Donnerstag 14.3.19

Leider ist ein ewig langer Arbeitstag, an dem ich so um 22:15 nachhause komme, auch dann anstrengend, wenn ich nicht gerade am Vortag erst von der Reha zurückgekommen bin. Die einzelnen Teile des Tages sind nicht so anstrengend, aber die Gesamtheit.

Die schwierigen Themen meines Lebens haben sich auch nicht einfach in Luft aufgelöst, weil ich wieder gehen kann. Die Phase der Euphorie war sehr schön und ich genieße immer noch jeden Schritt, den ich mache, aber die Erde hat mich wieder. Und die Erde bietet mir so manche stachelige Strecke.

Plaudern mit Schülerinnen mit afghanischen Wurzeln kann zu unerwarteten Schockerlebnissen führen. Sie ist nach ihrer Tante benannt worden, erzählt sie. Die Tante wurde mit Benzin übergossen und angezündet, weil sie drei Monate nach dem Tod ihres Mannes immer noch nicht dessen Bruder geheiratet hatte, wie es üblich ist. Witwen haben überhaupt generell einen ganz schlechten Ruf in Afghanistan und wohl auch anderswo. Es herrschen immer Zweifel an ihrer Keuschheit und Ärgeres kann einer Frau nicht zustoßen. Verglichen damit wird so manches zum Luxusproblem.

17 Gedanken zu “Donnerstag 14.3.19

  1. Liebe Myriade,
    Danke fürs erzählen, selbst wenn ich gerade vor Schock erstarrt bin. Es gibt noch so viel zu tun auf dieser Welt. Ist nicht neu, aber diese Realität bestätigt es wieder. Morgen ist Demo gegen Rassismus. Vielleicht ist das der nächste Schritt?
    Alles Liebe dir
    „Benita“

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    1. Allerdings. Nicht über andere Kulturen zu urteilen ist prinzipiell eine gute Sichtweise, aber es ist leider auch nicht zu übersehen, dass es Sitten und Gebräuche und Verhaltensweisen gibt, die man verurteilen muss.

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  2. was du über die schwierige Rolle von Witwen sagst, kann ich aus den Erfahrungen meiner Mutter, die mit 27 verwitwete, bestätigen. Mit Benzin wurde sie allerdings nicht übergossen, nur gesellschaftlich geschnitten, da sich die verheirateten Frauen durch sie bedroht sahen. In größeren Städten wäre es wohl nicht so schwierig gewesen wie in unserer Kleinstadt….

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  3. Harte Schicksale so junger Menschen ergreifen mich auch immer. Das einzige, was ich für sie tun kann, ist ihnen den Rücken freizuhalten, Fehlstunden zu entschuldigen und bereit zu stehen für Gespräche, liebe Grüße

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    1. Manchmal nützt das auch ein bisschen. Besonders schockierend an der Geschichte fand ich aber, dass das Mädchen gar nicht recht betroffen war. Sie sah die Sache als normal. Wenn man sich eben als Witwe nicht richtig verhält …….

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