la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Dienstagsmarathon

23 Kommentare

Mein Stundenplan ist sehr fein, aber die Dienstage sind unendlich. Ich bin um 8:00 aufgestanden und um 22h15 nachhause gekommen. Dazwischen habe ich unterrichtet und einen Berg Administratives erledigt, eine Menge neuer Schüler*innen und Studierender kennengelernt und natürlich auch eine Pause gehabt in der ich zur Abwechslung vom asiatischen Essen gebackenen Parasol gegessen habe. Sehr ungewöhnlich, dass es diese Pilze in Lokalen oder auch auf dem Markt gibt. Meist muss man sie selbst im Wald pflücken, falls man denn Gelegenheit dazu hat.

Heiß und stickig ist es in unserem derzeitigen Schulgebäude. Im dritten und vierten Stock Saunatemperaturen. Alle Fenster und Türen sind offen. Der Unterricht in einem Raum wird oft vom Unterricht in einem anderen gestört, aber die Hitze und die stehende Luft wären noch unangenehmer. Mittwoch soll es wieder 30 Gad haben.

Trotz der klimatischen Bedingungen plätschert der Unterricht angenehm dahin, vormittags wie abends. Die interkulturellen Highlights gibt es in den Pausen zu erfahren. Zum Beispiel die Debatte darüber ob Tätowierungen haram sind oder nicht. Es gab unter den Studierenden zwei Meinungen dazu: die einen sagen, dass sie erlaubt seien, weil sie ja unter der Haut liegen und daher den Körper nicht verletzen, die anderen meinen, man müsse sie auf jeden Fall bei der Gebetswaschung entfernen, was nicht möglich ist, daher sind sie verboten. Ich habe dazu keine Meinung. Lustig fand ich die Information, dass es schnell abwaschbaren Nagellack geben soll, der sich bei der Gebetswaschung schnell entfernen lässt.

Ich genieße solche Überlistungen der eigenen Religionsvorschriften. Sie zeigen so eine grundvernünftige Einstellung zum irdischen Leben. Vor allem bei nicht ganz so orthodoxen Juden gibt es ja da die skurrilsten, sophistisch erdachten Strategien, wie man Vorschriften, die das Leben schwierig machen umgehen kann. Dass sich solche Dinge auch bei den Muslimen entwickeln, finde ich äußerst positiv. Vorschriften zu hinterfragen und sich Möglichkeiten auszudenken, wie man sie umgehen kann ohne sie wirklich zu brechen, lässt sich mit der Unflexibilität und Humorlosigkeit des Fanatismus nicht vereinbaren. Nun ist der abwaschbare Nagellack noch kein großes Zeichen, aber immerhin.

 

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23 Kommentare zu “Dienstagsmarathon

  1. Schön, wie du die vielen Veränderungen in der Schule wahrnimmst und gelassen beschreibst.
    Das trickreiche Umgehen von Religionsvorschriften ist eine in allen Religionen geübte Kunst. ZB was die Fastvorschriften bei den Christen – oder das fleischlose Essen bei buddhistischen Mönchen – oder die Shabatfrauen – oder das Alkoholverbot bei Moslems, oder das Zinsverbot bei Juden und Moslems…. Auf die Frage, warum man denn diese Vorschriften, die aus anderen Zeiten stammen, überhaupt noch ernst nimmt, kann man vielleicht mit dem Fiddler on the Roof antworten: „It’s tradition“

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  2. Ich finde die Weltanschauungen aus anderen Ländern immer sehr interessant. Erweitert sie doch den eigenen Horizont.

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  3. du trägst das alles mit Humor, ist eine gute Lösung, beste Grüße und alles Gute wünsche ich.

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  4. Woanders lesen erweitert den Horizont!

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  5. Man liest staunend…
    Gruß von Sonja

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