12-Stunden-Tage und Rausschmisse

In aller Munde ist der 12-Stunden-Tag derzeit in Österreich. Wir haben ein neues Gesetz, das von der Regierung in derartigem Eiltempo durchgedrückt wurde, dass den Betroffenen Menschen die Ohren schlackern. Die einen meinen, es wäre eine lange fällige „Modernisierung und Flexibilisierung der Arbeitswelt“, die anderen sehen darin eher eine in Gesetze gegossene Möglichkeit der Ausbeutung der Arbeitnehmer. Beide Seiten  haben natürlich exemplarische Beispiele für ihre Position anzubieten.

Für Lehrerinnen und Lehrer gibt es ohnehin keine Arbeitszeitregelungen. Ich habe schon viele 12, 13 und sogar 14-Stunden-Tage gehabt. Stundenplanmäßig jede Woche. Es ist nur als ziemlich junger Mensch gut auszuhalten und die Qualität der Arbeit ist eigentlich nicht zweifelhaft sondern eindeutig schlecht. Schlechter Unterricht wirkt sich halt nicht so dramatisch plakativ aus, wie wenn jemand aus Müdigkeit einen Arbeitsunfall hat.

Mein erster Schultag war gleich mal ein 12-Stunden-Tag. Kein ganz echter, weil immerhin in den Zwischenräumen Zeit für ein gemeinsames Essen unter Kollegen beim Asiaten schräg gegenüber war, aber es war für mich schon ein heftiger  Einstieg nach zwei Monaten Krankenstand und anschließend zwei Monaten Ferien.

Neuigkeiten gibt´s auch bei Schulgesetzen. Im Produzieren umstrittener Gesetze ist die rechtskonservative Regierung stark. Schülerinnen und Schüler, die eine bestimmte Anzahl von unentschuldigten Fehlstunden haben, sollen „angezeigt“ und dann von Amts wegen von der Schule abgemeldet, sprich rausgeschmissen werden. Drastisch. Und gesellschaftspolitisch kontraproduktiv. Was passiert denn mit diesen Jugendlichen? Sollen sie gleich eine Karriere auf der Straße beginnen, oder schiebt man sie dann von einer Schule in eine andere? Wunderbar durchdachte Maßnahme ….

Nicht dass ich nicht dafür wäre, dass Schülerinnen und Schüler regelmäßig in den Unterricht kommen, aber diesen Ansatz halte ich für sinnlos. Denn es handelt es sich um „unentschuldigte Stunden“, was heißt, wenn die Eltern oder die eigenberechtigten Jugendlichen irgendeinen Zettel produzieren auf dem „Kopfweh, Bauchweh, Zahnartbesuch….“ steht, fällt die Abwesenheit nicht mehr unter „unentschuldigte Stunden“.

Sinnvoller wäre es auszubauen, was tatsächlich stattfindet, nämlich das Nichtbeurteilen, wenn Schüler und Schülerinnen in einem Fach nicht mindestens 75% der Stunden anwesend waren. Dann findet eine Einstufungsprüfung statt und diejenigen, die zu oft gefehlt haben, können dieses Verhalten durch Lernen und Bestehen einer Prüfung ausbügeln. Wir werden dieses neue Gesetz österreichisch umsetzen, also ignorieren. Unsere Direktorin sagte bei der Eröffnungskonferenz, dass sie doch sehr großen Wert darauf legte, dass wir zu Weihnachten noch die gleiche Anzahl von Schülern hätten wie zu Schulbeginn. Das sehe ich auch so.

11 Gedanken zu “12-Stunden-Tage und Rausschmisse

  1. Zitat: „Wir werden dieses neue Gesetz österreichisch umsetzen, also ignorieren“.
    – ein bisschen schmunzeln muss ich doch, angesichts Deiner Formulierung. Ansonsten teile ich Deine Skepsis und Besorgnis und finde es gut und richtig, dass ihr ein schlechtes Gesetz einfach nicht umsetzt. Manchmal ist eben auch passiver Widerstand ein gutes Mittel der Wahl!
    Alles Gute für Dich!

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  2. Man könnte Schule ja auch ohne Schüler machen, dann hätte man weniger Ärger !
    Ich denk bei deiner Schilderung an Vera Birkenbihl, an GErald Hüther, an Manfred Spitzer – und all ihre Erkenntnisse, wie gern junge Menschen was lernen wollen, bloß Gehirn gerecht sollte es sein … !

    Gefällt 2 Personen

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