la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Aus Bildern geboren 1

35 Kommentare

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte? Oft und für viele Menschen ist das so. Was aber ist mit denjenigen, die Bilder in Worte umsetzen möchten? Ein Blick auf Gemälde, Fotos, Alltagsszenen erzählt oft schon lange Geschichten und sicherlich nicht jedem Betrachter dieselben.

Ich habe beschlossen, ein Bild-Erzähl-Projekt zu beginnen. Hauptsächlich für mich selbst, weitere Teilnehmer sind aber gerne willkommen. Wer mitmachen möchte, möge seinen/ihren Text auf dem eigenen Blog veröffentlichen und zu meinem Posting verlinken damit Interessierte mitlesen können. Die Bilder werden nicht regelmäßig erscheinen, vielleicht oft, vielleicht selten, das kann ich noch nicht sagen. Nur keinen Stress, es soll ja Freude machen.

Welche Texte? Alles ist erlaubt, vom 3-Worte Gedicht bis zum 30 bändigen Roman mit allen Zwischenstufen. Die Texte sind so lange, wie sie eben sind und es können Gedichte, Geschichten, Märchen, Leserbriefe, Essays oder was auch immer sein; Autobiografisches, Miterlebtes, Fiktives …. Einzige Bedingung: der Zusammenhang zwischen Text und Bild muss nachvollziehbar sein.

Hier ist Nummer 1:

Foto von Pixabay

Am letzten Ende des Bahnsteigs, wo sie stand, gab es keine Überdachung. Der Regen fiel stetig. In der Nacht würde Schnee daraus werden, die Züge vielleicht Verspätung haben. Der Zug, dem sie nachsah war pünktlichst abgefahren. Drinnen war es warm und trocken, zielgerichtet, ergebnisorientiert. Sie lehnte an einem Laternenpfahl, der trotz Nässe, Verlassenheit und betäubender Leere ihren Rücken sicher aufrecht hielt. Ihre Kapuze verlor langsam die Form, Regenschirm hatte sie keinen, denn sie hatte beide Hände fürs Umarmen und Festhaltenwollen gebraucht, fürs Festkrallen und Glattstreichen und vielleicht doch selbst Einsteigen. Beim Zurückgehen ins Bahnhofsgebäude musste sie an dem Würstlstand vorbei, wo sie vorhin gemeinsam gestanden waren und irgendetwas gegessen hatten, unter einem schmalen Wellblechdach zusammengedrängt mit anderen Reisenden. Die durchnässte Kapuze begann sich an ihr Gesicht anzulegen. Es wurde langsam dunkel und bald würde auch ein anderer Zug einfahren mit anderen Passagieren aus anderen Leben. Sie stand noch am Bahnsteig, weil sich in ihrem Kopf die Überlegung verhakt hatte, wie sie an diesem Würstlstand nur vorbeigehen konnte, wie nur sollte sie dort vorbeigehen und dann zurück ins Trockene, Geordnete, Helle mit Zukunftsperspektive.

Jahre später wusste sie, wie gut es war, dass der Zug mit allen Passagieren in die andere Richtung gefahren und sie nicht eingestiegen war. Die Schienenstränge hätten sich weder in der Unendlichkeit noch davor getroffen, die Lampen den Nebel nur unzureichend erhellt. Es war gut wie es war, nur die Erinnerung an das Zurückgehen über den Bahnsteig war vollkommen verblasst.

21.5.18

 

35 Kommentare zu “Aus Bildern geboren 1

  1. Pingback: Aus Bildern geboren 1 – Zusammenfassung | la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

  2. Huhu – der Knoten im Hirn ist gestern Abend noch geplatzt – hier meine Geschichte zu dem Bild.
    https://wp.me/p8qB43-6O8

    Einen schönen Montag
    Liebe Grüsse

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  3. Pingback: Aus Bildern geboren 1 – Die Zugfahrt ins Licht – Geschichtszauberei

  4. Pingback: Geschichtszauberei

  5. Ich finde dass die ein schönes Projekt
    . Das Foto ist melancholisch und sieht mir aus, davon schöne Fantasie entwickelt werden 🙂

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  6. Eine schöne Idee – schöner Text dazu – da mach ich gerne mit – Bilder finde ich als Muse immer sehr eindrucksvoll. Gibt es ein Enddatum, oder kann ich jederzeit schreiben?

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    • Hallo Rina – Nein, es gibt kein Enddatum, du kannst dich jederzeit anschließen. Irgendwann poste ich dann eine Übersicht über die Texte. Mir gefällt das Projekt sehr gut, aber ich mag mich nicht zeitlich stressen. Herzliche Grüße, ich bin schon gespannt auf deinen Text.

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  7. Pingback: Aus Bildern geboren – der Bahnhof. | vro jongliert

  8. Hallo Myride, hier ist mein Text: https://herzundverstand.blog/2018/05/22/abenteuerlust/
    Ich hoffe es ist richtig so.
    LG, Nati

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  9. du hast wundervolle worte zu diesem sehr melancholischen bild gefunden. eine tolle projektidee ❤ vielleicht greife ich sie irgendwann auf, wenn mein kopf und mein herz die ruhe hat, nebst gedanken auch wieder kleine geschichten zu schreiben.

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  10. Auch mir gefällt Deine Idee sehr, wie auch Dein kleiner Text dazu. Zu dem Bild hatte ich sofort ein noch nicht zu packendes geschwiegen denn in Worte zu packendes Gefühl, das dem sonnigen Vormittag übrigens vollkommen widerspricht. Mal sehen, ob es sich noch greifen lässt, ansonsten steige ich vielleicht später ein. Lust hätte ich ja schon 🙂
    Liebe Grüße
    Agnes

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  11. Ich finde deine Idee sehr schön. Bisher habe ich Texte geschrieben und dazu ein Bild gesucht. Leider passt es nicht zu meinen Blog. Kann ich da auch etwas bei H&V schreiben?
    LG, Nati

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  12. Das ist ein schönes Projekt. Gefällt mir sehr. Da mag ich auch mitmachen.
    Und dein Text gefällt mir auch.
    Liebe Grüße,
    Veronika

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  13. Ich glaube, das könnte auch was für mich sein.
    Mag deine Geschichte. Komisch, woran man sich erinnert, und was man vergisst.
    Liebe Grüße
    Christiane

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  14. Eine Idee nach meinem Geschmack, wie du dir denken kannst. Auf deinem Bild habe ich vergebens nach der Erzählerin Ausschau gehalten, noch an den Laternenpfahl gelehnt oder schon auf dem Weg ins Trockene. Wie ich verstehe, hast du aus der Perspektive der Frau erzählt, die zu sich Ich sagt, und nicht aus deiner Perspektive als Bildbetrachterin. Darf ich daraus schließen, dass es sich um einen autobiographischen Text handelt?

    Gefällt 3 Personen

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