Nur ein mildes Lächeln habe ich übrig für diese Filme

Ich meine die, in denen ein genialer Pädagoge in eine Klasse einer Brennpunktschule kommt, meistens in irgendeinem amerikanischen Slum, ein oder zweimal irgendetwas absolut cooles und geniales tut und schwuppdiwupp werden aus den haltlosen Jugendlichen entweder hochbegabte Musiker oder Anwärter auf den Nobelpreis. Problemlos. Unsereiner kann da nur sprachlos staunen.

Ich arbeite in keinem Slum, noch nicht einmal an einer Brennpunktschule, nur an einer Abendschule, die sich wohl nicht wesentlich von anderen unterscheidet. Hier hat die Wirklichkeit nichts mit den Filmen gemein.

Die Lebensrealität unserer Studierenden liegt fernab von Ausbildung, erworbenen Kompetenzen, beruflichem Aufstieg. Es ist manchmal schwer auszuhalten. Diese leer erscheinenden Blicke, die wahrscheinlich auf die innere Traumwelt gerichtet sind, die sich in keinem noch so winzigen Schritt, keiner noch so einfachen Handlung in der Realität abbildet. Die Konzentrationsspannen von gerade ein paar Minuten, in denen sie sich losreißen können von der permanent laufenden Unterhaltung auf whatsapp oder Instagram oder was immer. Manchmal haben wir, meine Kollegen und ich, den Eindruck bei jemandem einen Ansatzpunkt gefunden zu haben um ihr oder ihm einen gangbaren Weg in eine selbstbestimmte Zukunft vorschlagen zu können. Manchmal gibt es den einen oder anderen hoffnungsvollen Beginn, ein Aufblitzen von Interesse an einer Ausbildungsrichtung, an einem Thema, an einem anzustrebenden Beruf. Einige wenige Male gelingt es. Der Normalfall ist das nicht. Meist scheitern die Vorsätze an der ersten Hürde, meist besteht die erste Hürde darin, sich einer Sache wirklich zu widmen, Zeit und Energie hineinzustecken und Konzentration.

Das gibt es in den Filmen alles nicht. Da wird die Illusion hochgehalten, dass jemand der/die sich bis zu einem Alter von zwanzig und darüber hinaus nie für irgendetwas interessiert hat, nie irgendetwas konsequent betrieben hat, plötzlich doch imstande ist, sich zu fokussieren und seine selbstschädigenden Verhaltensweisen zu verändern. Wäre ja schön, spielts aber nicht.

 

21 Gedanken zu “Nur ein mildes Lächeln habe ich übrig für diese Filme

  1. Da hast du schon recht. Mit kleinen Aufwand ist das nicht zu schaffen. Doch gibt es immer wieder kleine Wunder im Beruf einer guten, einfühlsamen Lehrerin/ eines einfühlsamen Lehrers. Meistens lassen sich diese Erfolge einfach nicht durch Noten messen. Je mehr schulische Misserfolge jemand erfahren hat, desto schwieriger wird es jemandem wieder Mut und Zuversicht auf Erfolg zu vermitteln.

    Gefällt mir

  2. Amerikanische Filme haben mit Realität wenig zu tun. Nicht mal mit der Amerikanischen, geschweige denn mit der österreichischen. Du bist glücklicherweise schon zu alt um wegen „Club der toten Dichter“ Lehrerin geworden zu sein. Aber es ist nun mal so – Filme sind nichts anderes als die Märchenbücher moderner Zeit. Manchmal sind es auch Horrorstories …

    Gefällt 4 Personen

  3. Da hast Du recht. Ich erlebe das auch jeden Tag. Viele sind motiviert und geben dann aber bei der ersten Schwierigkeit auf. Durchhaltevermögen haben die wenigsten. Und die wenigen, die es dann doch immer wieder versuchen werden auch oft enttäuscht, doppelt schmerzlich.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s