la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Ach, ein Huhn – ABC-Etüden

21 Kommentare

Die ABC-Etüden bei  Christiane

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.

„Pfründe“  ist ja nun ein Wort, das zu einem ernsthaften Text inspiriert. Ich habe es diesmal anders gemacht, zwischen Mitternacht und ein Uhr habe ich einen höchst albernen Text geschrieben, der mir viel Freude gemacht hat

„Pfründe-Sünde-begründe“ skandierte der Abt und kicherte. Dann drapierte er schwungvoll seine Stola um den Hals, hob seinen Messkelch wie um anzustoßen und rief „mondän, exträm, bequäm“ und brach in schallendes Gelächter aus. Den letzten jungen Mönch des Klosters, der den Auftrag hatte, dem Abt überallhin zu folgen schauderte es.

Im Kapitelsaal hatten sich die verbleibenden gesunden Mönche zur Schriftenlesung und zum Gebet versammelt. Die inbrünstigen Stimmen verwoben sich ineinander und stiegen auf zu den Bögen des gotischen Saals, umschmeichelten den Schlussstein und verklangen fächerförmig. Und plötzlich erhob sich eine der schönsten Singstimmen des Chors und rief: „Pfründe-künde-verbünde“. Laut rief er und durchdringend und mit einer Stimme, die sich in unerhörte Höhen hinaufschraubte. „Mondän und souverän“ piepste die altersmüde Stimme des Konversenmeisters und der Prior versuchte sich an ein paar Tanzschritten, man hätte meinen können, dass es sich um einen Samba handelte. „Sonnenbaden“sang er  vergnügt „Sonnenbaden, Luftmatratze, Guuumikrokodil“.

Inzwischen war der Abt dem letzten jungen Mönch entkommen und nahm seinen Platz im Kapitelsaal ein. Misstrauisch beäugten ihn die anderen Mönche. „Ich werde es nicht länger zulassen“ sagte der Abt sehr bestimmt und kicherte nur ganz leise. „Kommen sie, meine Bruder“ schallte es von den Wänden „kommen Sie und seien Sie glücklich“ Er breitete die Arme aus, fast alle fassten sich an den Händen und begannen einen Rundtanz, dessen Schrittfolge jedem plötzlich völlig klar war. „Pfründe, Pfründe, Pfründe, ach ein Huhn, mondäne Blumenbeete, Kräutlein rupf“ sangen sie in perfekter Harmonie und tanzten sich bei den Händen haltend, in Schlangenlinien aus dem Kloster.

Der letzte junge Mönch und einige wenige andere starrten ihnen nach. Ein intensiver Schwefelgeruch wehte über das Kloster, den Garten und die Kirche. Es blieb aber für alle Zeiten unklar woher der Geruch kam, von den Tanzenden oder von den anderen.

291 Wörter

Advertisements

21 Kommentare zu “Ach, ein Huhn – ABC-Etüden

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 45.46.18 | Wortspende von Wortgerinnsel | Irgendwas ist immer

  2. Ja wen wundert es, dass in den Klöstern gute Stimmung aufkam! Sie hatten genug zu essen und das Bier haben sie in der Regel selbst gebraut. Und da hiess es dann: Probieren geht über Studieren!

    Einfach herrlich, die Geschichte!

    Gefällt mir

  3. 🙂 ich lache noch, so klasse, liebe Myriade!!!

    Es passt auch gerade besonders gut zu der Literatur, die ich gerade lese: der blaue Weg von Kenneth White, der auch hier und da zynisch bis humoristisch auf seinem Weg nach Labrador die Kirchenmänner aufs Korn nimmt (bald mehr!) …

    Konversenmeister las ich als Konservenmeister 😉
    herzliche Grüße
    Ulli

    Gefällt 1 Person

  4. Was musste ich schmunzeln.
    Solche Worte wie „Schlussstein“ liebe ich ja besonders deswegen, weil aus „SS“ ein „SSS“ geworden ist. Zuerst dachte ich, in Österreich ist das mit der ß-Regel anders, aber das war in der Schweiz. Und bei „Schluss“ kommt ja nur bei den an der alten Rechtschreibregelung hängenden ein ß am Ende.
    Zuerst dachte ich, der „Konversenmeister“ wäre ein Schreibfehler, aber ein „Konservenmeister“ macht im Kloster auch keinen Sinn. – Also belas ich mich bei Wiki – echtes Bildungsbloggen, danke.

    Gefällt mir

  5. auch im Kloster herrscht Lebens-Lust -:))) herzerfrischend diese Geschichte und ich vermute mal, der alte Herr im Himmel hat mitgetanzt…

    Gefällt 2 Personen

  6. Ich sehe da ganz deutlich einen ganz bestimmten Kapitelsaal vor mir. Nach Schwefel riecht es da nicht, aber man hört so Geschichten …
    Ein herrlicher Text zu so früher Stunde!

    Gefällt 1 Person

  7. Herrlich erfrischend am frühen Morgen, Myriade.
    So kann gerne jeder Morgen beginnen.

    Gefällt 2 Personen

  8. Ich glaube, wir haben alle völlig falsche Vorstellungen vom Leben in einem Kloster, wenn ich das so lese …
    (Grinsend ab.)
    Liebe Grüße am Morgen
    Christiane

    Gefällt 4 Personen

  9. Herrlichst!!! Grinsend sitze ich bei meinem Kaffee. Danke!!!

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s