24.11.18 – Samstag Nacht

Ich bin sehr gerne im nächtlichen Wien mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, es ist bunt, abwechslungsreich, vielfältig. Je wärmer die Nacht desto besser die Stimmung. Gut, es ist Winter, aber die gestrige Nacht war wärmer als der gestrige Tag. An manche Orte würde ich in der Nacht nicht gehen, aber im großen und ganzen ist Wien zu allen Tageszeiten eine sehr sichere Stadt.

Eines von diesen Plastiksackerln aus der Gemüseabteilung eines Supermarkts. Wenn es in den Magen eines Wals, eines Delfins, irgendeines Meerestieres gerät, trägt es zu seinem Tod bei. Tonnenweise schwimmt Plastik in den Meeren, lagert sich ab, wird zu Mikroplastik, das wiederum uns Menschen langsam umbringt. Das ist irgendwie gerecht. In diesem Plastiksackerl liegen geschätzte zehn Dosen Bier. Es baumelt an der Hand eines schon leicht torkelnden jungen Mannes. Man weiß nicht, wo das Plastik und die Dosen im Laufe des Abends landen werden, wohin das Bier gegossen wird dagegen, ist ziemlich sicher.

Aus einem der grindigsten Imbisse, an dem ich auf dem Nachhauseweg oft vorbeikomme, ist ein winziger Friseursalon geworden. Zwei junge Männer arbeiten an Lichterkettendekorationen. An dem ungemein grauslich und unhygienisch wirkenden Imbissstand sah man immer nur dieselben Stammkunden, eigentlich immer alle betrunken, sonst hätten sie wohl auch nichts essen oder trinken wollen, das aus den Tiefen dieses Drecklochs kam. Warum diese Brutstätte für alle möglichen Vergiftungen nie aus hygienischen Gründen gesperrt wurde, war mir immer ein Rätsel. Jedenfalls wünsche ich dem neuen Friseursalon alles gute.

An einem benachbarten Würschtlstand steht eine Gruppe Japaner, die vom Touristenweg abgekommen sein müssen. Wahrscheinlich freiwillig, denn sie machen alle einen ganz zufriedenen Eindruck. So ein ganz echter, exotischer Wiener Würschtlstand muss auch was hermachen in einem japanischen Fotoalbum.

Es ist noch nicht sehr spät, lange vor Mitternacht, die U-Bahn ist voll. So eine U-Bahn ist ein sehr demokratisches Verkehrsmittel, da sitzen  Konzert- und Opernbesucher in Gala neben Jugendlichen, die für Disco und Club gestylt sind, einige Leute kommen noch sehr spät aus der Arbeit oder früh von abendlichen Aktivitäten zurück, andere sind erst unterwegs zu Veranstaltungen und Treffen. Die Stimmung in einem U-Bahnzug, der am Wochenende frühnächtlich unterwegs ist, ist ganz anders als tagsüber, entspannter, fröhlicher. Spät in der Nacht kippt die Stimmung dann oft ins Depressive. Wenn die gut situierten aller Altersstufen zuhause oder in Stätten der Unterhaltung und Geselligkeit angekommen sind, gehören die Öffis jenen, die kein Zuhause haben oder eines in dem sie lieber gar nicht ankommen wollen. Am Wochenende fahren die U-Bahnen die ganze Nacht lang und so mancher und so manche werden da wohl einige Runden im Warmen mitfahren.

3 Gedanken zu “24.11.18 – Samstag Nacht

  1. Ich gönne es den Obdachlosen diese Fahrten im Warmen. – Ich glaube, die werden auch nicht mehr kontrolliert, denn sie haben ja eh nichts. Im Winter haben auch manche Bahnhöfe geöffnet, die ja auch etwas Schutz bieten.
    Immer wieder: Nicht vorstellbar für mich, aber auch schon vor 50 Jahren nicht. Ich weiß echt nicht, was ich gemacht hätte, wäre es mir passiert.

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  2. Es ist gut, wenn sie hier Übernacht bleiben können! Manche Nächte im Winter sind einfach zu kalt, um ohne Erfrierungen und Schlimmeres davonzukommen. Hoffentlich kommen keine Kontrolleure und werfen sie raus!

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