la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Alltag #3 – eine Hass-Liebe

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Alltag #3, Dezember bei Ulli 

Es geht hier um Gegenstände, die für ein Paar Wochen zu meinem Alltag gehören

Ihr seid mir überaus nützlich, ja sogar notwendig, um von A nach B zu kommen, nicht für jeden einzelnen Schritt aber für etwas längere Strecken von etwa 20 Schritten aufwärts;  „größere Entfernung“ kann sich ungemein relativieren. Ihr seid für vieles nützlich: zum Anziehen ohne sich vorzubeugen, zum Aufheben von kleineren Dingen. Warum, wenn man sich nicht bücken soll, ständig alles auf den Boden fällt, gehört wohl zu den ewigen Rätseln.

Ich habe euch mit einem nilgrünen Bademantelgürtel aneinander gebunden. Der Nil ist sicher im Normalfall genauso grün wie die Donau blau ist, aber ich mag „nilgrün“. Es ist sehr praktisch euch um den Hals zu tragen, weil ihr dann keine Chance habt umzufallen und ihr – wenn ich freie Hände brauche – „bei Fuß“ neben mir steht. Man muss die Angestellten nur richtig einschulen und darf sie nicht aus den Augen lassen, dann geht das wunderbar. Aber trotz allem, ich mag euch nicht.

Ihr schlaft neben meinem Bett, samt nilgrünem Gürtel, ich schleppe euch ständig herum, stelle euch an den unmöglichsten Orten ab damit ihr nicht umfallt, sitze ich auf einem Sessel binde ich euch an der Lehne an und fotografiert habe ich euch auch schon. Auf diesem Foto sieht man auch meinen praktischen Servierwagen mit dem ich alles transportiere, was sich nicht unter den Arm klemmen oder in Taschen verstauen lässt.

Als ich mich von meiner Lieblingsklasse verabschiedet habe und ihnen erzählte, dass ich keine Ahnung hätte, wie lange ich mit Krücken unterwegs sein müsste, meinte ein Schüler „Krücken sind ja ein ganz trendiges Accessoire“ Es sei ihm verziehen, weil er selbst sich einen Kreuzbandriß zugezogen hatte und lange mit Krücken unterwegs war. Für einen jungen sportlichen Mann ist das aber nicht dasselbe wie ….. äh … für mich.

Es schneit seit Mittwoch. Ich liebe dieses Wetter. Seit Jahren hat es nicht mehr mehrere Tage hintereinander so richtig geschneit. Und ausgerechnet jetzt kann ich nicht hinaus oder vielmehr traue ich mich nicht hinaus. Es schneit nicht nur, es ist auch kalt und vielleicht liegt unter dem Schnee die eine oder andere Eisplatte zu der ich mich nicht dazulegen möchte. Hätte ich euch doch Spikes kaufen sollen? Na, jetzt ist es zu spät.

So sieht das dann aus, wenn ich abends in eurer werten Begleitung sehnsüchtig in den Schnee hinausschaue.

Hoffentlich kann ich euch in zwei Wochen im Keller verstauen. vielleicht nicht ganz hinten, man weiß nicht. Ich werde euch auch nicht von mir werfen so dass ihr womöglich irgendwie kaputt geht; schließlich habe ich auch eine zweite Hüfte, die schon etwas angenagt aussieht. Also insgesamt bin ich froh, dass es euch gibt, aber mögen, nein mögen tue ich euch nicht.

 

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32 Kommentare zu “Alltag #3 – eine Hass-Liebe

  1. Pingback: Alltag 4 |

  2. Diese Hassliebe kann ich gut nachvollziehen. Besser wär’s , es ginge ohne sie…Das hast du spannend wie eine kleine Kurzgeschichte geschrieben! Zum Schluss gibt es ja eine fast positive Überraschung; denn anfangs dachte ich schon, du musst(est) dein Leben immer so führen. Trotzdem verlangt so eine vorübergehende Situation viel Kraft und Mut. Und all die Hilfsmittel ersetzen eben nur teilweise die Gesundheit. Ich drücke dir die Daumen! Herzlich, Petra

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  3. Schnee ist tatsächlich nicht ganz leicht, kann man aber üben (du weiß ich habe den Stock und kein gutes Gleichgewicht, kann mich also ungefähr in die Situation hineinversetzen). Hast du einen Trekkingstiefel, Wanderschuh oder so etwas? Könnte besser halten als mit Spikes. Es sei denn unter dem Schnee ist eine Eisschicht.

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    • Eben genau davor fürchte ich mich. Es hat so viel geschneit, dass man nicht wirklich sehen kann ob unter dem Schnee eine Eisplatte ist. Solide Schuhe habe ich eh, aber manchmal stütze ich mich doch noch auf die Krücke und wenn die wegrutschen würde ……..

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      • Hast du die Möglichkeit die Krücke bis zum Boden in den Schnee zu drücken? Wenn du das mit dem Arm schaffst die Krücke leicht schief stellen wenn sie unten ist und ein bisschen hin und her drehen, je nachdem wie gut dein Gefühl für die Krücke ist merkst du am kippgestellten Stopper (unten) ob du auf Eis bist. (Mein Stock hat dieselben Gummistopper wie Krücken.)

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  4. Sie helfen ja auch, wenn du sie nicht magst ;-), in dieser Beziehung sind sie völlig gleich-gültig 😉

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  5. Liebe Myriade, dein Beitrag fällt unter die Rubrik, der nichtalltägliche Alltag – die Krücken gehören jetzt zu deinem Alltag und hoffentlich bald nicht mehr. Ich verstehe gut, dass du sie nicht wirklich magst, aber hej, sie sind unentbehrlich und brave Helferleins!
    Die Jugend ist vergangen, ja, und manches funktioniertnicht mehr so wie einst, aber Freude kann man in jedem Alter haben, oderrr?!
    Hab herzlichen Dank fürs erneute Mitmachen.
    Liebe Grüße
    Ulli

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  6. Erst einmal zu deiner Aussage: „Für einen jungen sportlichen Mann ist das aber nicht dasselbe wie ….. äh … für mich.“ – Da ist einzig und allein das Wort „Mann“ falsch, alles andere stimmt doch fast.
    Die Idee mit dem Gürtel ist Myriadelike – die ist fast patentierungswürdig!

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  7. So viel Liebe und Aufmerksamkeit für ungeliebte Stücke.
    Was wäre es für eine Welt ohne diese vielen Helferlein?

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  8. Wirst du den jungen Mann, der dir nach einem Sturz auf die Beine hilft, zum Vorwurf machen, dass du gestürzt bist? Wohl kaum,du wirst ihm danken. Rudolf Steiner sagte mal, man solle seine Hilfsmittel lieben. Ich versuche es mit den Hörgeräten, der Brille, dem Gebiss – denn es ist ein guter Rat. Schließlich sind sie ja nicht der Grund der Bedürftigkeit, sondern deren teilweise Abhilfe. – Aber natürlich verstehe ich dich: der Ersatz wird nie so geliebt wie das Original, und man ist ihm irgendwie böse, weil man sich mit dem Zustand, an den er einen erinnert, nicht anfreunden mag ….

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