la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Öffnung 2 – ABC-Etüden

10 Kommentare

Ach ich leiste mir noch eine zweite Etüde!

Die ABC-Etüden bei  Christiane

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden

Teil 1 ist hier 

Teil 2:

Auf dem Gang vor seiner Kabine hörte Julius Leute vorbeigehen, die redeten und lachten. Unerhört, dachte er rücksichtsloses Pack. Er beschloss an Deck zu gehen. Dort fand er auch sofort einen alleine stehenden Liegestuhl, von dem aus er aufs Meer schauen konnte. Laut Durchsage des Kapitäns war das Schiff gerade auf hoher See, weit weg von jeder Küste. Das Wasser waberte in den verschiedensten Farben, das Schiff spiegelte sich in fantastischen Windungen, am Horizont sah man nur eine dunkle Linie. In hypnotischem Rhythmus schlugen die Wellen an den Schiffsrumpf.

Dann sah er sie. Venus war sein erster Gedanke. Auf der makellosen golden glänzenden Haut des perfekten Körpers perlten Wassertropfen. Die schimmernde Haarpracht dagegen wirkte nicht nass, nur lockig und leicht. Die Brüste schienen noch von unsichtbarem Wasser getragen, fast schwerelos, die Brustwarzen steif nach oben zeigend. Bis zur Taille befand sie sich unter Wasser, aber es bestand kein Zweifel darüber, dass sie nicht etwa einen Fischschwanz hatte, sondern dass auch ihr Unterkörper und ihre Beine perfekt geformt waren; Ihre Bewegungen fließend wie das Meer, ihre Stimme lockend, komm zu mir, Julius.

Weit vorgebeugt saß er auf seinem Liegestuhl, fassungslos, völlig aus sich herausgetreten. Sie streckte ihre Hand aus und rief ihn nochmals. Er stand auf, schwankte bis zur Reling, hielt sich fest. Unwiderstehlich angezogen fühlte er sich, bereit alles hinter sich zu lassen, alles neu zu beginnen. Da bemerkte er, dass das Geländer leicht wackelte und wie ein riesiges unzerreißbares Gummiband zog ihn diese Wahrnehmung zurück in sein alltägliches Selbst. Skandalös, wacklig, gemeingefährlich, Beschwerde stammelte er. Die Gestalt der Venus war verschwunden, er stelzte torkelnd, empört vor sich hin murmelnd in Richtung Rezeption.

Die Kreuzfahrt war zu Ende, Julius hatte wieder eine Chance versäumt und nahm sein Leben wieder dort auf, wo er es vorübergehend verlassen hatte.

297 Wörter

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10 Kommentare zu “Öffnung 2 – ABC-Etüden

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 41.42.18 | Wortspende von Gerda Kazakou | Irgendwas ist immer

  2. Ich fürchte, das ist die Realität, und das gefällt mir gut, wie du das beschreibst. Armer Julius, armer Tropf, ich wiederhole mich. Wie furchtbar, so ein Leben, das sich nur auf Beschwerden und (unerfüllten) Träumen aufbaut.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

  3. Ach ach ach. Der arme Tropf …

    Gefällt mir

  4. Oftmals sind es die unerwarteten Ereignisse (Reling locker), die vor Schlimmerem bewahren.

    Gefällt 2 Personen

  5. Ach nee, armer armer Julius!

    Gefällt 1 Person

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