la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Alltag #6 – Die Dose

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Alltag #6 bei Ulli 

Die Konservendose ist eine von mir ziemlich ungeliebte Mitbewohnerin, aber der F. liebt sie. Wir haben also gewissermaßen ein Dreiecksverhältnis miteinander. Er isst zum Beispiel mit Begeisterung Erbsen aus der Dose. Ich mag Erbsen auch sehr gerne, aber die schleimige Konsistenz von diesen Dosenschönen finde ich geradezu widerwärtig. Dreiecksverhältnisse funktionieren aber nur dann, wenn alle Beteiligten sich einigermaßen mögen. Mit anderen Worten: der F, die Dosen und ich haben ein etwas problematisches Dreiecksverhältnis.

Ich habe ja schon einiges versucht, aber erfolglos. Nicht einmal der Hinweis auf ökologische Bedenklichkeit bei der mit gewaltigem Energieverbrauch durchgeführten Produktion hat genützt. In Island zum Beispiel wird sehr viel Aluminium hergestellt, weil dort nun einmal die Energie geradezu unbegrenzt fließt, wenn dabei auch sehr viel unberührte Landschaft zerstört wird. Auch das konnte den umweltbewegten F nicht von seinen Dosen weglocken. Auch die Studien, die einen Zusammenhang zwischen Aluminium und Alzheimer sehen, waren ihm schlicht und einfach wurscht.

Mir bleibt also aus derzeitiger Sicht, nichts anderes übrig als mich mit den Dosen abzufinden, wenn sie auch herumstehen, leer und geschlossen, beim Öffnen immer wieder kleine Unfälle verursachen und aus meiner Sicht wenig Appetitliches enthalten. Obendrein muss man sie sammeln und zum Recyclen bringen und die papierenen Etiketten ablösen. Eventuell könnte man damit in Kindheitserinnerungen schwelgen und Türme bauen. Wenn aber andererseits so viele davon da wären um daraus Türme bauen zu können, bekäme ich wahrscheinlich eine Dosenkrise.

Zusammenleben hat eben seine Tücken und fairerweise überlege ich, welche von meinen herumliegenden Besitztümern den F nerven könnten. Was Bücherstöße betrifft, haben wir uns gegenseitig nichts vorzuwerfen, von denen haben wir beide welche. Ansonsten?  Wen können schon mehrere Strickzeuge, Berge von zu korrigierenden Prüfungsarbeiten, allgegenwärtige Schmuckschachteln und einzusetzende Pflanzen stören ? Eben.

 

21 Kommentare zu “Alltag #6 – Die Dose

  1. Pingback: Alltag 7 – Radierworkshop im Atelier – Dozentin Susanne Haun | Susanne Haun

  2. Ich bin mit Erbsen aus der Konserve aufgewachsen und mochte sie – bis ich vor vielen Jahren TK-Erbsen entdeckte. Das ist ja gar kein Vergleich. Schon allein die Farbe … Frische Erbsen habe ich, glaub ich, noch nie gegessen und habe sie auf dem Markt oder im Geschäft noch nie gesehen. Selbst wenn, ich weiß nicht, ob ich sie kaufen würde. Das ist einfach zu viel Verpackungsmüll, auch wenn der organisch ist. Aber 6-8 Erbsen in kleinen Röhrchen auspacken, da pult man sich ja hungrig, hat einen riesigen Berg Schalen und nur eine Handvoll Erbsen. 😉

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  3. Ich finde solange er den Doseninhalt warm genießt ist alles in Ordnung. 😉

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  4. *lach*, darf ich Dich mal in die Arme schließen, liebe Myriade? Haben die Dosenerbsen etwas besonders Männeranziehendes? *prust*
    Es scheint wohl so zu sein. Ich mag Erbsen auch gerne, aber nicht die in den Dosen, diese blässlichen, häßlichen, die gleich schon viel zu weichen 🙂 Aber er! Und aus der Dose heraus ist es wohl ein ganz außerordentlicher Genuss …

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  5. Mit den Dosen könnte man ein Kunstwerk bauen – aber nur wenn man viel Platz hat.
    Ich kenne eine Frau, die hat solche Dinge rund um ihr Haus angehäuft, sozusagen als Grundstücksbegrenzung. Mutig und interessant.

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  6. Hach, ein Beitrag mitten aus dem Alltag, sozusagen „Szenen einer Ehe“, aber von der angenehmen Art – angenehm? Ja, weil du nicht bei dem stehen bleibst, was dir gegen den Strich geht, sondern gleich einmal sehr ehrlich beleuchtest was von dir so in der Gegend rumsteht oder -liegt. Für mich sind, bzw. waren dies die kleinen Übungen zum gemeinsamen Alltag, andere empfand ich als sehr viel anspruchsvoller, leider sind wir ja auch gescheitert.
    Jetzt aber herzlichen Dank für deins und liebe Grüße
    Ulli

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    • Zusammenleben kann sehr schön sein, aber es braucht schon viele Übungen, wie du sagst, viele Ich-Botschaften und viel Humor. „Scheitern“ ist ein hartes Wort, manchmal geht es eben nicht, auch bei Bemühen von beiden Seiten und dann finde ich es allemal klüger dies einzusehen und eben getrennte Wege zu gehen, die sich ja auch manchmal wieder kreuzen können oder parallel laufen. Herzlich

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  7. Eine gute Wahl! denn das Zusammenleben von zwei Menschen ist DAS Alltagsthema. Wie viele Beziehungen sind daran gescheitert, dass TÄGLICH die Gewohnheiten des einen den anderen nerven! Wieviel Toleranz erfortert es TAGTÄGLICH, nicht die Beziehung hinzuschmeißen, weil man den Allltag des anderen nicht respektieren, sondern ändern will.

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  8. Wir haben da eine ganz gute Lösung gefunden.
    Was er nicht mag, kochen wir nicht und was ich nicht mag, auch nicht.
    Da es nicht so viel ist, klappt es ganz gut. Sollte man doch einmal Hunger darauf haben, kann derjenige es ja selbst kochen oder irgendwo essen.

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