                Sicherlich ist Selbstverantwortung ein Kern der buddhistischen Lehre, aber genau der wird von vielen nicht gehört oder umgesetzt und das hat ja dann auch Gründe.

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  7. Das Herauskatapultieren hat ja super geklappt.
    Ich wünsche Gertrude alles Gute.
    Unsrere Babysitterin fühert auch so ein Leben.

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  8. eine sehr schöne Wendung. Liebe Grüße, Annette 😀

    Gefällt 2 Personen

  9. Du hast ja einen etwas grimmigen Humor 😉 Wie schön, dass der Meister recht hatte! Nur dass die Erleuchtung anders ausfiel bzw. andere Folgen hatte, als er vermutlich erwartet hatte, denn diese Menschenliebe traue ich ihm dann doch nicht so recht zu. Sehr gelungen! 😀
    Liebe Grüße
    Christiane, überaus amüsiert

    Gefällt 5 Personen

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