Guter Tag 15.8.18

Ein besonderer Tag: weder ist der Milchreis übergekocht noch die Quiche verkohlt. Nur die Wespenbelagerung wurde noch verschärft. Ein geruhsamer Tag: der Wind weht in die richtige Richtung, die Einflugroute zum Flughafen Schwechat ist heute anderswo. Ein besonders sauberer, aufgeräumter Tag: die Putzfrau war gestern besonders motiviert. Und insgesamt ist es wolkig und kühler, da erwachen meine Lebensgeister sofort …

Äußerst spannende Reportage darüber, dass Sprache die Art des Denkens formt. Man spricht seine Muttersprache nicht nur, man denkt auch in ihren Strukturen. Wen es interessiert, klicken  , es ist bis nächsten Dienstag zu hören.

5 Gedanken zu “Guter Tag 15.8.18

  1. Nicht nur denkt man in den Strukturen der eigenen Sprache – auch die Feinmotorik ist mit ihr verbunden. Man sieht es ja bei Erwachsenen: ein Italiener bewegt Hände und Füße beim Reden ganz anders als ein Deutscher, auch die Atmung ist bei jeder Sprache anders. Daher kann es bei gleichzeitigem Erlernen zweier Sprachen zu Rhythmusstörungen und Unsicherheiten in der Feinmotorik kommen. Ich hab dazu früher im Zusammenhang meines Lehrauftrags über bikulturelle Sozialisation und Spracherwerb an der Frankfurter Uni einige wenige Untersuchungen gefunden, weiß nicht, wo die Forschung inzwischen angekommen ist. Mir schien damals, dass bilinguale Kinder zu Über- oder Untermotorik neigen, also entweder stark zappeln oder besonders unbeweglich, wie eingefroren sind, weil der Sprachfluss nicht durch den Bewegungsfluss unterstützt wird. Kleine Kinder können zwar leicht verschiedene Sprachen lernen. aber die Mikro- Prägungen des Organismus durch unterschiedliche Sprachflüsse kommen sich ins Gehege. (Wie gesagt, das war eine wenig untersuchte Hypothese, die ich spannend fand).

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    1. Interessante These. Mir kommt sie nur nicht wahrscheinlich Von mir selbst und vielen anderen weiß ich, dass sich die Stimme verändert wenn man von einer auf die andere Sprache umschaltet, die man auf Muttersprachler-Niveau beherrscht. Ja, die Gestik verändert sich auch, manchmal sogar manche Verhaltensweisen. Ich habe das immer als ganz große Bereicherung empfunden, obwohl es natürlich auch eine etwas außerhalb der Norm liegende kompliziertere nationale Identität erzeugen kann.
      Problematische Fälle habe ich nur zwei kennen gelernt. Ein Dreijähriger. der von den Eltern Französisch und Englisch lernte und dann nach Österreich kam und so überfordert war, dass er ganz aufhörte zu sprechen. Und ein Mädchen mit katalanisch-deutschen Eltern, die in eine spanische Schule gehen sollte und von drei Sprachen auch völlig überfordert war …

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      1. Liebe Myriade, es geht hier um einen speziellen Aspekt des Spracherwerbs, nämich die körperlichen Begleitprozesse, und nicht darum, ob ein Kind mit dem Erlernen mehrerer Sprachen kognitiv oder psychisch überfordert ist. Gestern fand ich darüber auch eine empirische Untersuchung im Netz (heute finde ich sie nicht wieder, leider), in der Kindergartenkinder nach Feinmotorik und Sprachbeherrschung untersucht wurden. Es zeigte sich, dass die Kinder mit „Migrationshintergrund“ – also Doppelsprachler – in ihrer Feinmotorik signifikant schlechter abschnitten. Natürlich ist das kein Beweis.

        Meine Gedanken dazu: Wenn zwei Sprachen mit verschiedenem Rhythmus in sehr jungem Alter gleichzeitig gelemt werden, kommt es zwischen den Rhythmen der beiden Sprachen, die feinmotorisch umgesetzt und grobmotorisch durch Gesten begleitet werden, zu „Zusammenstößen“. Wie ist die Atmung zu regeln, wie sind die Hände zu brauchen, wie ist die Mimik einzusetzen? Gibt es viele Verschlusslaute, überwiegen die Vokale, wo werden r und l gebildet? usw usf. Das ist ja bei verschiedenen Sprachen sehr unterschiedlich und wirkt auf die Organbildung, die parallel zum Spracherwerb verläuft.
        Es kann natürlich sein, dass die beiden Sprachen als eine wahrgenommen und die Organe und Rhythmen entsprechend ausgebildet werden. Dann werden charakteristische Merkmale einer Sprache abgeschliffen, die esten werden schwächer, der ganze Ausdruck verwaschener.
        Nun, das ist ein riesiges Feld….

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        1. Schon klar, es geht um Gestik und Körpersprache. Zweifellos ein sehr spannendes und vielfältiges Thema.
          Meine Erfahrung ist nur einfach, dass Kinder, die zwischen mehreren Sprachen problemlos hin und herschalten können das auch in der Gestik schaffen. Vielleicht ist da nicht bei allen so, ich habe keine Studien dazu gelesen und beziehe mich nur auf persönliche Erfahrungen, allerdings mit recht vielen Menschen.
          Bei Kindern mit Migrationshintergrund ist es doch oft so, dass sie die beiden Sprachen keineswegs gleichwertig lernen und ihr erster Kontakt mit der Landessprache erst im Kindergarten stattfindet. Da ist auch noch keine Rede von problemlosem Switchen zwischen 2 Sprachen und Kulturen. Bei Kindern deren Eltern ihnen bewusst zwei Kulturen öffnen möchten, sieht das anders aus.
          Wie hast du das denn mit deinem Sohn erlebt, der ist doch sicher auch zweisprachig aufgewachsen?

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