la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

39. Station der Literaturweltreise – Kenia

7 Kommentare

Wieder unterwegs 

 

Yvonne Adhiambo Owuor

„Der Ort, an dem die Reise endet“ 2014

deutsche Ausgabe: Dumont 2017

Ein wahrhaft sprachgewaltiger Roman. Dennoch habe ich sehr lange gebraucht um in die Geschichte hineinzufinden und wollte unterwegs schon mehrmals aufgeben. Die Autorin hat eine epische, ausufernde Erzählweise. Der Ausgangspunkt: ein junger Mann ist in Nairobi gestorben und wird von Vater und Schwester in das heimatliche Dorf zurückgebracht von wo die Mutter des Verstorbenen sehr bald verschwindet. Ausgehend von dieser Situation werden die Geschichten mehrerer Familien aufgerollt. Beim Auftauchen jeder neuen Figur wird eine Schleife eröffnet, die entweder in die Vergangenheit dieser Person führt oder einen Aspekt ihrer Gegenwart besonders beleuchtet. So tun sich Kreiswege auf, die einander immer wieder berühren aber dann wieder auseinander driften.

Ich habe bis zu den letzten 120 von 500 Seiten gezweifelt, ob es der Autorin gelingen kann, alle diese vielen Fäden auf so vielen Zeitebenen und so vielen Erzählperspektiven irgendwie zusammenzuführen. Aber ja, es ist ihr gelungen. Sie wechselt sprachlich meisterhaft nur durch den Perspektivenwechsel in ihren Bildern von einer Erzählperspektive in die andere und schließlich fügt sich alles zusammen und ergibt ein sehr starkes Gesamtbild, das das Leben der Hauptpersonen in Kenia kurz vor, während und nach der Unabhängigkeit zeichnet.

Für die Leser*innen setzt sich das Gesamtbild erst spät zusammen. Am Ende des Romans bleibt der Eindruck, dass das Leben der Protagonisten in großen Schleifen weiterläuft und das Ende des Romans an einem fast beliebigen Punkt gesetzt wurde.

Es ist eine originelle, sehr dramatische Erzählweise, an die man sich gewöhnen muss und die auch viel Zeit erfordert, weil der Text so gut geschrieben ist, dass es schade wäre, ihn nur zu überfliegen. Gestört hat mich, dass nicht nur einzelne Wörter sondern ganze Sätze in einer kenianischen oder äthiopischen Sprache vorkommen, die nur manchmal,  übersetzt werden. Zwar gibt es ein Glossar, dort wird aber lange nicht alles übersetzt und ich finde es auch mühsam mitten in einer wunderbar geschilderten Szene die Bedeutung von Wörtern oder ganzen Sätzen nachsehen zu müssen.

Ein Buch, das mich erst ungefähr ab der Mitte gefesselt hat, obwohl es wirklich hervorragend geschrieben ist. Von einer Autorin, deren Erstling dieser Text ist, wird man wohl noch einiges zu lesen bekommen, wenn ich auch hoffe, dass ihre literarische Entwicklung eine gewisse Straffung des Erzählens bringen wird.

7 Kommentare zu “39. Station der Literaturweltreise – Kenia

  1. Ah, klingt interessant. Nordkenia, weil du „Äthiopien“ sagst? Massai/Samburu?
    Liebe Grüße
    Christiane

    Liken

    • Die Protagonisten stammen aus verschiedenen Völkern. Die Sprache die am häufigsten vorkommt heißt tigrinya. Es ist ein ebenso faszinierender wie verwirrender Text

      Gefällt 1 Person

      • Tigrinya ist eine der eritreischen Nationalsprachen. Eritrea wiederum grenzt nicht an Kenya, sondern liegt im Norden Äthiopiens, das nördlich von Kenya liegt. Aus Erfahrung kann ich dir sagen, dass Tigrinya sich für unsereins nach lauter unaussprechlichen Konsonanten und verschluckten Silben anhört, die selbstverständlich alle unterschiedliche Bedeutung haben. (Sehr fröhliche Leute, und die Männer neigen zur Hitzköpfigkeit.)
        Ich schau mich nach deinem Buch mal um, es klingt interessant. 😉

        Liken

  2. Pingback: BUCHweltreisebericht: 1. Quartal 2019 | umgeBUCHt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s