Ein Fall von „naja“

Es war ein spontaner Kauf und tatsächlich haben mir ungefähr die ersten zwei Drittel des Buchs ganz gut gefallen. Eine originelle Idee, etwas überzogen, aber es handelt sich eben um eine Dystopie. Anfangs recht spannend und vielversprechend, wenn auch die Charaktere sehr seicht sind und nicht besonders gut dargestellt, aber eben ganz spannend.

Dann kommt der Moment, ab dem man den Eindruck hat, dass die Autorin nur irgendwie schnell mit dem Buch fertig werden will. Die Glaubwürdigkeit der Handlung bricht völlig zusammen, man kennt sich nicht mehr aus, wer nun zu welchem Lager gehört, die Personen werden nur noch mit sehr dürren Worten durch die Handlung geführt, alles wird gerafft und irgendwie runtergeschrieben, das Ende kommt zu schnell, zu konfus und ist weder glaubwürdig noch angenehm zu lesen.

Insgesamt hat mir die Idee mit dem Armband, das Frauen und sogar schon weiblichen Kindern nur erlaubt wenige Worte pro Tag zu sprechen gut gefallen, aber die Autorin war ihrem Plot nicht gewachsen. Kein Vergleich mit Margaret Atwoods „Geschichte einer Dienerin“

14 Gedanken zu “Ein Fall von „naja“

  1. Habe ein bißchen auf Goodreads gestöbert – und während die meisten voll des Lobes sind, aber dabei recht unspezifisch bleiben, hat eine genau deine Kritikpunkte angesprochen (und gesagt, sie möchte die Geschichte gern in einem besseren Buch lesen).

    Gefällt 4 Personen

  2. -M- ich stolpere direkt über die Grundidee, dass Frauen ein Armband tragen müssen, damit sie weniger reden, wird hier nicht sofort wieder ein Vorurteil Frauen gegenüber aufgegriffen?
    Mehr kann ich nicht sagen, kenne das Buch nicht und werde es wohl auch nicht lesen.
    herzliche Grüße, Ulli

    Gefällt 1 Person

    1. Da versäumst du gar nichts. Ich lese einfach gerne Dystopien jeder Art und es gibt davon auch sehr gute. Diese gehört da leider nicht dazu. Die Geschichte beschreibt, dass in den USA ein christlicher Fundamentalist gewählt wurde, der den Frauen alle Bürgerrechte verweigert, mit der Begründung, dass sie ja eigentlich alle viel lieber zuhause sein wollen und die Familie betreuen, alles andere wäre gegen die Natur. Dazu gehört auch dieses Armband, dass eben nur 100 Wörter am Tag zulässt.

      Gefällt 1 Person

      1. jetzt verstehe ich auch wieso du den Bogen zu Margret Atwood geschlagen hast, danke für die Ergänzung!
        (Und was Männer immer so glauben was die Natur der Frauen sei, grmpf … aber nun, da gehen die Frauen ja eben weltweilt weiter, gestern hörte ich, dass Bagdad eine Bürgermeisterin hat!)

        Gefällt 1 Person

            1. Diese Worte „dass eine Frau durch ihr Frausein nicht automatisch kompetent ist.“ empfinde ich nicht als Vorurteil. Ob Mann oder Frau – z.B. in der Politik – beide müssen durch Leistung von sich rden machen oder überzeugen, nicht durch ihr Geschlecht.

              Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s