Buddha und die Orgien

Diszipliniert bin ich nicht, obwohl, wenn es unbedingt sein muss, wenn ich zum Beispiel eine Prüfungsangabe für den nächsten Tag 8 Uhr brauche, und es ist 2 und sie ist noch nicht fertig, dann schaffe ich es immer sie fertigzustellen- vermutlich mit Hilfe von Selbstdisziplin. Nur wenn kein Druck dahinter ist, oh weh…. Immer wieder versuche ich es mit dem Schönreden: Diszipliniertheit ist nur was für  Betonschädel und Zwangsneurotiker, weiß aber selber wie dumm diese Behauptung ist.

Vor nunmehr schon über zehn Jahren begann ich mit dem Meditieren, was mir persönlich viel gebracht hat, disziplinierter bin ich dadurch aber nicht geworden. A propos meditieren: vor ein paar Tagen habe ich erfahren, dass der oberste Chef des Meditationszentrums, das ich sehr gerne besucht habe, ein in Amerika ansässiger tibetischer „Linienhalter“ sexueller Übergriffe an Schülerinnen beschuldigt wird. Ekelhafte Geschichte. Tatsächlich habe ich den Verein vor Jahren verlassen, weil mir die immer mehr in den Mittelpunkt rückende Verehrung dieses Menschen auf die Nerven ging. Die auf den Alltag bezogenen Lehren, die dort verbreitet werden, finde ich nach wie vor sehr wahr und sehr praktikabel, mit vielen Menschen, die ich kennengelernt habe, bin ich noch in Verbindung, aber dem Verein mit seiner gewaltigen Organisationstruktur, bei der ich immer wieder den Eindruck hatte, dass sie essentiell dazu dient dem „König“ ein angenehmes Leben zu bieten, gehöre ich nicht an.

Schwierig ist es für diejenigen, die an solche „Heilsbringer“ glauben, sie zum Zentrum ihres Lebens und ihrer Gefühle machen, alles was er/sie zu egal welchem Thema sagt für die absolute Wahrheit halten und ihr ganzes Leben völlig unreflektiert danach ausrichten, was so ein „König“ von sich gibt.  Eine schlimme Abhängigkeit erzeugt diese selbst gewählte, unkritische Verehrung, dieses Bedürfnis nach einem „König“ ,einem „Führer“, der angeblich die Wahrheit für sich gepachtet hat. Als hätten wir Menschen nicht alle dieselben Erfahrungsquellen zur Verfügung. Was geschieht diesen bedingungslos Gläubigen dann, wenn der „König“ sich als Veranstalter von Sex- und Sauforgien und als Belästiger und womöglich Vergewaltiger entpuppt?

Erschütternd finde ich, dass im Rahmen dieser Causa auch andere ähnlich gelagerte Situationen zutage kommen, dass sexueller Missbrauch offenbar in vielen buddhistischen Communities an der Tagesordnung ist und nicht hinterfragt wird, weil der Guru ja erleuchtet ist und nichts falsch machen kann.

Dabei ist der ursprüngliche Buddhismus in keiner Weise autoritätshörig.

 „Glaubt nicht an irgendwelche Überlieferungen, nur weil sie für lange Zeit in vielen Ländern Gültigkeit besessen haben. Glaubt nicht an etwas, nur weil es viele dauernd wiederholen. Akzeptiert nichts, nur weil es ein anderer gesagt hat, weil es auf der Autorität eines Weisen beruht oder weil es in einer heiligen Schrift geschrieben steht. Glaubt nichts, nur weil es wahrscheinlich ist. Glaubt nicht an Einbildungen und Visionen, die ihr für gottgegeben haltet. Glaubt nichts, nur weil die Autorität eines Lehrers oder Priesters dahinter steht. Glaubt an das, was ihr durch lange eigene Prüfung als richtig erkannt habt, was sich mit eurem Wohlergehen und dem anderer vereinbaren lässt.“ Aus einer Rede des Buddha an die Kalamer:

Diesen Grundsatz haben alle diese „Dharmakönige“ wohlweislich vergessen.

