Für Regenfans und solche, die es werden könnten

Der Boden sieht gepunktet aus und verströmt den Geruch der ersten Regentropfen, die in den Staub fallen. Es ist ein Geruch zwischen staubig und feucht, zwischen erdig und luftig und er löst sich bald wieder auf, denn es beginnt sehr viel stärker zu regnen und bald kann  man die nasse Erde riechen und das Gras.

Die Menschen hechten in geduckter Position zum nächsten Dach. Nur wenige sind mit einem Schirm ausgerüstet. Die Dächer der Kinderwagen werden vorgezogen und die Einkäufe möglichst regengeschützt um die Kinder herum drapiert.

Auf das Glasdach vor dem Eingang zur U-Bahn trommelt jetzt der Regen und spritzt allen, die darunter stehen ins Gesicht und auf die Füsse. Nackte Zehen in offenen Schuhen, Sandalen und Flip-Flops werden ziemlich nass. Die Leute, die aus dem Stationsgebäude hinaus gehen wollten, überlegen es sich anders und verproviantieren sich zunächst für eine längere Wartezeit. Die beiden Ströck-Angestellten verkaufen hektisch Weckerln und Wasserflaschen, Nussschnecken, Mohnzelten, Topfengolatschn und sonstiges Hochkaloriges. Nach dem schwülen Tag und dem Warten aufs Gewitter ist die allgemeine Stimmung fast ausgelassen.

Aus Richtung des Möbelhauses, das knapp vor dem Konkurs steht, kommen Menschen mit riesigen Plastiksäcken und dem im-Ausverkauf-viel-ergattert-Gesichtsausdruck. Nass sind sie allerdings geworden, weil der Regen stark und plötzlich gekommen ist und zwischen Möbelhaus und U-Bahnstation eine  Brücke überquert werden muss. Ich komme vom Trazerberg.

19 Gedanken zu “Für Regenfans und solche, die es werden könnten

  1. Tja, und der Brandenburger Bauernverband befürchtet schon wieder Ernteeinbußen, weil es hier eben viel zu warm und zu trocken ist, seit Wochen. Wird wohl in der Gegend um Hannover auch nicht anders sein. Tja, das Wetter wird wohl leider nicht nur ein Small-Talk-Thema bleiben, wie es ausschaut.
    Aber Du hast den Regenguss sehr schön beschrieben. Ich rieche diese Regenluft auch so gerne.
    Herzliche Grüße

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    1. Es war und ist in Wien auch sehr heiß und gestern war der erste Regen seit langem. In den letzten paar Jahren ist das Wetter ja wirklich in der Landwirtschaft zum existentiellen Thema geworden. Viele Kleinbauern haben in den letzten Jahren schwere finanzielle Engpässe erlebt und viele haben aufgegeben …

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