la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Wie roch mein August

19 Kommentare

Eine Idee von Read-On, an der ich mich gerne beteilige

Die beherrschende Duftnote war eindeutig Staub, frischer leichter Staub und alter schwerer Staub und ein wenig feuchter Staub, der leicht in Schimmel und Moder hinüber wächst. Staub von außen und von innen und an manchen schwer zugänglichen Orten könnte man glatt an die Urzeugung glauben und darüber rätseln, was wohl aus diesem zusammengeballten Staub entstehen wird. Ein lange leerstehendes Haus riecht nach verbrauchter Luft und wenn man auch stundenlang alle Fenster und Türen offen lässt. Vielfältig ist der Staubgeruch, er hat eine Komponente von Verzweiflung, von Verlust der ordnenden Kontrolle über die Welt, von Wehmut und Vergänglichkeit, eine biblische Dimension sogar als Grundstoff der monotheistisch Gläubigen. Immer erinnert er daran, dass Veränderung meist einen längeren Zwischenstopp im Chaos braucht und dass auch die allerbemühteste staubwedelnde Biederkeit sich nicht gegen den Fluss des Lebens stemmen kann.

Ich wusste nichts von der Vielfältigkeit und der Gewalt des Staubs und davon, dass ich diesen Geruch gar nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Überall schleicht er sich ein an Orte, die ganz bestimmt nicht staubig sein und nicht vernachlässigt und nicht leer. Der Staubgeruch hat sich auch in meine Wohnung  eingeschlichen, in die Kleidung und die Bücher und die Teppiche. Die Vorausahnung künftigen Staubs bringt mich dazu, meine Schrankräume und Bücherregale zu durchforsten und zu entrümpeln, meine Dokumente zu sammeln, die Anzahl der Geschirrstücke zu überdenken. Staub kann erschrecken und inspirieren und eröffnet auch Blicke in die Zukunft, keine besonders angenehmen allerdings. Staub riecht nach der conditio humana.

Auch angenehme Gerüche gab es im August, das viel dezenter als zu früheren Zeiten gechlorte Wasser der städtischen Schwimmbäder, die sonnengetrocknete Wäsche. Hätten Wespen einen für Menschen wahrnehmbaren Geruch, dann wäre dieser allgegenwärtig gewesen im August.

Aber insgesagt hat der Staub alles überlagert, schleichend und unerbittlich und maßlos konsequent.

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19 Kommentare zu “Wie roch mein August

  1. Chapeau und Hatschüü. Ich musste kurz an einen unserer Hamster denken, der staubicht und niesend unter Bett oder Kommode hervorkam, wen er uns freilaufend am Abend ausbüxte. Faszinierend geschrieben, besonders die allerbemühteste staubwedelnde Biederkeit…. Ich winke feudelnde Grüße

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  2. Der Geruch des Staubes, der alles überlagert, ich ausbreitet und die Gedanken frisst…
    Zwischen Büchern macht er es sich auch so gerne bequem und ich frage mich, ob er manchmal heimlich in ihnen liest *g*
    Toll hast Du ihn beim Schopf gepackt und vor uns ausgebreitet. Ich wedele ihn mal schnell von meiner Nase weg, damit ich in Ruhe niesen kann 🙂

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  3. Das Du ganz wunderbar und sinnlich geschrieben.

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  4. „Die Vorausahnung künftigen Staubs bringt mich dazu, meine Schrankräume und Bücherregale zu durchforsten und zu entrümpeln, meine Dokumente zu sammeln, die Anzahl der Geschirrstücke zu überdenken.“ – Das hast du schön gesagt.

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  5. Staub muss aber auch eine gefährliche Komponente haben, denn es gibt nicht umsonst den Begriff der Staublunge. Leute, die immer und immer wieder beruflich mit Staub zu tun haben, müssen Atemmasken tragen.
    Du hast hoffentlich alles gut überstanden und behältst die künstlerischen Aspekte des Staubs in Erinnerung.

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  6. Staub hat schon seinen eigenen Geruch
    vor allem wenn er sehr alt ist
    und doch ist es die Substanz die am ursprünglichsten ist
    denn es ist unsere Substanz
    aus Staub sind wir und zu Staub werden wir wieder

    und trotzdem sind da noch vielfältige Gerüche dazwischen .. :=
    Liebe Grüße
    Rosi

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  7. melde mich bald wieder, bis dahin alles Gute für dich, Klaus

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  8. Ja, Staub riecht eigentlich nach nichts und doch dominiert er alles, rätselhafte Substanz…

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