12 Gedanken zu “Buddha und die Orgien

  1. Liebe Myriade,
    Ich habe aus eben diesen Gründen die du nennst, das Zentrum verlassen, nachdem ich einige Zeit dort meditierte. Der Widerspruch zwischen den grundliegenden Gedanken, die du zitiert hast und den Strukturen dort war für mich zu groß um mich dort intensiver auf Meditation einlassen zu können. ….. Zu den Anschuldigungen sexualisierter Gewalt kann ich nichts sagen. Im Grunde verwundern sie mich in keiner (vor allem hierarchischen) „Institution“. Dazu ist sexualisierte Gewalt viel zu alltäglich auf dieser Welt. Die Verehrung des „Linienhalters“ war mir stets unangenehm. Gut, dass die Übergriffe Thema werden und geklärt wird, was war und die Betroffenen Hilfe erhalten. Ich hoffe, dass dies geschieht.
    In der Buddhistischen Religionsgemeinschaft gibt es übrigens sowohl eine Ombutsfrau als auch einen Ombutsmann für Opfer von sexueller Gewalt. http://www.buddhismus-austria.at/oebr-organisation/ombudsstelle/
    Ich denke, das ist ein guter Anfang.
    Alles Liebe dir.
    „Benita“

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    1. Liebe Benita, ich habe eh intensiv an dich gedacht, als ich von diesem Thema erfuhr. In Wien gab es keine Vorkommnisse dieser Art, aber die ganze Hierarchie und Verehrung muss einem als selbständig und kritisch denkendem Menschen auf die Nerven gehen. Es war ja nicht immer so. Als ich begonnen habe, ging es um die Inhalte und irgendwo im Hintergrund war da einer, mit dem man sich aber gar nicht beschäftigen musste. Leider hat sich das verändert und ich habe die Gruppe schon lange verlassen, weil ich es prinzipiell unerträglich finde, wenn man in irgendeinem Zusammenhang keine kritischen Fragen beantwortet bekommt. Ich bin noch mit großer Freude bei der Miksang-Gruppe dabei und treffe mich mit einiger Regelmäßigkeit mit ein paar Leuten. Leid tun mir einige Leute, die ich als sehr lieb und freundlich, wenn auch sehr autoritätsgläubig kennen gelernt habe und für die eine Welt zusammenbricht…..

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      1. Als ich dort zu meditieren begann war diese Verehrung gleich zu erkennen. Eigentlich reichte mir schon überall in den Räumlichkeiten und vor allem im Blickfeld bei der Meditation die Fotos der „Linienhalter“ zu sehen. Das fühlte sich schlecht an und ja, es gab keine Möglichkeit offen darüber zu sprechen. Hab dann das Zentrum gewechselt und mich viel wohler gefühlt. …… Wie heißt es so schön Ent-täuschung. …. Es ist eine Chance zu lernen, wenn eine solche Täuschung enttarnt wird. …… Auch wenn es hart klingt, es ist doch im Grunde gut für sie die Chance zu haben ihre Autoritätsgläubigkeit hinterfragen zu können. ….. Ich erachte es als Glück. Sie haben ja alle Werkzeuge (Meditation) zur Hand es gut verarbeiten zu können. ….. Ich hoffe, das klingt nicht zu streng. Ich wünsche ihnen selbstverständlich das Beste dafür!

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      1. Soweit ich weiß, war der Anlass die Übergriffe in der katholischen Kirche. Als es damals die sog. Klassik-Kommission gab, hat der ÖBR als Glaubensgemeinschaft vorsorglich reagiert, falls es Betroffene gäbe. Kann aber sein, dass es evtl. auch einen konkreten Anlassfall gab, der mir nicht bekannt ist?!

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