la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Fanatisches

32 Kommentare

„Der Report der Magd“. Ein gut geschriebener spannender und unterhaltsamer Roman, dann der letzte Teil, durch den diese Geschichte in einen größeren Zusammenhang gestellt und ein Blick von außerhalb auf das Geschehen ermöglicht wird. Natürlich ist es eine fiktive Dystopie, aber so manche darin enthaltene Elemente lassen sich sehr leicht aus real vorhandenen gesellschaftlichen Strömungen entwickeln. Wo sich Fanatismus und Fundamentalismus mit Skrupellosigkeit und Machtgelüsten paaren, entsteht Hölle. Dazu fallen mir leider ohne größere Anstrengung einige Beispiele aus der jüngeren Geschichte und der Gegenwart ein.

Zufällig habe ich vor ein paar Tagen auch diesen Film über Sophie Scholl gesehen. Besonders gelungen fand ich die Szenen des Verhörs, in dem der Gestapo-Mann fast väterliche Gefühle entwickelt und der jungen Frau eine Brücke bauen möchte um dem Todesurteil zu entkommen. Er wankt nicht in seiner Ideologie, aber das menschliche Empfinden behindert ihn doch. Auch Sophie bleibt standhaft, was – sollte es sich tatsächlich so oder so ähnlich abgespielt haben – ungemein beeindruckend ist. „Die Sonne scheint noch“ soll sie kurz vor der Hinrichtung zu ihrem ebenfalls zum Tod verurteilten Bruder gesagt haben.

In diesem Zusammenhang ermutigend ist der Gedanke, dass in jedem noch so diktatorischen und menschenverachtendem Regime Widerstandsbewegungen entstehen, dass es immer Menschen gibt, die Ideale und Werte in Wort und Tat hochhalten. Ob das für einzelne Menschen, die unter solchen Regimen leben, leiden und sterben relevant und hilfreich ist ? Wohl manchmal und für einige. Wirklich allgemein sichtbar werden diese positiven menschlichen Eigenschaften erst durch den Blick aus zeitlicher oder räumlicher Distanz. Der Glaube an die Menschheit ist möglicherweise vom Standpunkt der Geschichtswissenschaften einfacher aufrecht zu erhalten als vom Standpunkt der Soziologie aus.

 

32 Kommentare zu “Fanatisches

  1. Ich finde das „Der Report der Markt“ ein fantastisches, beklemmendes und ungaublich gut geschriebenes Buch ist. War im letzten Jahr mein Highight und ich konnte kaum glauben, dass es ja schon 1985 geschrieben wurde. Ich lese Dystopien generell gerne, aber ich finde, dass der „Report“ mehr als das ist. Auf jeden Fall eine tolle Buchempfehlung!

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  2. Sophie Scholl, da hab ich den Film im Kino gesehen. Gemeinsam mit meiner Klasse. Der hat mich richtig aufgewühlt, vor allem die Gerichtsszene.
    Die Atwood steht schon länger auf meiner To-Read Liste.

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  3. Liebe Myriade,
    Einen Kommentar hab ich noch. 😉
    Danke für diesen interessanten Beitrag. Den Film kenne ich, das Buch ist notiert. ☺️
    Hab einen schönen Abend und herzliche Grüße ❤️
    „Benita“

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  4. passe auch heute gut auf, es wird wieder richtig heiß, Klaus

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  5. Ich wundere mich, wieso es eigentlich immer Menschen gab, die sich auflehnten – und voraussehbar mit Folter, Elend und Sterben dafür bezahlen mussten.
    Immer, wenn ich auf solche Biographien stosse, verstehe ich nie, wieso Menschen furchtbare Qualen auf sich nahmen, denn sie waren eigentlich immer ohnmächtig.

    Ein Rätsel.

