la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Regietheaterpremiere – ABC-Etüden

17 Kommentare

Die ABC-Etüden bei  Christiane

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.

Vorausschicken möchte ich, dass ich Regietheater nicht leiden kann. Ich sehe nicht ein, warum man zum Beispiel einen Ibsen als Unterwasserballett und einen Shakespeare

Hier handelt es sich um die Premiere einer im Vorfeld vielbejubelten Neuinszenierung von Goethes „Faust“

Der Tragödie erster Teil

Nacht

In einer Lagerhalle mit mehreren Hängematten aus bunt gemusterten seidigen Stoffen. Faust schreitet auf und ab und wischt heftig über sein Tablet.

Habe nun, ach! Philosophie,

Juristerei und  Medizin

Und leider auch Theologie

Durchaus studiert mit heißem Bemühn. 

Auf die hintere Wand der Bühne werden Aufnahmen von sich paarenden Mistkäfern projiziert und ein dumpfes, rhythmisches „Uaaaa – uahhh“ ist zu hören.

Das Publikum ist leicht befremdet, bemüht sich aber seine progressive Kulturgesinnung nicht aus den Augen zu verlieren.

Da steh ich nun, ich armer Tor!

Und bin so klug als wie zuvor;

Aus den Kulissen kommt eine Kindergruppe in Häschen-Kostümen, die überdimensionale Plastikkarotten schwenkt und „ritsch-ratsch“ skandiert.

Das Publikum versucht die Kinder süß zu finden. Der Schauspieler rezitiert mit Todesverachtung

Dass ich erkenne, was die Welt

Im Innersten zusammenhält

Von oben fällt eine Papierweltkugel herunter, die im Fallen aufspringt und Gummibärchen über die Häschen regnet. „Haribo macht Kinder froh“ ruft Mephisto, der kurz zu sehen ist, auf einem Balkon stehend , der wahrscheinlich von „Romeo und Julia“ übriggeblieben ist.

Weh! steck`ich in dem Kerker noch?

Verfluchtes dumpfes Mauerloch

Wagner, der eigentlich erst sehr viel später auftritt, schießt plötzlich von links aus der Kulisse, bewaffnet mit einer Salatschüssel im Gmundner Design und schüttet Faust irgendeine grellorange Flüssigkeit über den Kopf.

„Nein, nein, nein, das ist zuviel“ ruft der Schauspieler und  reißt sich seinen geblümten Zylinder vom Kopf und den Umhang aus geflochtenem Stroh im Ötzi-Stil von den Schultern. „Jawolll“ ruft Mephisto, der als Riesenameise mit beweglichen Fühlern kostümiert ist. „Jawolll, es lebe die Menschenwürde, unsere und die vom alten Goethe“

Schnell übernimmt der Regisseur selbst die Rolle des Faust wobei er sich allerdings völlig in der Zeile irrt

…. ich finde nicht die Spur

Von einem Geist und alles ist Dressur

Aber das Publikum hat schon – teils kichernd teils fluchend – den Saal verlassen.

17 Kommentare zu “Regietheaterpremiere – ABC-Etüden

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 06.07.19 | Wortspende von Petra Schuseil | Irgendwas ist immer

  2. ich habe mich köstlich amüsiert, liebe Myriade 🙂

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  3. 🙂 Danke für diesen Schmunzler! Eine Theatervorstellung in Worten, die tausend Bilder in mir weckt.
    So, und nun ist dir also doch etwas eingefallen, wie guuut!
    herzlichst, Ulli

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  4. Schön auf die Schippe genommen!

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  5. Ah, SALATSCHÜSSEL SEIDIG ÜBERNEHMEN. Normalerweise sieht man sie auf den Bildern von Christiane, aber auf diesem nicht so gut 🙂

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  6. Besser als hier von dir kann ich nicht vor Augen geführt bekommen, dass es gar nicht so schlimm ist, dass ich nicht mehr ins Theater gehe, weil ich eh nichts verstehe – und das hier gleich im doppelten Sinn.
    Könntest du vielleicht am Anfang die drei Wörter noch einmal aufschreiben, ich kann sie nämlich auf dem Original nicht lesen. ODER: Richtig dick kennzeichnen im Text. Bitte!!!!

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  7. Okay, ich schließe mich dir an. Ich bin alt genug, um zu fordern, dass Theater für mich Sinn ergeben darf und nicht alles experimentell und frei und (keine Ahnung) sein muss. Ich würde wohl auch gehen.
    Liebe Grüße
    Christiane

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  8. Ich war mal in einem Theaterstück, bei dem die Türen des Saals gar nicht erst geschlossen wurden. Zuerst war ich irritiert. Als die Menschen dann schaarenweise vor den wirren Monologen flüchteten verstand ich warum. Als ich selbst geflüchtet war, dachte ich nur „Wie praktisch“.

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  9. Ich musste sehr Lachen. Mephisto als Riesenameise wird mir sicher ne Weile nicht aus dem Kopf gehen.
    Ein paar abstrusere Darstellungen habe ich auch schon gesehen und bin auch einmal in der Pause abgehauen.
    Grüße, Katharina

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  10. Tollhaus! Hast du großartig gepackt. Vonwegen zu deinen eigenen Wörtern fällt dir nix ein.

    Gefällt 4 Personen

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