la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Durch die Wüste – ABC-Etüden

12 Kommentare

Die ABC-Etüden bei  Christiane 

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.

Hier stand sie nun.

Ihre Familie hatte sie verlassen. Für die Reise ihres Bruders hatte das ganze Dorf zusammengelegt, ein wenig von allen Onkeln, Tanten, Cousins, von den Geschwistern, den Eltern, den Großeltern, Menschen aus der weiteren Familie, viele hatten etwas beigetragen in der Hoffnung auf große Geschenke von einem in Europa etablierten Verwandten. Aber sie selbst war einfach gegangen, ohne Geld, ohne genaues Ziel immer nur den nächsten Schritt vor Augen.

Viele Männer hatten ihr weh getan, hatten sie geprügelt und vergewaltigt, aber einige hatten ihr doch Geld gegeben und immer dachte sie an den Weg, an ein paar Schritte weiter in Richtung Norden. Ihre Füsse hatten geblutet in den Schuhen aus Plastikflaschen, ihre Hände waren zerschunden, ihre Genitalien verletzt. Tagelang gab es nichts zu essen, kaum Wasser. Viele blieben in der berauschenden Landschaft der Wüste, zwischen den Dünen, die immer wieder andere Ausblicke eröffneten, in der manchmal völlig transparenten Luft, die bei einem Sandsturm die Lunge völlig lähmen konnte. Auch die Leichen wurden an manchen Tagen von Sand bedeckt, an anderen lagen sie frei unter dem tiefblauen Himmel.

Der Himmel war noch ebenso blau. Die gnadenlosen Sanddünen liefen in Straßen aus, an denen elende Hütten und auch ein paar Häuser standen. Sie  konnte kaum glauben, dass sie so weit gekommen war. Es hatte sich noch nicht viel verändert: die Ansprüche der Männer waren dieselben, die Prügel auch, das Geld, das sie manchmal bekam, sah etwas anders aus. Wasser gab es hier und wenn man die Orte kannte auch zu essen und einen Schlafplatz. Doch sie wollte an den Ort, von dem sie gehört hatte, an den Ort an dem sie sein konnte.

Und hier stand sie nun, ein dürres Mädchen, barfuß, aber an ihrem Ziel angekommen: unter der Regenbogenfahne. Sie lächelte.

 

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12 Kommentare zu “Durch die Wüste – ABC-Etüden

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwoche 01.19 | Extraetüden | Irgendwas ist immer

  2. Eine waschechte Utopie! Ich mag so was sehr. Was ich bisschen vermisse, ist, wofür die Regenbogenfahne für sie steht. Hierzulande ist es eindeutig, aber in Afrika südlich der Sahara?
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 1 Person

    • Ja, das ist der Schwachpunkt der Geschichte. Mir ist nichts einigermaßen plausibles eingefallen, wie jemand im ländlichen Afrika etwas über Regenbogenfahnen erfahren könnte zumal die afrikanischen Gesellschaften ohnehin ziemlich homophob sind.Und sogar wenn mir ein Szenario eingefallen wäre, hätte ich es wohl nicht in 10 Wörtern unterbringen können.

      Gefällt 1 Person

      • Es gibt in Afrika aber immer wieder Versuche Pride-Paraden (also sowas wie hier der CSD oder die Regenbogenparade) auf die Beine zu stellen, man sieht das manchmal in queeren Medien, ich halte es also nicht für unmöglich, dass eine afrikanische Lesbe davon erfährt und dann im Kopf hat, wenn sie flieht kommt sie in der Welt an, in der man nicht sofort getötet wird weil man queer ist.

        Und wenn man ganz weit ausholt: Wieso könnte sie nicht durch zum Beispiel europäische Ärzte, die dort vor Ort waren davon erfahren haben? Das ist weit ausgeholt aber nicht weit hergeholt. Grethe Rask, so ziemlich der erste AIDS-Fallin den 70er Jahren, war eine dänische lesbische Ärztin, die sich in Afrika bei der Arbeit mit dem damals noch unbekannten Virus infiziert hatte. In Afrika kommt es noch immer oft zum Vollbild AIDS, warum sollten ausländische Ärzte dort nie über diesen Fall reden? Und wenn man dann weiter denkt, dann kann man durchaus auf die Idee kommen „Es gibt irgendwo auf der Welt Orte, da darf man so sein – ich versuche dort hinzukommen.“

        Gefällt 2 Personen

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