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    • Ohnmächtig ihr eigenes Leben zu retten, aber oft mächtig als Symbole und Vorbilder für andere

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      • Ich weiß nicht, was sie im Einzelnen antrieb. Vollkommen schleierhaft. Vorbildfunktion?! Ich glaube nicht daran. Vielleicht waren es oft Leute, die einfach halsstarig waren?
        Aber wie gesagt: Ich verstehe diese Haltungen nicht.

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        • Anstand? Überzeugungen?

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          • Ja schon. Aber deswegen Torturen eingehen?

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            • Ich bin überzeugt, dass niemand die/der Widerstand leistet damit rechnet gefoltert und ermordet zu werden. Und mir ist im Gegensatz deine Einstellung absolut unverständlich. Bevor ich innerlich sterbe, weil ich einem mörderischen Regime gegen meine Überzeugung zustimme durch nichts tun und mich täglich vor mir selbst schäme, tue ich was geht. Selbstverständlich so relativ abgesichert wie es nur möglich ist. Lieber sterbe ich real, als innerlich und kann mich nicht mehr in den Spiegel sehen. Das hat nichts mit Halsstarrigkeit zu tun, viel mehr damit sich nicht seine Liebes- und Empathiefähigkeit rauben zu lassen, so brutal und gewalttätig die Umwelt auch sein mag.

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              • Was ist an meiner Einstellung „absolut unverständlich“?!? Wie lautet denn genau meine Einstellung? Habe ich die so dediziert in meinen 2, 3 Sätzen dargelegt, daß Du die Nase darüber rümpfen magst?
                Deinen ersten Satz kann ich übrigens auch nicht nachvollziehen. Es gibt wahrlich genug Beispiele, in der ein heftiges Risiko gegangen worden ist . Man wusste im Einzelnen, wie mit einem umgegangen wird, wenn man gefasst wird.

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                • Es ist möglich zu wissen, was geschieht wenn man gefasst wird und dennoch überzeugt sein nicht gefasst zu werden. Das mag naiv sein, aber eine gewisse Naivität braucht es evtl. sich für eine gute Sache in Gefahr zu begeben. …. Und, ja ich glaube eine Einstellung zu erkennen, wenn du Menschen, die Widerstand gegen Gewaltregime leisten als evtl. halsstarrig beschreibst. Bedaure, aber das hat mich geärgert.

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                  • Das war niemals meine Intention, diese Wagemutigen zu diskredieren! Bitte also lege nicht eine solche Haltung in meine Worte!

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                    • Hm, könnte daran liegen, dass deine Worte ebendies aussagten? Ich wüsste nicht, wie ich deine Worte anders hätte deuten sollen. Kannst du mir bitte erläutern, was du sonst in obigem Kommentar meintest? Es freut mich jedoch sehr, zu erfahren, dass Diskretition keinesfalls deine Intention war.

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                    • Hier im Netz wird vieles falsch verstanden.
                      Jemand äussert ein paar Worte und dann legt man diese Worte aus.
                      Ich hatte in letzter Zeit vieles über die NS-Zeit gelesen und auch über die drakonischen Strafen, die dann oft dran waren.
                      Es gibt Wissenschaftler und Gelehrte, die ihre Erkenntnisse/Ideen/Funde in den vergangenen Jahrhunderten nicht widerriefen, wohl wissend, was mit ihnen geschieht. Und es ist dokumentiert, was geschah.
                      Verteidigen möchte ich mich hier nicht grundsätzlich. Ich wüsste nicht wieso.

                      Ich bin ein freiheitsliebender Mensch.

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  6. Ich werde mir den Film noch einmal in der Mediathek aufrufen, da ich nur das letzte Drittel gesehen habe. Und da hat mich der fanatisch brüllende Richter, der keinen Widerspruch zuließ bis ins Mark erschüttert. Wenn man solchen Menschen ausgeliefert ist, dann ist alles zu spät.

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  7. Den letzten Satz finde ich besonders interessant. Ich muss noch ein wenig darüber nachdenken.

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